Gewerbegebiet Wiebelsheide: Immer noch sehr lebendig

Das Gewerbegebiet Wiebelsheide in Arnsberg-Herdringen zählt zu den ältesten Gewerbeflächen der Region. Mehr als 100 Unternehmen forschen, entwickeln, produzieren und handeln und stehen für Vielfalt und Dynamik.
Die „Wiebelsheide“ ist ein Gewerbegebiet mit Geschichte und zählt zu den „gewachsenen“ Gewerbe-Arealen. Mit einer Größe von 49 Hektar ist die Wiebelsheide nicht nur ein bedeutender Standort für die Ortsteile Herdringen und Hüsten, sondern auch für das gesamte Stadtgebiet Arnsberg. Als eines der ältesten Gewerbeflächen – der Bebauungsplan wurde Anfang der 1960er-Jahre erstellt – beherbergt das Gebiet aber sehr viele dynamische und renommierte Unternehmen, die eine große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort haben. Aktuell sind es über 100 Unternehmen, die am Standort Wiebelsheide forschen, entwickeln, produzieren und Handel treiben. Ihre Produkte finden sich im privaten Umfeld vieler Menschen und werden auch international stark nachgefragt. Das Spektrum reicht vom Einzel- und Großhandel über das Handwerk bis hin zu produzierenden Unternehmen, überwiegend aus dem Bereich Metallverarbeitung: Fitnessgeräte werden ebenso hergestellt wie ausgeklügelte Fördertechnik, der Werkzeugbau ist ebenso vertreten wie Maschinenbau-Unternehmen und auch große und namhafte Vertreter ihrer Branchen.

In Dubai und Auf Schalke

„Qualität made in Germany“ – darauf setzt Dallmer, ein Unternehmen, das weltweit für Ablaufsysteme und Produktlösungen für Objektentwässerungen bekannt ist. So stehen der Burj Khalifa in Dubai, der One Hyde Park in London, die O2 World in Hamburg, das Oversum in Winterberg sowie die Arena AufSchalke – heute Veltins-Arena – auf der Referenzliste des Unternehmens. 208 Meter lang, 74 Meter tief, 14 Meter hoch und 15.400 Quadratmeter Fläche - das sind die Kenndaten der neuen Trilux-Logistikhalle. Der Leuchtenspezialist siedelte vom benachbarten Werk in Hüsten aus und schaffte in der Wiebelsheide Platz für 26.075 Palettenstellplätze. Das Unternehmen nutzte dazu die letzte verbliebene große freie Fläche des Gewerbeareals. Berndes ist bekannt als Produzent hochwertiger Pfannen und Töpfe. Auch wenn nicht mehr in Arnsberg produziert wird, ist das Unternehmen mit mehreren Standorten in der Wiebelsheide vertreten. In einer Vielzahl von VW-, Audi- oder Mercedes-Modellen, aber auch im Fiat 500 oder im Scania-Lkw sind die Profile und Baugruppen von Tillmann Werkzeugbau Profiltechnik verbaut. Auch Gummivogt sowie Lindemann & Störmer überzeugen mit innovativen, digitalen Produkten. Handwerksbetriebe wie die Metallbauunternehmen Albon, Ernst + Stemmer oder Michael Thomas liefern maßgeschneiderte Lösungen sowohl für Industriebauten als auch für das private Zuhause.

Hochwertige Ausbildungsplätze

Von der Besucherfrequenz ist immer noch der Großhändler „Handelshof“ mit einem Sortiment von 80.000 Produkten das Aushängeschild, der Bereich Handel ist auch durch die Firmen Mosecker vertreten. Doch wird in der Wiebelsheide nicht nur produziert und gehandelt – auch das Thema Ausbildung kommt nicht zu kurz. Abgesehen davon, dass die ansässigen Betriebe alle regelmäßig hochwertige Ausbildungsplätze anbieten, ist auch die Gemeinschafts-Lehrwerkstatt Arnsberg am Standort vertreten und stellt mit hochmodernen, innovativen Werkstätten jungen Menschen bzw. Betrieben eine überbetriebliche Ausbildungsmöglichkeit zur Verfügung.

