Serie – Wirtschaft im Münsterland, Teil 6: Stadt Bocholt: Bocholt – die lebenswerte Industriestadt im Grünen

Ein Interview mit Ludger Dieckhues, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt
Ludger Dieckhues (Foto: Ludger Dieckhues)
Ludger Dieckhues (Foto: Ludger Dieckhues)
MLM: Was hebt Bocholt von anderen Städten ab?

Ludger Dieckhues: Die Stadt Bocholt als Wirtschaftsstandort ist geprägt von zwei Bereichen, der Industrie mit einem starken Mittelstand, bei der Zukunftstechnologien eine immer höhere Bedeutung bekommen, und dem Einzelhandel mit bekannten Markenfilialen und vielen inhabergeführten Geschäften. Auch der Tourismus spielt hier eine wichtige Rolle: Die Stadt am Rande des Münsterlandes liegt in einem Grenzbereich der Regionen zum Niederrhein, zum Ruhrgebiet und zu den Niederlanden.

MLM: Wie kommt es, dass sich in Bocholt Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing unter einem Dach befinden?

Ludger Dieckhues: Das ist in der Tat eine Besonderheit in Bocholt. Anders als in anderen Städten wurde bei uns 2012 die Wirtschaftsförderung 2012 in die Stadtmarketing GmbH integriert. Was damals ungewöhnlich war, hat sich für den Standort als wirklich positiv erwiesen. Durch die Nähe und Zusammenarbeit lässt sich vieles rasch und unkompliziert im Interesse der Stadt lösen.

MLM: Nutzen Sie Ihre Nähe zu den Niederlanden für Ihre Aktivitäten?

Ludger Dieckhues: Ja, natürlich. Schon seit vielen Jahren. Einerseits bieten wir grenzüberschreitende Fahrrad- und Wandertouren für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen. Andererseits unterstützen wir mit dem deutsch-niederländischen Netzwerkbüro grenzüberschreitende Handels- und Geschäftsbeziehungen und erarbeiten zurzeit ein intensives Netzwerk zu verschiedenen Themen.

MLM: Welche Unternehmen bestimmen die Wirtschaft in der Stadt Bocholt?

Ludger Dieckhues: Das ist zum Glück nicht leicht zu beantworten, weil es viele Unternehmen sind, die sich hier engagieren, aus unterschiedlichen Branchen. Vor allem Logistikfirmen agieren von Bocholt aus, aber auch der Maschinenbau, die Zerspanungstechnik, Baufirmen und Eventlogistik sind wichtige Bereiche. In den letzten Jahren hat sich darüber hinaus ein Schwerpunkt im Bereich neuer Informationstechnologien entwickelt.

MLM: Auf welche Weise unterstützen Sie Unternehmen?

Ludger Dieckhues: Die Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist vielseitig. Ob Vernetzung oder Potenzial-, Innovations- oder Gründungs-Beratung, Initiierung von Zukunftsprojekten und Wissenstransfer, Standortmarketing und Unterstützung bei der Unternehmenspräsentation - wichtig ist uns der direkte Kontakt mit den Unternehmen. Wir besuchen viele Firmen möglichst mehr als einmal im Jahr, um mit ihnen gemeinsam vor Ort zu besprechen, wo es Unterstützungsbedarf gibt und wo wir Unterstützungsmöglichkeiten sehen. Das führt dazu, dass wir sehr oft zusammen mit der Bauverwaltung auf kurzen Dienstwegen Probleme lösen oder auch Kooperationen anstoßen können.

MLM: Im Rahmen eines Digitalisierungskonzepts wollen Sie Amazon & Co. den Kampf ansagen. Wie muss man sich diese Strategie vorstellen?

Ludger Dieckhues: Zunächst einmal ist wichtig, dass man sich dem Thema stellt und darüber spricht. Damit haben wir im Handel schon vor drei Jahren begonnen. Wir werden sicher keine eigene Shoplösung schaffen, sondern Lösungen suchen, um das Kauferlebnis und die Verbindung von Leben und Shoppen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Digitale Präsenz ist hier ein Stichwort.

MLM: Welche Projekte stehen derzeit ganz oben auf der Agenda der Wirtschaftsförderung in der Stadt? Was sind Ihre Visionen für die Stadt?

Ludger Dieckhues: Meine Vision ist, Bocholt als lebenswerten Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln und die Idee einer Industriestadt im Grünen zu realisieren. Das heißt zum einen, die Innenstadt mit Leben zu füllen und zum Erlebnisraum zu machen, und zum anderen, Gewerbeflächen zu schaffen, um ansässigen und neuen Unternehmen Räume zur Expansion zu schaffen.
Ausgabe 08/2018