Als die Deutsche Bundesbank Ende Januar 2025 ihre Zahlen zum Geldvermögen der privaten Haushalte veröffentlichte, war eine Zahl besonders bemerkenswert: Das Geldvermögen der Deutschen hatte mit 9.050 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand erreicht. Gleichzeitig aber zeigt eine Umfrage des Bankenverbandes vom Januar 2025 ein paradoxes Bild: Nur noch 48 Prozent der Deutschen legten 2024 überhaupt Geld an – nach einem Hoch 2023 wieder auf dem Niveau der Vorjahre. Viele Anleger scheinen verunsichert. Die Frage lautet: Ist das klug – oder gerade jetzt der falsche Weg?
Die Verunsicherung ist verständlich. Geopolitische Krisen, schwankende Zinsen, Inflationsdruck und schwache Konjunkturaussichten prägen die Schlagzeilen. Das Sicherheitsbedürfnis bei der Geldanlage ist gegenüber Ende 2023 deutlich gestiegen. Nur noch 19 Prozent können sich vorstellen, ein höheres Anlagerisiko einzugehen, um damit eine höhere Rendite zu erzielen – gegenüber 33 Prozent im Vorjahr. Der Anteil derjenigen, die ein höheres Risiko gänzlich ausschließen, ist gar von 25 auf 52 Prozent angestiegen. Für 2025 bevorzugen die Deutschen vor allem sichere Geldanlagen: An erster Stelle stehen Immobilien mit 47 Prozent, gefolgt von Tagesgeld mit 43 Prozent und Gold mit 41 Prozent. Immerhin wollen auch jeweils 40 Prozent in Aktien und Fonds investieren – wenn sie die Mittel zur Verfügung haben.
Die Geschichte lehrt Gelassenheit
Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Unsichere Zeiten sind nicht automatisch schlechte Zeiten für Anleger. Im Gegenteil. Die „Long-Term Asset Return Study“ der Deutschen Bank Research belegt eindrucksvoll, dass Investoren über Jahrzehnte hinweg „konsequent belohnt“ wurden – auch wenn kurzfristig Krisen oder Rückgänge auftraten. Eine wissenschaftliche Langzeitstudie über Trend-Folge-Strategien („A Century of Evidence on Trend-Following Investing“) kommt zu einem noch bemerkenswerten Ergebnis: Diese Strategien erzielten seit 1880 in nahezu jedem Jahrzehnt positive Renditen – selbst in großen Krisenperioden wie der Weltwirtschaftskrise oder den beiden Weltkriegen. Das größte Risiko für Anleger ist dabei oft nicht die Volatilität der Märkte, sondern ihr eigenes Verhalten. Viele Anleger verringern ihre langfristigen Renditen, wenn sie versuchen, den optimalen Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu erwischen – das sogenannte „Market Timing“. Studien zeigen, dass diszipliniertes, langfristiges Investieren systematisch bessere Ergebnisse liefert als der Versuch, den Markt zu timen.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Bundesbank bestätigt diese These: Private Haushalte, die im dritten Quartal 2024 investiert blieben, erzielten eine reale Gesamtrendite von knapp 3 Prozent. Insbesondere Aktien und Investmentfondsanteile trugen positiv dazu bei. Wer hingegen sein Geld auf Bargeld und Einlagen belassen hat, musste weiterhin eine negative reale Rendite hinnehmen – die Inflation fraß die mickrigen Zinsen auf.
Diversifikation bleibt der Schlüssel
Die Frage ist nicht ob, sondern wie man in unsicheren Zeiten investiert. Eine Untersuchung des CFA Institute über Bärenmärkte zeigt, dass Portfolios mit „Low Volatility“-Titeln, Dividendenaktien oder Qualitätsaktien typischerweise am stabilsten durch Krisen kamen. Auch ESG-Investments – also Anlagen nach Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien – haben sich als widerstandsfähiger erwiesen. Eine europäische Studie aus 2025 belegt, dass ESG-Portfolios in Turbulenzen zwischen 2021 und 2024 insgesamt robuster waren als klassische Portfolios. Die Kunst liegt in der richtigen Mischung. Während klassische 60/40-Portfolios aus Aktien und Anleihen derzeit weniger stabil wirken, weil Anleihen nicht wie gewohnt als Puffer fungieren, eröffnen alternative Ansätze neue Möglichkeiten: Trendfolgestrategien, die flexibel zwischen verschiedenen Anlageklassen wechseln, haben sich historisch als besonders krisenfest erwiesen. Gleiches gilt für systematische Diversifikation über Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg.
