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Automatisierungstechnik: Prägender Industrieausrüster der Welt

Die Automatisierungstechnik ist die Triebfeder für innovative und effiziente Produktionsprozesse in allen Bereichen der industriellen Fertigung sowie Prozessautomatisierung.
Foto: ©sdecoret – stock.adobe.com
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„Die Corona-Pandemie wird sich als veritabler Digitalisierungsbeschleuniger erweisen“, ist Wilfried Eberhardt überzeugt. Für den Vorsitzenden von VDMA Robotik + Automation steht nach der Analyse des Corona-Geschehens fest, dass digitale Dienstleistungen schlagartig unverzichtbar geworden sind. „Sie brachten Anwender und Anbieter in eine steile Lernkurve. Das bringt die Smart Factory voran und verleiht der Automation auch langfristig wichtige Wachstumsimpulse“, sagt Eberhardt. Wie im Büroumfeld müssten auch in der Produktion rasch neue Technologien eingeführt werden. Beispiele seien die Fernwartung und die virtuelle Inbetriebnahme von komplexen Anlagen. Die grundsätzlich wachsende Bedeutung der Automatisierungstechnik unterstreicht auch Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender des Fachverbandes Automation und Vizepräsident von ZVEI, dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. „Die Automatisierungstechnik ist die Triebfeder für innovative und effiziente Produktionsprozesse in allen Bereichen der industriellen Fertigung und Prozessautomatisierung“, lautet seine Einschätzung. Sie sei das zentrale Nervensystem aller Industrie- und Infrastrukturanlagen und vernetze Augen und Ohren, Gehirn und Muskeln moderner Produktionsanlagen. Steuerungen, Sensoren und Aktoren sowie eine leistungsfähige Kommunikation seien essenziell für eine effiziente und hochwertige Produktion.

Beachtliche Chancen

„Die Chancen für Unternehmen, in der Automation nachhaltigen Erfolg mit dem Angebot neuer Produkte und Systeme zu erzielen, sind beachtlich. Die meist mittelständisch geprägten Unternehmen der Automatisierungstechnik liefern die Technik, die den Erfolg und die Exportstärke der gesamten deutschen Industrie erst möglich macht. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, dessen Auswirkungen sich in den nächsten Jahren immer stärker zeigen werden. Eine spannende Zeit steht uns bevor“, formuliert Kegel. Automatisierung sei die Basis für eine wirtschaftliche und sichere Produktion gerade in Hochlohnländern wie Deutschland. Dabei müssten die mechanischen, elektrischen und softwaretechnischen Komponenten ebenso perfekt zusammenpassen wie die Verknüpfung von Maschinenbau und Elektrotechnik, die in Sachen „Automation“ auch die Aktivitäten des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mit denen des Fachverbands Robotik und Automation im deutschen Maschinen- und Anlagenbau verbindet. Beide Verbände präsentieren optimistische Entwicklungszahlen. Der Weltmarkt Automation legte 2018 ein Volumen von 546 Milliarden Euro auf, was – von 2008 an gesehen – ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,6 Prozent bedeute. „Darin spiegelt sich allgemein die gute Konjunktur seit 2009, aber auch die herausgehobene Stellung der Automation im industriellen Prozess insgesamt“, so Dr. Jan Mrosik, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Automation.

Herausgehobene Stellung

Der Fachverband bildet mit über 330 Mitgliedsunternehmen und einem Umsatz von rund 54,7 Milliarden Euro (2018) in Deutschland die Plattform für alle Unternehmen der Automatisierungstechnik, der industriellen Informations- und Kommunikationstechnik sowie der zugehörigen industrienahen Dienstleistungen. Parallel beschäftigen die in Deutschland ansässigen 500 Unternehmen der Branche Robotik und Automation 52.800 Mitarbeiter, bei einem Umsatz von 13,7 Milliarden Euro (+7 Prozent). Davon wird etwa die Hälfte im Ausland realisiert. Mit Abstand größter Exportmarkt außerhalb Europas ist Asien vor Nordamerika.

