Flexibilität und Entlastung

Welche Vorteile können die Services von Personaldienstleistern Unternehmen bieten und wie steht die Branche aktuell da? Eine Übersicht.
Foto: ©Coloures-pic – stock.adobe.com
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Das Hauptbetätigungsfeld der Personaldienstleister – die kurzfristige Vermittlung von Arbeitskräften – kann Unternehmen viel mehr bieten als die reine Möglichkeit, auf Produktionsspitzen oder Ausfälle zu reagieren. Es sind vor allem Effekte der Flexibilisierung, welche den ausleihenden Firmen zugutekommen. Kosteneinsparungen im Personalwesen und der Verwaltung bringen wirtschaftliche Vorteile. Der Entleiher zahlt schließlich nur die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden der Leihkräfte, während der Personaldienstleister die Sozialabgaben sowie die Lohnfortzahlungen bei Krankheit und Urlaub übernimmt. Hinzu kommt, dass die betriebliche Organisation eines Unternehmens durch den Einsatz von Leiharbeitern strukturell entlastet werden kann.

Unverzichtbares Instrument


Seit den 1970er-Jahren existiert die Branche der Personaldienstleister in Deutschland und wächst seitdem kontinuierlich. Im November 2015 zählte das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln rund 865.000 Beschäftigte, die als Zeitarbeiternehmer im Einsatz waren. Das ist zwar ein geringer Anteil von gut zwei Prozent der Erwerbstätigen insgesamt, doch dieser kann bis zu 15 Prozent des Wirtschaftswachstums ausmachen. Unter den derzeit bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Arbeitsstellen ist knapp ein Drittel in Zeitarbeit (32,1 Prozent). Diese Quote ist bereits seit mehreren Jahren stabil. „Die Flexibilität durch Zeitarbeitnehmer ist in einer modernen Wirtschaft enorm wichtig. Betriebe erhalten durch Personaldienstleistungen aber nicht nur passgenau das von ihnen benötigte Personal, sie müssen auch nicht selbst nach Mitarbeitern suchen, sondern können das Personaldienstleistern überlassen. Das ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Personalabteilung ein nicht zu unterschätzender Vorteil“, erklärt Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP).
Die Personaldienstleistungsbranche hat in den letzten Jahren einen Wandel durchgemacht. Nachdem sie in der Vergangenheit vornehmlich die Nachfrage um die Vermittlung geringqualifizierter Hilfskräfte bedient hatte, verschob sich der Fokus bald auf die Fachkräfte. Dass Zeitarbeit nur Geringqualifizierten Beschäftigungschancen bietet, war für Thomas Hetz vom BAP schon immer eher ein Vorurteil, das der Branche anhaftete: „Den klassischen Zeitarbeitnehmer gibt es nicht, stattdessen lieferte die Branche immer einen Querschnitt durch die gesamte Arbeitswelt. Lageristen, Krankenpfleger, Techniker, Buchhalter, Bürokaufleute, IT-Techniker und Ingenieure finden in der Zeitarbeit Beschäftigung. Es gibt also kaum eine Branche und Berufsgruppe, die nicht von Personaldienstleistungen profitieren kann.“ So ist Zeitarbeit heute auch bei Akademikern eine Option für den Karrierestart geworden. Personaldienstleister bieten ihnen Beschäftigungsverhältnisse an, die sich kaum mehr von Direktanstellungen unterscheiden, womit die Bedeutung von Zeitarbeit steigt.

