Heizöl-Lieferanten: Verbot ist vom Tisch

Der Heizöl-Handel versorgt 20 Millionen Menschen, die Durchschnitts-Heizung ist 20 Jahre alt. Ölheizungen haben in Kombination mit erneuerbaren Energien wie Solarthermie gute Zukunftsaussichten.
moderne Ölheizung (Foto: ©markus_marb – stock.adobe.com)
moderne Ölheizung (Foto: ©markus_marb – stock.adobe.com)
„Der Einbau einer Ölheizung ist auch nach 2026 noch möglich, wenn dabei bestimmte Bedingungen beachtet werden. Auch bestehende Ölheizungen dürfen nach den bisher geltenden Regeln weiter betrieben werden“, korrigieren der Verband für Energiehandel und der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) die Meldungen über das angebliche generelle Verbot für Ölheizungen. „Für bestehende Ölheizungen ändert sich nichts. Neue Ölheizungen sind in Kombination mit erneuerbaren Energien wie Solarthermie oder einem Holzkamin weiter zugelassen.“ Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO), sieht dennoch Beeinträchtigungen: „Durch die geplanten Anforderungen werden Hauseigentümer mit Ölheizung in vielen ländlichen Regionen bei der Heizungsmodernisierung künftig einige Tausend Euro mehr bezahlen müssen als Hausbesitzer mit Gasanschluss.“ Dies sei eine massive Benachteiligung und führe zu noch weniger Sanierungen, warnt er. „Nicht jeder Eigentümer kann sich das sofort leisten. Statt also die Einbindung erneuerbarer Energien im Modernisierungsfall per Gesetz zu erzwingen, sollte sie lieber weiterhin durch finanzielle Förderung attraktiv gemacht werden – und zwar auch für Öl-Hybridheizungen“, ist Willig überzeugt. Positives kann Andreas Lücke den Neuerungen abgewinnen. „Das rigorose Verbot von Ölheizungen ist vom Tisch“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des BDH.

Jede vierte Heizung älter als 25 Jahre

Die Hersteller von Heizsystemen begrüßen die Beschlüsse zum Gebäudeenergiegesetz, fordern die Politik aber auf, eine „Hängepartie durch eine zügige Umsetzung“ zu vermeiden. Für den Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) relativieren sich die Bedenken der Versorger. Deutlich gemacht wird, dass fast die Hälfte der 5,8 Millionen Gebäude, die noch durch eine Ölheizung versorgt werden, im gasberohrten Gebiet liegt. „2,1 Millionen dieser Gebäude könnten schnell und unkompliziert mit einer Gasheizung modernisiert werden, weitere 510.000 Gebäude ließen sich an das Fernwärmenetz anschließen.“ Der Verband ist zudem überzeugt, dass sich 14 Millionen Tonnen CO2 allein durch diese Maßnahme einsparen ließen. Gleichzeitig wird das hohe Alter der Heizungen thematisiert: Fast jede vierte Heizung ist 25 Jahre alt oder älter, das Durchschnittsalter liegt bei 17 Jahren. Lediglich gut ein Drittel der Heizungen in Deutschland ist jünger als zehn Jahre. Bei den heute noch sechs Millionen Ölheizungen erwartet der Verband der Ölindustrie durch den weiteren Umbau zu sparsamen Brennwertheizungen sowie durch eine immer bessere Dämmung der Gebäude eine weitere Reduzierung der Verbräuche.

Deutscher Ölverbrauch rückläufig

Der deutsche Ölverbrauch fällt nach Schätzungen bis zum Jahr 2025 von derzeit 106 Millionen Tonnen pro Jahr auf nur noch 92 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 13 Prozent. Deutschland ist einer der größten Ölverbraucher. 250.000 Tonnen Mineralöl werden täglich benötigt, das summiert sich auf über 90 Millionen Tonnen im Jahr. Der überwiegende Teil, über 80 Prozent, wird zur Energieerzeugung eingesetzt. Deutschland verfügt nur über geringe heimische Erdölvorkommen – die Inlandsförderung deckt mit 2,1 Millionen Tonnen rund 2,5 Prozent des Rohölbedarfs – und importiert daher den größten Teil des Rohöls. Russland ist Deutschlands größter Ölversorger, gefolgt von Norwegen und Großbritannien. Aus diesen drei Liefergebieten bezieht Deutschland über 55 Prozent seiner Ölimporte. Die restlichen 45 Prozent des importierten Rohöls stammen aus aller Welt, etwa aus Libyen, Kasachstan und Nigeria.

20 Millionen heizen mit Öl

Die Versorgung in den größtenteils ländlichen Gegenden stellen die bundesweit rund 2.000 mittelständischen Mineralölhändler sicher, die sich zum Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (UNITI) zusammengeschlossen haben. Sie versorgen etwa 20 Millionen Menschen mit Heizöl und decken rund 80 Prozent des Gesamtmarktes beim leichten Heizöl ab. Die Verbandsmitglieder beliefern auch 6.200 Straßentankstellen, das sind über 40 Prozent des Straßentankstellenmarktes. Die mehr als 1.000 Mitgliedsfirmen von UNITI erzielen einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 35 Milliarden Euro und beschäftigen rund 80.000 Arbeitnehmer. Mit dem Mineralölwirtschaftsverband (MWV) kümmert sich eine weitere Institution um Einkauf, Vertrieb und Versorgungssicherheit. 22 Unternehmen, darunter auch die Branchengrößen Shell, BP, Total, Esso und Eni, gehören dazu. Rohöl wird nach Deutschland über grenzüberschreitende Rohölpipelines sowie über die Häfen Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Hamburg und Rostock eingeführt. Von den Häfen führen Pipelines zu den insgesamt 13 Raffinerien (Rohöldestillationskapazität von 102,1 Millionen Tonnen). Direkt beschäftigt waren in der Mineralölverarbeitung in Deutschland im Jahr 2015 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 16.967 Personen.

Ölreserven reichen für 50 Jahre

Während in Deutschland der Energieverbrauch und damit auch der Ölbedarf tendenziell abnimmt, steigt die Nachfrage nach Öl weltweit an. Die weltweiten Ölreserven werden auf 243 Milliarden Tonnen geschätzt, das geht aus der „Energiestudie 2018“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hervor. Allein diese Reserven reichen für mehr als 50 Jahre, wenn der jährliche weltweite Ölverbrauch von 4,38 Milliarden Tonnen als Grundlage genommen wird. Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 09/2019