Die Bundesbank-Zahlen zeigen auch, wer derzeit profitiert: Während die vermögensärmere Hälfte der Haushalte ihr Geldvermögen nahezu ausschließlich in risikoarmen Anlageformen wie Einlagen und Versicherungsansprüchen hält und damit weiterhin negative reale Renditen erzielt, konnten die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte durch positive Beiträge von Kapitalmarktanlagen ihre Renditen deutlich steigern. Die Schere zwischen jenen, die investieren, und jenen, die es nicht tun, öffnet sich in Krisenzeiten also noch weiter.
Was Unternehmer jetzt tun sollten
Für Unternehmer bedeutet das: Statt angesichts unsicherer Rahmenbedingungen in die Defensive zu gehen, kann eine klar strukturierte, diversifizierte und disziplinierte Anlagestrategie langfristig entscheidende Vorteile bringen. Die paradoxe Situation der aktuellen Umfragen zeigt es deutlich: Fast alle Unternehmen erkennen die tiefgreifenden Veränderungen durch wirtschaftliche Unsicherheiten – dennoch fehlt vielen die Bereitschaft, entsprechend zu handeln.
Drei konkrete Handlungsempfehlungen lassen sich aus der aktuellen Forschung ableiten:
Erstens: Bleiben Sie investiert. Die größten Verluste entstehen nicht durch Marktvolatilität, sondern durch Nicht-Investieren in Zeiten hoher Inflation. Wer sein Geld auf dem Tagesgeldkonto parkt, verliert real an Kaufkraft. Die Bundesbank-Daten zeigen: Die reale Rendite auf Einlagen bleibt negativ, während Kapitalmarktanlagen positive Erträge liefern.
Zweitens: Diversifizieren Sie intelligent. Setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Nutzen Sie verschiedene Anlageklassen, Regionen und Strategien. Trendfolgestrategien, Low-Volatility-Ansätze und ESG-Investments haben sich als besonders robust erwiesen. Auch alternative Investments wie Infrastrukturprojekte oder Private Equity können zur Stabilisierung beitragen.
Drittens: Denken Sie langfristig. Kurzfristige Schwankungen sind normal und historisch gesehen sogar Kaufgelegenheiten. Laut der Umfrage von Biallo verfolgen immerhin 18 Prozent der Befragten aktiv eine „Buy the Dip“-Strategie – sie kaufen also gezielt bei Kursrückgängen nach. Weitere 43 Prozent stehen Kursausschlägen gelassen gegenüber. Diese Haltung zahlt sich langfristig aus.
Die Rolle der Beratung
Angesichts der Komplexität lohnt sich professionelle Beratung. Gerade mittelständische Unternehmer haben oft weder die Zeit noch die Expertise, sich intensiv mit Anlagestrategien auseinanderzusetzen. Hier können spezialisierte Vermögensverwalter oder Finanzberater helfen, eine maßgeschneiderte Strategie zu entwickeln, die zur individuellen Risikotoleranz und zum Anlagehorizont passt. Die Zahlen der Bundesbank zeigen auch: Deutsche Haushalte bauen zunehmend komplexere Portfolios auf. Im dritten Quartal 2024 investierten sie verstärkt in Investmentfondsanteile (23 Milliarden Euro) sowie in Aktien und sonstige Anteilsrechte (7 Milliarden Euro). Gleichzeitig wurden Einlagen nur noch mit 9 Milliarden Euro aufgestockt – nach 42 Milliarden Euro im Vorquartal. Die Erkenntnis, dass andere Anlageformen aufgrund ihrer verbesserten Bewertung an Attraktivität gewinnen, setzt sich langsam durch.
Chancen in der Krise erkennen
Am Ende gilt: Unsichere Zeiten sind auch Zeiten großer Chancen. Wer jetzt die Weichen richtig stellt, kann sein Vermögen langfristig aufbauen und für die Zukunft absichern. Die historischen Daten sind eindeutig: Über lange Zeiträume hinweg wurden Anleger belohnt, die investiert blieben – trotz aller Krisen und Rückschläge.
Die aktuelle Situation erfordert allerdings mehr als nur Mut. Sie erfordert Wissen, Disziplin und eine klare Strategie. Wer diese drei Elemente mitbringt, kann auch in unsicheren Zeiten erfolgreich investieren. Die Alternative – Abwarten und Geld auf dem Konto lassen – ist angesichts der Inflation keine Option. Denn eines ist sicher: Die Kaufkraft des Geldes sinkt, wenn es nicht arbeitet.
Für Anleger bedeutet das: Investieren ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wer jetzt startet oder dranbleibt, hat in zehn, zwanzig Jahren einen deutlichen Vorsprung. Die Geschichte zeigt: Die besten Investments wurden oft in den unsichersten Zeiten getätigt.
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