Abfallwirtschaft: Müll ist nicht gleich Müll

Durch die saubere Trennung von Rest- und Wertstoffen können auch Unternehmen einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
(Foto: © Kzenon  – stock.adobe.com)
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Sobald wir etwas benutzen, verwenden und dann nicht mehr brauchen, wird vieles zu Abfall, den wir in die Tonne, auf den Kompost oder in den Container werfen. Abertausende an Tonnen Abfall fallen jährlich allein in Deutschland an. Diesen zu trennen, zu verbrennen oder weiter zu verwerten ist Aufgabe der Entsorgungsbetriebe, von denen sich neben den sogenannten Allroundern einige auf die Verwertung bestimmter Stoffe bzw. Materialen spezialisiert haben.

Stetiges Wachstum

Die Abfallwirtschaft – auch Entsorgungswirtschaft genannt – ist ein riesiger Wirtschaftszweig in Deutschland, der mehr als 155.000 Beschäftigte zählt und mit dem Steigen des Abfallaufkommens weiterwächst. Der Umsatz in der deutschen Entsorgungswirtschaft stieg 2018 laut des Statistik-Dienstleisters statista auf ein Volumen von 38,1 Milliarden Euro. Das Recycling war 2018 der umsatzstärkste Bereich in dieser Branche. Doch auch die Abfallsammlung und die Abfallbehandlung/-beseitigung (z.B. Verbrennung) trugen sehr stark zu den steigenden Einnahmen dieser Branche bei. Und mit den steigenden Umsatzzahlen war die Branche in der Lage, auch höhere Investitionen als in den Vorgängerjahren zu tätigen. So lag in 2018 die Investitionsquote doppelt so hoch wie noch zehn Jahre zuvor.

Schwankendes Aufkommen

Grundlage dieses wachsenden Umsatzes ist das Abfallaufkommen in Deutschland, das 2018 ein Volumen von 362 Millionen Tonnen erzielte. In den 20 Jahren zuvor schwankte das Aufkommen zwischen 320 und 400 Millionen Tonnen. Das Aufkommen an sich besteht aus einer Vielzahl an Müllsorten: von Haushaltsabfällen, anderen Siedlungsabfällen, Bergematerial aus dem Bergbau, Abfällen aus Produktion und Gewerbe-, Bau- und Abbruchabfällen (einschließlich Straßenaufbruch) und besonders den sogenannten überwachungsbedürftigen Abfällen wie Sonder- und Atommüll. Den größten Zuwachs verzeichneten aufgrund der guten Baukonjunktur die Bau- und Abbruchabfälle in 2018 und 2019. Siedlungsabfälle sowie Abfälle aus der Produktion und dem Gewerbe hielten sich bei rund 50 Millionen Tonnen relativ stabil. Laut Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat zum kommunalen Abfallaufkommen in der EU 28 war jeder Deutsche für durchschnittlich 615 Kilogramm Müll in 2018 verantwortlich. Zum Vergleich: In Dänemark waren es 766 und in Rumänien 272 Kilogramm.

Viele Spezialfirmen

Um diese Abfälle aufzubereiten und bestmöglich weiterverwerten zu können, geben rund 1.680 Unternehmen in Deutschland ihr Bestes, um den Transport, die Entsorgung an sich, aber auch den Handel und das Recycling von Abfall, Schrott und anderen Materialien zu organisieren. Neben den großen Firmen, die hier alles anbieten, den sogenannten Allroundern, gibt es zahlreiche Spezialisten, die nur Metalle, Baustoffe, Abraum, Kunststoffe, landwirtschaftliche Abfälle oder Schadstoffe recyceln oder anderweitig weiterverarbeiten. Vom Müll fällt immer mehr an, denn das Müllaufkommen ist weiter steigend und hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt, laut Umweltbundesamt. Der starke Zuwachs geht auf gleich mehrere Entwicklungen zurück, die für sich genommen nur schwer umkehrbar sind. So gibt es mehr Single- und Seniorenhaushalte, die kleinere Packungen kaufen. Zudem gibt es einen weiter anhaltenden Trend zu Fertigprodukten, die in Plastik eingepackt sind. Trend verschlimmernd kommt dann leider noch der stark wachsende Online-Handel dazu, der die Menge der Verpackungsmaterialien hat rasant wachsen lassen. Fast nichts davon landet auf Deponien, sondern größtenteils in den Tonnen des Grünen Punktes, allerdings werden dabei nur 60 Prozent des im Grünen Punkt landenden Plastiks verbrannt und damit nur thermisch verwertet. Der dabei anfallende Sondermüll wird dann auf Sondermüll-Deponien eingelagert. Der andere große Teil des Plastiks wird dann oft in andere Länder exportiert.

Der Grüne Punkt

Trotzdem ist der „Grüne Punkt“ einer der Kernelemente für die Wiederverwertung von Abfällen in Deutschland und mit ihm vor allem das Aushängeschild: die „Gelbe Tonne“, die von der Duales System Holding GmbH & Co. KG betrieben wird. In dieser Tonne wird so ziemlich alles gesammelt, was aus Plastik, Metall oder Verbundstoffen besteht. Rund 30 Jahre gibt es diese Tonne schon und ist – gemessen daran, was die Sammelleidenschaft der Deutschen angeht – ein absolutes Erfolgsmodell. Fast alle gewerblichen und privaten Haushalte nutzen die Tonne und halten sich an die Trennungsvorgaben der Duales System Holding GmbH & Co. KG, kurz Duales System genannt. Das Trennen selbst, sagen auch viele Fachleute, klappt sehr gut in Deutschland. So weit, so gut. Neben den 60 Prozent der Stoffe, die in der Gelben Tonne platziert und thermisch behandelt werden, hat der Rest der Stoffe gute Chancen, weiterverwertet zu werden. Er besteht u.a. aus dem recyclingfähigen Plastik und allerlei Metallen, also z.B. Schrott und textilen Stoffen – sofern sie nicht in Altkleidercontainern landen. All diese Stoffe werden von Fachfirmen der Entsorgungswirtschaft weiterverarbeitet, sodass sie wieder als „Sekundärrohstoffe“ in den Rohstoffkreislauf überführt werden können. Dabei ist die Wiederverwertungsquote und Gewinnung von Sekundärrohstoffen in Deutschland im internationalen Vergleich längst noch nicht so ausgeprägt, wie man sich das hierzulande von politischer Seite wünschen würde. Betrachtet man die „material reuse rate“, die den Wiedereinsatz von Abfällen in der Industrie beziffert, so liegt Deutschland mit einer Materialwiederverwendungsrate laut ermittelter Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung mit 11 Prozent deutlich hinter Ländern wie den Niederlanden (27 Prozent) oder Italien (19 Prozent).

Veränderte Nachfrage

Zudem weht den Verkäufern dieser Recyclate, wie man die wiedergewonnenen Kunststoffrohstoffe nennt, ein starker Wind derzeit ins Gesicht, denn diese Materialien werden nicht mehr so stark nachgefragt wie noch vor der Corona-Krise. Zwar gibt es in bestimmten Bereichen, wie in der Verpackungsindustrie, bisher eine noch gute Nachfrage. Doch der Absatz im Automobilbau ist zurückgegangen und der Absatz von Recyclingprodukten im Tiefbau ist ebenfalls rückläufig, beschreibt Herbert Snell, Vizepräsident des bvse – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, die gegenwärtige Entwicklung auf den Märkten.
Dr. Martin Steffan | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 05/2020