Arbeitsschutz und Berufsbekleidung: Schutz plus textile Visitenkarte

Professionelle und hochwertige Schutzausrüstung und Berufsbekleidung schützen Mitarbeiter und stärken die Außenwirkung – der Markt dafür boomt.
(Foto: MEWA)
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Die Distribution von Berufskleidung läuft über verschiedene Kanäle. Laut des „Branchen-Reports Berufs- und Schutzkleidung 2018“ von Marketmedia24, einem Marktforschungs- und Beratungsinstitut aus Köln, ist und bleibt der Textilservice hier der wichtigste Vertriebskanal: Im Rahmen der Studie wird dem Mietservice für Berufsbekleidung, genauso wie dem Online-Handel, für die kommenden zehn Jahre ein weiter ansteigender Vertriebsanteil prognostiziert. Textilservice-Unternehmen entwickeln und liefern die Ware, übernehmen aber auch häufig die fachgerechte Reinigung und Instandsetzung der Textilien. So können Firmen die Verantwortung für sichere Schutzkleidung auf den Textilservice übertragen. Die Studie zeigt zudem, dass der Online-Handel inzwischen fast ein Zehntel der Gesamtumsätze auf sich vereint. „Allerdings kann weder ein Katalog noch ein Onlineshop die Beratungsfunktion des Textil Service oder eines Fachhändlers übernehmen, weshalb der Kunde diesen Vertriebskanal für die Beschaffung von Berufs- und Schutzbekleidung sowie PSA [persönliche Schutzausrüstung] nach wie vor schätzt“, stellt Dr. Patrick Kohlas, Referent der Arbeitsgremien beim Wirtschaftsverband Textil Service (Wirtex), klar.

Immer schneller – immer besser

Laut Wirtex machte der Gesamtmarkt im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro im Segment Berufskleidung inkl. persönlicher Schutzausrüstung – sie muss bei allen Arbeiten getragen werden, die aufgrund ihrer Art Verletzungen oder Gesundheits-Beeinträchtigungen hervorrufen könnten. „In dieser Sparte zeigen sich inzwischen starke Parallelen zu einer Beschleunigung bei der Fertigung von Alltagsbekleidung“, so Dr. Patrick Kohlas. So wie im Modebusiness verkürzten sich die Kollektionszyklen auch für Berufsbekleidung zunehmend, einzelne Linien würden entweder öfter überarbeitet oder sogar ganz gewechselt. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der „Fashionisierung“ von Berufskleidung, zum anderen in den immer kürzeren Innovationszyklen bei der Gewebeentwicklung und bei der entsprechenden Optimierung von Schutzfunktionen.

Kleider machen Leute

„In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Textilservice-Markt im Allgemeinen und der Markt für Berufskleidung im Speziellen immer stärker gewandelt“, erklärt Wirtex-Geschäftsführer Dr. Andreas Marke. Der klassische „Blaumann“ habe schon längst ausgedient: Heute gehe Berufskleidung eher in Richtung Freizeitlook. „Die Kleidung von Mitarbeitern soll nicht nur den Aufgaben ihrer Träger gewachsen sein, sondern zugleich frisch und modern wirken. Demzufolge muss sie häufiger neuen Trends angepasst werden. Was durchaus lohnend ist. Denn ein ansprechender Look trägt auch zur Mitarbeiterzufriedenheit und letztendlich auch zum Teambuilding bei.“ Der Außenauftritt in gepflegter und einheitlicher Kleidung schaffe Vertrauen gegenüber Kunden. Jeder Mitarbeiter werde als Teammitglied erkannt, dem Unternehmen zugeordnet und könne direkt angesprochen werden. Treten Mitarbeiter in einheitlicher Berufskleidung auf, werden sie zudem vom Kunden als kompetenter wahrgenommen. Das bestätigt auch eine Studie der European Textile Service Association (ETSA), auf die der Wirtex verweist.

Corporate Wear im Trend

Der Kundengeschmack hat sich stark verändert: Funktionale, bequeme und strapazierfähige Berufskleidung aus Materialien, die optimal auf den Arbeitsplatz abgestimmt sind, sind wichtig. „Daneben spielt der Teamauftritt eine entscheidende Rolle“, betont Dr. Patrick Kohlas. „Nicht nur die Firmenfarben können sich in der Corporate Wear wiederfinden. Das Firmenlogo als Patch, Aufnäher oder Einstickung, der Name des Mitarbeiters mit Funktion auf der Brusttasche – das alles macht den kleinen, aber feinen und vor allem entscheidenden Unterschied.“ Darüber hinaus sei Berufskleidung keine alleinige „Männersache“ mehr. „Unsere Unternehmen verzeichnen eine immer größere Nachfrage nach speziellen Frauenkollektionen im Bereich Berufs- und Schutzkleidung mit entsprechender Schnittführung“, so Kohlas.

Fachgerechte Pflege

„Unsere Unternehmen setzen auf qualitativ hochwertige Textilien, da die Wäschereiunternehmen nur jene Textilien einsetzen können, die sich möglichst lange im Kreislauf verbleibend aufbereiten lassen. Sie garantieren den dauerhaften Erhalt der Schutzfunktion von Berufskleidung – auch nach dem Kauf der Kleidung. Die eingesetzte Kleidung muss industriell waschbar sein und viele Waschzyklen überstehen, weshalb Produkte bekannter Markenhersteller, die am Markt angeboten werden, nicht einsetzbar sind“, erklärt Dr. Andreas Marek. Übrigens: Schutzkleidung sollte nicht zu Hause gewaschen werden, weil so bestimmte Schutzeigenschaften entfallen. „Chemikalienschutzkleidung muss nach dem Waschen professionell imprägniert werden, sonst geht die abweisende Wirkung gegen Chemikalien verloren. Bei Warnschutzkleidung kann die Verschmutzung nicht mit haushaltsüblichen Waschmitteln entfernt werden, ohne dass die Sichtbarkeit und Reflexionswirkung reduziert wird oder gar verloren geht. Bei Flammschutzkleidung müssen alle entflammbaren Rückstände professionell entfernt werden, denn verbliebene Schmutzrückstände sind potenziell entflammbar und es kommt zum Verlust des flammhemmenden Effekts.“

Schutz ist ein Muss

Ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, muss er seinen Mitarbeitern die Schutzkleidung bei riskanten Tätigkeiten kostenlos zur Verfügung stellen. Zeigt sich bei einer Prüfung, dass der Arbeitgeber keine den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung stellt, begeht er damit eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld einhergeht. Eine umfangreiche Einweisung zum Einsatz von Schutzkleidung gehört ebenfalls zu den Pflichten des Arbeitgebers – genauso wie die Reinigung und Instandsetzung. Verletzt sich oder erkrankt ein Mitarbeiter aufgrund mangelhafter Schutzmaßnahmen, macht sich der Arbeitgeber schadensersatzpflichtig. Mit professioneller Schutzausrüstung bzw. qualitativ hochwertiger Berufsbekleidung punkten Unternehmen also gleich zweifach – sie schützen ihre Mitarbeiter bei der Arbeit und demonstrieren nach außen einen hohen Qualitätsanspruch.

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Ausgabe 08/2018