Caravan: Rekordzahlen für rollende Herbergen

Das Interesse an Caravaning-Urlaub wächst und wächst. Das zeigt nicht zuletzt der Besucherandrang auf dem Caravan Salon
Flexibilität und Spontaneität – dafür steht Caravaning (Foto: CIVD)
Flexibilität und Spontaneität – dafür steht Caravaning (Foto: CIVD)
Immer mehr Deutsche begeistern sich für den Urlaub mit rollender Herberge. Das belegen unter anderem die seit Jahren steigenden Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans. Wie groß das Potenzial auch in den kommenden Jahren ist, hat nun eine neue Studie der GfK gezeigt. Dem Marktforschungsinstitut zufolge können sich 14,2 Millionen Deutsche über 18 Jahre vorstellen, in den nächsten fünf Jahren einen Caravaning-Urlaub zu unternehmen. Das ist fast ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland. Allein für das kommende Jahr erwägen 5,3 Millionen Deutsche, mit Caravan oder Reisemobil in den Urlaub zu fahren. Auf diese Zahlen verweist der Caravaning Industrie Verband e. V. (CIVD). Besonders caravaningaffin zeigen sich demnach die sogenannten Millennials: 23 Prozent der Deutschen, die sich in den nächsten fünf Jahren einen Caravaning-Urlaub interessieren, fallen in die Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren. Die deutliche Mehrheit der Interessierten ist jünger als 45 Jahre. „Das alte Klischee, dass Caravans und Reisemobile nur was für Ältere und Rentner seien, ist längst widerlegt. Vor allem Jüngere begeistern sich für Caravaning, wie auch ein Blick in die sozialen Medien zeigt“, sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des CIVD. Auch die Zahl 18.000 steht exemplarisch für das weiterhin steigende Interesse am Thema Caravaning. So hoch nämlich war das gerundete Plus, das die Veranstalter des Caravan Salon in Düsseldorf, der weltweit größten Messe für Reisemobile und Caravans, im Vergleich zum Vorjahr verbuchen konnten. Damit erreichte das Branchentreffen Ende August / Anfang September einen neuen Allzeitrekord. „Der Caravan Salon 2019 war eine herausragende Veranstaltung mit zufriedenen Besuchern und Ausstellern, exzellenten Verkaufszahlen und einer hervorragenden Stimmung auf dem gesamten Messegelände. Die Zahl von über 268.000 Besuchern hat unsere Erwartungen als Veranstalter, und vor allem die der Aussteller, mehr als erfüllt. Damit ist unsere Veranstaltung nicht nur die besucherstärkste Messe für das Caravaning, sondern zudem auch die am besten besuchte Freizeit- und Urlaubsmesse Europas.“ Dieses Resümee zieht Wolfram N. Diener, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf GmbH. 

Trend zu kompakten Fahrzeugen

Insgesamt präsentierten 645 Aussteller aus 31 Ländern ihre Innovationen und aktuellen Modelle in 13 Hallen sowie dem Freigelände. Auf über 214.000 Quadratmetern wurden rund 2.100 Freizeitfahrzeuge gezeigt, außerdem Zubehör, technisches Equipment, Ausbauteile, Vorzelte und Mobilheime. „Trotz Wachstums in allen Fahrzeugsegmenten verstärkt sich in diesem Jahr nochmals der Trend zu kompakten Fahrzeugen“, sagt Daniel Onggowinarso. Die Kunden schätzten, dass die Fahrzeuge noch leichter zu bewegen und daher besser für Städtetrips sowie den Alltag geeignet seien. „Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Komfortoptionen, Ausstattungsextras und elektronischen Helfern. Inzwischen sind fast alle Geräte im Freizeitfahrzeug über ein zentrales Bedienpanel intuitiv steuerbar und die Füllstände von Batterie, Wassertanks und Gasflasche per Smartphone abrufbar.“ In Düsseldorf präsentierten sich zudem Campingplätze, Reisemobilstellplätze sowie Reisedestinationen. Insbesondere an den beiden Wochenenden gab es einen großen Besucherandrang. Auch das Caravan Center, der große Stellplatz auf Parkplatz 1, war über die gesamte Messelaufzeit ausgebucht. Die Besucher sahen laut Diener in Düsseldorf den neuesten Stand der Technik und die Entwicklung in Sachen Caravaning mit allen aktuellen Trendthemen, Innovationen und Visionen für die kommenden Jahre. Das gemeinsame Konzept der Aussteller, des CIVD und der Messegesellschaft sei voll aufgegangen. CIVD-Präsident Hermann Pfaff zeigt sich ebenfalls ausgesprochen zufrieden mit dem Messeverlauf. Besonders erfreulich sei auch die große Anzahl von Innovationen, Weltpremieren und Fahrzeugstudien. „Die hier präsentierten neuen Materialien, die verschiedenen Antriebsarten sowie Lösungen im Bereich der Gewichtsreduzierung zeigen, dass sich die Branche intensiv mit vielen Zukunftsthemen beschäftigt“, so Pfaff. Neben vollen Auftragsbüchern sei generell eine große Dynamik in der gesamten Branche festzustellen. So würden die Hersteller sehr positiv in die Zukunft blicken. „Die Düsseldorfer Messe ist die wichtigste Plattform für internationale Branchenfachleute und Experten, die sich hier austauschen und Kontakte knüpfen können. Begleitende Konferenzen und Veranstaltungen zu Themen wie Mobilität oder Infrastruktur stärken die Position des Caravan Salon als weltgrößte Leitmesse.“

Millenials sind stärkste Gruppe

Fragt man die Caravaningaffinen, warum sie mit einem Reisemobil oder Caravan verreisen wollen, sind die Antworten laut Gfk-Studie recht eindeutig. 72 Prozent geben an, dass sie selbstbestimmt und unabhängig sein wollen. 71 Prozent wollen in der Natur sein und 70 Prozent schätzen es, dass sie beim Caravaning flexibel und spontan sein können. Zwar besitzen von den interessierten Personen mehr als zwei Drittel kein eigenes Fahrzeug, aber immerhin denken 42 Prozent darüber nach, in den kommenden Jahren ein Reisemobil oder einen Caravan zu erwerben. Unter ihnen sind Menschen zwischen 23 und 37 Jahren die größte Gruppe (34 Prozent). 4,7 Millionen Deutsche ziehen zudem in Betracht, in den nächsten drei Jahren einen Caravan oder ein Reisemobil zu mieten. Auch hier sind Millennials die stärkste Gruppe (38 Prozent). „Das aufgezeigte Potenzial, sowohl für den Verkauf als auch für die Vermietung von Freizeitfahrzeugen, bietet enorme Chancen für die Branche, auch in Zukunft zu wachsen“, erklärt Dr. Isis Mennig von der GfK. Dazu passen auch diese Zahlen: 38 Prozent der Personen, die Caravaning als Urlaubsoption erwägen, verfügen über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro. Ein Viertel der entsprechenden Haushalte verdient zwischen 2.000 und 3.000 Euro im Monat. Übrigens: Bei der Verteilung auf die Geschlechter konnten die Experten der GfK gewisse Unterschiede feststellen. So sind Frauen mit 55 Prozent etwas stärker unter den Personen mit Interesse an Caravaning vertreten als Männer. Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

Fotostrecke

Ausgabe 07/2019