Werbetechnik-Branche: Her mit dem Meister!

Leuchtwerbung ist ein Hingucker. Werbetechniker kümmern sich darum, dass sie auch funktioniert, aktuell ohne Meisterpflicht. Doch das könnte sich bald wieder ändern.
(Foto: ©oneinchpunch– stock.adobe.com)
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Nachts blinkt die Werbung am Times Square in New York in bunten Farben. Und auch der Piccadilly Circus in London ist für seine vielen Reklametafeln bekannt. Hierzulande gibt es zwar nur einzelne Gebäude wie die Allianz-Arena in München, die öfter mal die Farbe wechseln. Aber Werbeanlagen an Gebäuden gibt es in wirklich jeder Stadt. Lichtwerbeanlagen nennt man alles, was an Gebäuden leuchtet, also Namen, Logos oder Slogans von Unternehmen, die per Text oder Bild dargestellt werden. Für die Montage dieser Anlagen sind Schilder- und Lichtreklamehersteller die Spezialisten. „Die Anlagen stellen wir neu her und wir rüsten auch Altanlagen auf neue LED-Technologie um“, sagt Martina Gralki-Brosch, Bundesinnungsmeisterin beim Zentralverband Werbetechnik (ZVW). Werbeanlagen sind oft Unikate, wenn es sich nicht gerade um Filialisten wie zum Beispiel Primark oder H&M handelt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden gibt es besondere Auflagen. Hier dürfen oft keine modernen Materialien, sondern müssen eher Messing- oder vergoldete Buchstaben benutzt werden. „An den Lichtwerbeanlagen gibt es mittlerweile nichts mehr, was wir nicht regeln oder steuern können“, so Gralki-Brosch. Dazu gehöre auch der Wechsel der Farbe.

Breit aufstellen

Wenn ein Unternehmen eine Außenwerbeanlage bauen will, beauftragt es meist eine Werbeagentur und einen Architekten, die die Anlage gemeinsam planen. Und die Schilder- und Lichtreklamehersteller produzieren diese und montieren die Buchstaben oder Schriftzüge. „Was ich mir wünschen würde, wäre eine etwas bessere Absprache mit Architekten und Agenturen“, so Gralki-Brosch. „Wir werden als Handwerker oft zu spät ins Boot geholt“, kritisiert die Bundesinnungsmeisterin. Eine Werbeanlage, die auf dem Papier 20 Zentimeter, in Wirklichkeit aber 20 Meter lang ist, biete optisch vielleicht gar nicht genug Platz, weil Bäume den Schriftzug verdecken. Auf solche Dinge achten Schilder- und Lichtreklamehersteller. Die Spezialisten produzieren neben Außen- auch Innenwerbemaßnahmen. Der Bedarf ist deutschlandweit noch immer groß. „Im Grunde genommen ist es gut, sich als Anbieter breit aufzustellen, von kleinen Aufträgen wie Fahrzeugbeschriftungen bis zu großen Produkten wie Lichtwerbeanlagen“, rät Gralki-Brosch. Wenn Kunden einmal eine große Lichtwerbeanlage gekauft haben, würden sie diese nicht innerhalb von zwei Jahren erneuern. Die Fahrzeugbeschriftung wird dagegen oft alle zwei Jahre erneuert, wenn der Leasingvertrag abläuft.

Erste Gehversuche mit 3-D-Druckern

Im Alltag der Branche gehören digitale Arbeitsschritte schon länger dazu. „Bei uns werden schon seit fast 30 Jahren große Datenmengen digital verarbeitet“, sagt Gralki-Brosch. Betriebe arbeiten u. a. mit Digitaldruckern, die fotorealistische Drucke erzeugen. Auch große Hausverkleidungen aus Mesh-Gewebe, die an den Fassaden hängen, werden digital bearbeitet. Mit 3-D-Druckern gibt es derzeit in der Branche die ersten Gehversuche. Bis sich das etabliert hat, werden laut Gralki-Brosch „allerdings noch einige Jahre vergehen“. 3-D-Drucker könnten aber eine Innovation sein, die die Branche ähnlich verändern werde wie der Digitaldruck, der Schneideplotter oder der Siebdruck. Es gebe auch bereits Profilbuchstaben für Wände, die mit 3-D-Druckern hergestellt werden.

Verbände wollen Meisterpflicht

Aktuell gibt es in Deutschland ungefähr 3.300 in der Handwerkskammer eingetragene Betriebe, die als Schilder- und Lichtreklamehersteller arbeiten. Die typische Größe für Betriebe in der Branche ist zwischen fünf und zehn Mitarbeitern. Die tatsächliche Anzahl der Betriebe ist Gralki-Brosch zufolge „sicherlich höher“. „Was viele nicht wissen, ist, dass der Begriff ‚Werbetechniker‘ gar keine geschützte Bezeichnung ist“, so Gralki-Brosch. Das mache es auch für Endkunden schwer, den richtigen Anbieter zu finden. Im Jahr 2004 wurde für zahlreiche Gewerke wie den Schilder- und Lichtreklamehersteller die Meisterpflicht abgeschafft. Ziel der damaligen Regierung war es u. a., neue Unternehmensgründungen und mehr Wettbewerb zu fördern. Inzwischen sind einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betiteln, aber gar nicht ausgebildet seien. Das sagte Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Anfang des Jahres gegenüber der dpa. „Und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt“, befürchtet Wollseifer. Daher setzt sich der ZDH gemeinsam mit mehreren Verbänden wie dem der Werbetechnik seit Längerem dafür ein, die Meisterpflicht wieder einzuführen. WEITER GEHT‘S AUF SEITE 16 FORTSETZUNG VON SEITE 10 Der Koalitionsausschuss bereitet laut Gralki-Brosch dafür gerade das gesetzgebende Verfahren vor. Aktuell befürworten auch knapp zwei Drittel der 60 Teilnehmer einer Online-Umfrage der Lichtwerber Deutschland e. V. (LWD) vom Juli 2019, dass die Meisterpflicht wieder gelten soll. Teilgenommen haben laut Angaben des LWD vor allem größere Unternehmen aus der Branche. Knapp 90 Prozent der Befürworter der verbindlichen Meisterpflicht versprechen sich vor allem eine bessere Qualität. Für 79 Prozent der Gegner ist die Meisterpflicht allerdings „kein Garant für Qualität“. Nur knapp 16 Prozent der Gegner rechnen aber damit, dass durch eine verbindliche Meisterpflicht Arbeitsplätze verloren gehen und kleinere Betriebe es dann schwerer haben.

Bestandsschutz für Firmen ohne Meister

Auch wenn die Meisterpflicht wieder eingeführt würde, müssten Firmen ohne Meister nicht schließen. „Wer nach dem Jahr 2004 einen Betrieb in einem zulassungsfreien Handwerk gegründet hat und keinen Meisterbrief besitzt, der muss nach den aktuellen Plänen keine nachträgliche Prüfung oder Ähnliches fürchten“, heißt es seitens des LWD. Für Betriebe der Anlage B1, unter die u. a. die Schilder- und Lichtreklamehersteller fallen, soll es einen Bestandsschutz geben. Ob Meisterpflicht oder nicht, der Fachkräftemangel bleibt in der Branche weiterhin ein großes Thema, genau wie im gesamten Handwerk. Barbara Bocks | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 06/2019