„Kritik an Leiharbeit veraltet“


Einige Unternehmen unterhalten dauerhaft Leiharbeiter. Solche Umstände riefen schon immer Kritiker in Gesellschaft wie Politik auf den Plan. Leiharbeit ziehe eine Prekarisierung von Arbeitnehmern nach sich, führe zu Ungleichheiten und Zwietracht in der Belegschaft oder sei pure Einsparungspolitik. Gegen solche Vorwürfe wehrt sich die Branche. Immerhin sind die Löhne von Leiharbeitern in den vergangenen Jahren gestiegen. Seit 2014 wurde mit den DGB-Gewerkschaften ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn für Zeitarbeiter von 8,50 Euro im Westen vereinbart, der dann stufenweise zum 1. April 2015 sowie zum 1. Juni 2016 angehoben worden ist (zuletzt von 8,80 Euro auf 9,00 Euro im Westen). Zusätzlich gibt es in der Zeitarbeit ein spezielles System von Branchenzuschlagstarifverträgen in insgesamt elf Wirtschaftsbereichen. Auch der längerfristige Einsatz von Zeitarbeitnehmern sei eine Ausnahme, so Thomas Hetz. „Die Kritikpunkte stimmen so einfach nicht. Die ganz überwiegende Anzahl der Einsätze ist im wahrsten Sinne des Wortes vorübergehend. Leider werden Ausnahmen aber medial immer wieder hochgejazzt. Eins ist jedenfalls sicher: Unternehmen verlagern niemals ihre Kernkompetenzen und -aufgaben in Richtung Zeitarbeit“, so der Hauptgeschäftsführer des BAP. Aktuell stellen vor allem die Pläne von Union und SPD die Branche vor Herausforderungen. Denn der neue Gesetzentwurf zur Leiharbeit von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht neue Regelungen, wie z.B. eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten, vor.

Nahles-Gesetzentwurf


Anfang Juni hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Missbrauchs bei Leiharbeit bzw. Zeitarbeit und Werkverträgen beschlossen, mit dem Zeitarbeitern mehr Rechte zugesprochen werden sollen. Diese sollen tatsächlich nur noch temporär bei einer Firma arbeiten und schneller das gleiche Gehalt bekommen wie Festangestellte in gleicher Position. Zudem soll unterbunden werden, dass durch Werkverträge Zeitarbeiter „unter der Hand“ eingestellt werden. Rückenwind bekam Nahles u.a. vom DGB und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Kritik kam dagegen von der Opposition: Diese befürchtet ein „Personalkarussell“ dahin gehend, dass der gleiche Arbeitsplatz nach 18 Monaten mit immer neuen Leiharbeitern besetzt werden darf. Die betroffenen Firmen sind ebenfalls gespaltener Meinung. Denn gerade Unternehmen mit längeren Produktionszyklen, bei denen auch Leiharbeiter für mehr als 18 Monate gebraucht werden, kommen durch den Gesetzentwurf in Bedrängnis. Das Gesetz tritt nach Plan Anfang 2017 in Kraft. Thomas Hetz hat zum neuen Gesetzentwurf von Andrea Nahles eine eindeutige Meinung: „Der BAP lehnt das Gesetzesvorhaben zur Zeitarbeit ganz klar ab. Angesichts des geringen Anteils der Zeitarbeitnehmer von nur zwei Prozent am Gesamtarbeitsmarkt und des Flüchtlingszuzugs ist das Gesetz unnötig, aus der Zeit gefallen und kontraproduktiv für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Teils gravierende Mängel


Auch die Personaldienstleister selbst stehen dem Gesetzentwurf skeptisch gegenüber und bemängeln dessen Umsetzung. So lautet der Grundtenor der Kritik, dass die Höchstüberlassungsdauer willkürlich festgelegt und eindeutig zu kurz sei. Zusätzlich müsse der Begriff Equal Pay viel genauer definiert werden. Denn bisher fasst er alles zusammen, was als Entgelt bemessen wird, z.B. auch Subventionen des Arbeitgebers. Hierin sehen die Zeitarbeitsfirmen eine große rechtliche Unsicherheit. Was die Equal Pay-Regelung zusätzlich infrage stellt, ist der Umstand, dass in den meisten Branchen bereits der Branchenzuschlag tariflich geregelt ist. Hier greift das Gesetz zu spät. Die Bundesrechtsanwaltskammer erhob zudem Ende Juni in einer Stellungnahme für den Bundestagsausschuss Arbeit und Soziales „erhebliche Bedenken zur Verfassungsmäßigkeit“ des Nahles-Gesetzentwurfs. Unter anderem wird die Begrenzung der Überlassungsdauer auf maximal 18 Monate als Verstoß gegen das Grundgesetz erachtet, weil sie – gemessen an den gesetzgeberischen Zielen – unverhältnismäßig sei und daher verfassungswidrig in die Grundrechte der unternehmerischen Freiheiten eingreife. Allgemein, da sind sich die meisten Betroffenen einig, bedeutet das Gesetz wohl einen Mehraufwand an Bürokratie für etwas, das bereits geregelt war. Miriam Leschke | redaktion@suedwestfalen-manager.de
Ausgabe 07/2016