Lernkurve bringt Wachstumsimpulse

Allerdings ist das weltweite Wachstum sehr ungleich verteilt. So hat beispielsweise China jährlich um knapp 15 Prozent zugelegt und damit inzwischen einen Anteil von 43 Prozent am Weltmarkt. Die Europäische Union liegt bei 17 Prozent, der Anteil der USA bei zwölf Prozent. Der Welthandel der Automation wird nahezu zur Hälfte (47 Prozent) zwischen den fünf größten Elektroländern abgewickelt. „Dicht beieinander liegen China und die USA mit jeweils 13 Prozent sowie Deutschland mit zwölf Prozent. Deutlich dahinter stehen Japan mit sechs Prozent und Südkorea mit drei Prozent“, berichtet Mrosik. Schaue man sich die Ex- und Importe Deutschlands genauer an (Zahlen aus 2017), so zeige sich, dass mit den genannten Ländern – bis auf Japan – Überschüsse erzielt worden seien, zum Teil auch sehr hohe. In Summe habe Deutschland doppelt so viele Automatisierungsprodukte (12,1 Milliarden Euro) exportiert wie importiert (6,1 Milliarden Euro). Gemäß ZVEI konnte China den deutschen Exportüberschuss in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich reduzieren, auch weil immer mehr deutsche Unternehmen in China produzieren. Dennoch exportiere Deutschland immer noch doppelt so viel, wie es importiere. „Die Zahlen unterstreichen, dass Deutschland beziehungsweise die deutschen Automatisierungsunternehmen weiterhin die prägenden Industrieausrüster der Welt sind“, bilanziert Mrosik.



Neue Ideen in Rekordzeit
Corona verdeutlicht, wie verwundbar industrielle Produktion in globalen Wertschöpfungs
Die Corona-Krise hat verdeutlicht, wie verwundbar industrielle Produktion in globalen Wertschöpfungsketten geworden ist. Neue Ideen kommen als Folge in Rekordzeit zum Einsatz: Ein Maschinenbauer aus Amberg fertigt vollautomatische Produktionsanlagen auch für Medizintechnikunternehmen. Kurzfristig nahm er zwei Produktionslinien in Betrieb und rüstete auf die vollautomatische Fertigung von bis zu 140.000 Schutzmasken pro Tag um. Eine neue Montagelinie soll künftig mehr als eine Million Atemschutzmasken pro Tag herstellen. Im Gegensatz zum medizinischen Personal sind Roboter gegen Pandemien immun. Diese Tatsache nutzt eine neue Idee eines Industriedienstleisters aus Unterfranken. Die vollautomatische Anlage erinnert an das Kundenerlebnis in einem Drive-Through-Schnellrestaurant und kann von Autofahrern für einen Corona-Test genutzt werden. Ein Unternehmen aus dem Hunsrück unterstützt Bewohner von Pflegeheimen dabei, während der Besuchsverbote Kontakt zu Familienmitgliedern zu halten. „James“ heißt der nette Kommunikationsautomat. Der Roboter besucht die Menschen in den unter Quarantäne stehenden Räumen und schaltet Familienmitglieder einfach per Videokonferenz zusammen.

Fünftgrößter Robotermarkt
Deutschland am stärksten automatisiert
Bis 2022 werden rund zwei Millionen neue Industrieroboter in den Fabriken weltweit installiert – so die Prognose des IFR-Statistikdepartments. Deutschland zählt mit einer Roboterdichte von 338 Einheiten pro 10.000 Arbeitnehmern im internationalen Vergleich zu den am stärksten automatisierten Volkswirtschaften. Nach Singapur und Südkorea rangiert die Bundesrepublik weltweit auf Rang drei. Die Zahl der verkauften Industrieroboter stieg 2018 um 26 Prozent auf fast 27.000 Einheiten – ein neuer Rekord. 74 Prozent der globalen Installationen entfallen auf fünf Hauptmärkte: China, Japan, die Vereinigten Staaten, Republik Korea und Deutschland.
Deutschland ist der fünftgrößte Robotermarkt weltweit und mit großem Abstand die Nummer eins in Europa, gefolgt von Italien und Frankreich. Die Automobilindustrie ist nach wie vor der weltweit größte Anwender von Robotern mit einem Anteil von fast 30 Prozent am Gesamtangebot (2018). Ihr folgt die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Metallindustrie und der Maschinenbau etablierten sich als drittgrößte Kundenindustrie.
Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 03/2020