Schwerpunkt verarbeitendes Gewerbe

Aktuell gibt es in der Stadt Arnsberg 21 ausgewiesene Gewerbegebiete mit insgesamt 460 Hektar Fläche. Einige private Flächen sind auch noch in der Wiebelsheide zu vergeben. Der Wirtschaftsstandort Arnsberg ist einer der bedeutendsten wirtschaftlichen Zentren der Region, die Stadt profitiert besonders von einer guten Anbindung an die Verkehrswege. Der Schwerpunkt des Wirtschaftslebens liegt beim verarbeitenden Gewerbe, auf das rund die Hälfte der Arbeitsplätze entfällt. Produkte innovativer Unternehmen aus den Bereichen Metallverarbeitung, Elektrotechnik, dem Holz-, Papier- und Druckgewerbe und der Kunststoffverarbeitung treten von hier aus ihre Reise um den Globus an. Um den industriellen Kern gruppieren sich ein starker Handel und ein serviceorientierter Dienstleistungssektor. Bei den Unternehmen dominieren die inhabergeführten Betriebe; Arnsberg ist eine Region des Mittelstands. Nicht wenige Unternehmen werden bereits seit mehreren Generationen von einer Familie geführt, sie vereinen Tradition ebenso wie die Fähigkeit, sich immer wieder durch Innovationen und Erfindungsgeist am Markt zu behaupten. Das gilt insbesondere auch für die Wiebelsheide: Die erfolgreichen Unternehmen sind der Beweis dafür, dass das Gebiet auch nach rund 60 Jahren seines Bestehens sehr lebendig ist.

INFO

Nadeln und Nägel, Öllampen und Licht
Handelswege und Wasserkraft waren die Grundlagen für gewerbliche Unternehmungen.

Die Region befand sich in einer äußerst traurigen Verfassung, als 1816 die preußische Zeit begann. Wichtige Handelswege und Wasserkraft boten aber Grundlagen für gewerbliche Unternehmungen, die später in industrielle Fertigung übergingen. 1806 hatte man die Landstraße nach Menden ausgebaut. Der Handelsweg Werl–Neheim–Arnsberg (1806 neu chaussiert) hatte an Bedeutung gewonnen. Schon seit 1742 nahm die Post hierher ihren Weg ins Sauerland mit den Hauptpostlinien Köln–Berlin und Köln–Hamburg. Erst als 1873 die Ruhr-Diemel-Eisenbahn (Dortmund–Brilon-Wald–Warburg) fertiggestellt war, erhielt die Montanindustrie des Nordostsauerlandes einen Industrialisierungsschub, der in einen Wirtschaftsboom mündete.

Als den Menschen ein Licht aufging

Als neuer Industriezweig fand zuerst die Nadel- und Nagelfabrikation Eingang in die Region. Noa Wolff ließ in Neheim Artikel aus Weicheisen und Stahl, wie Strick-, Haar- und Spangennadeln, Angeln und Schirmstangen, fertigen. Die Knopffabrik Tappe & Cosack fertigte Schmucknägel, wie Polster-, Koffer- und Bildernägel. Zur größten Blüte gelangte die Beleuchtungsindustrie, die den Ruf Neheims als Lampenstadt begründete. Anfangs wurden kleine Öllampen und Kerzenhalter für den Hausgebrauch handwerksmäßig hergestellt. Klempnermeister Franz Egon Frielinghaus war der Erste, der Rüböllampen produzierte. Kirchenleuchter und Stocklaternen wurden seit 1847 auch von den Gebrüdern Theodor und Egon Cosack geliefert. Die erste Solaröllampe mit amerikanischem Flachbrenner kam durch Wilhelm Brökelmann nach Neheim. Als eine der ersten Neugründungen der Petroleumlampenindustrie gilt die Firma Wetzchewald & Wilmes. Sie begann 1863 die Zusammensetzung kompletter Lampen aus Halbfabrikaten. 1881 begann Egon Hillebrand die handwerksmäßige Herstellung von Petroleum-Straßenlaternen und Lampenteilen. Vieles ist längst wieder Geschichte, auch wenn immer noch viele Unternehmen der Region dafür sorgen, dass den Menschen ein Licht aufgeht.

Fotostrecke

Ausgabe 05/2019