[MOVE]: Viel in Bewegung!

Auf Straße und Schiene ist viel in Bewegung. Die Herausforderungen und Chancen für die Akteure in den Bereichen Mobilität, Transport und Logistik sind gigantisch.
(© sittinan – stock.adobe.com)
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NRW ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen überhaupt: In einem Radius von 500 Kilometern rund um Düsseldorf leben 155 Millionen Menschen, das ist jeder dritte Europäer. Wo immer es neue Transport- und Logistikkonzepte gibt, muss NRW also eine tragende Rolle bei der Erprobung neuer Technologien spielen. Mit ihren drei Millionen Beschäftigten und 268 Milliarden Euro Umsatz (2020) ist die Logistik zudem der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland – noch vor Elektrotechnik und Maschinenbau. Innovationen, die sich hier entfalten, wirken sich indirekt auch auf alle anderen Bereiche aus. Grund genug, dass wir uns in der Sonderausgabe [MOVE] des REGIO MANAGER einmal genauer mit dem Thema beschäftigen. In dieser Ausgabe unterscheiden wir die drei Bereiche Mobilität (die Beförderung von Personen), Transport (die Beförderung von Waren) und Logistik (alle mit dem Transport von Dingen verbundenen Prozesse).

Teil 1: Mobilität

Schon lange reden wir über E-Mobilität. Aber ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie massiv das Thema in den letzten Wochen an Fahrt aufgenommen hat? Noch machen die E-Autos mickrige zwei Prozent am Fahrzeugbestand aus. Doch bei den neu zugelassenen Fahrzeugen ist es fast jedes vierte Fahrzeug, das rein oder teilweise elektrisch fährt. Damit nicht genug: Wenn Sie sich ein neues Fahrzeug kaufen, kann dieses mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schon heute zumindest teilautonom fahren. Es ist also abzusehen, dass mit der Umstellung von Verbrenner auf Elektro der Wandel in der Mobilitäts-Branche noch nicht abgeschlossen sein wird. Stellen Sie sich vor: Sie setzen sich in Ihr Auto, sagen „zur Firma“ und werden vollkommen autonom dorthin kutschiert, während Sie schon mal die ersten Unterlagen checken, ein paar Mails schreiben oder den versäumten Schlaf nachholen. Eine traumhafte Vorstellung, die schon in den 1950er-Jahren die Menschen fasziniert hat und die in den kommenden Jahren offensichtlich endlich Realität wird. Doch diese Revolution birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Wenn zukünftig alle Autos rein elektrisch fahren, was passiert dann mit dem Maschinenbau in Deutschland? Schließlich sind Verbrennungsmotoren wahnsinnig komplizierte Maschinen, die den Produktionsstandort Deutschland seit Erfindung des Automobils 1886 durch Carl Benz maßgeblich geprägt hat? Wie ist die Situation in den Werkstätten, wenn Verschleiß-Reparaturen wegfallen und Motoren nicht mehr repariert, sondern einfach ausgetauscht werden? Die Autohändler stehen schon seit vielen Jahren und von vielen Seiten unter Druck: direkte Konkurrenz durch die Hersteller, sinkende Margen, gnadenlose Skaleneffekte, Elektromobilität, Online-Handel usw. Neue Konzepte sind gefragt. Aber mal ganz ehrlich: Ist Autokauf überhaupt so unpersönlich, wie immer alle tun? Unsere These: Autokauf ist komplex. Ist emotional. Da wird es auch in 20 Jahren noch viel Bedarf an persönlicher Ansprache benötigen. Gleichzeitig gibt es die Befürchtung, dass zukünftig niemand mehr ein Auto kaufen will, weil Autos nun mal 90 Prozent der Zeit ungenutzt herumstehen und insofern unnötig Kapital binden und darüber hinaus auch noch unnötig öffentlichen Raum besetzen. Wie schön wäre die Stadt ganz ohne all das Blech? Schlagworte sind Shared Mobility, Abo-Modelle oder Mobility-as-a-Service. Und was bedeutet das autonome Fahren, so es denn in wenigen Jahren kommt? Ebenfalls von der Elektrifizierung beflügelt ist der Handel mit E-Bikes. Das hat gute Gründe: E-Bikes werden immer billiger und darüber hinaus auch noch steuerlich gefördert. Lasten-Bikes werden zur echten Alternative zum Auto oder für Lieferdienste.

Teil 2: Transport

Anders als im Individualverkehr scheint Elektromobilität im Fernverkehr aufgrund der geringen Reichweite zunächst wenig attraktiv zu sein. Doch welche anderen Konzepte kommen infrage? Und zeigte der Streetscooter der Deutschen Post nicht eindrucksvoll, dass es – zumindest auf kurzer Strecke – beim Transportverkehr auch elektrisch geht? Es muss nicht immer der Antrieb sein. Denn ein großer Teil der Emissionen entsteht auf der „letzten Meile“, also der vergleichsweise kurzen innerstädtischen Strecke innerhalb der Metropolregionen, die jedoch nur ineffizient ausgelastet werden können und dann auch noch hochgradig stauanfällig sind. Die Corona-Lockdowns hatten den Trend zum Online-Handel nochmals verstärkt. Ein guter Zeitpunkt also, sich verstärkt um alternative Konzepte Gedanken zu machen, wie etwa Smart City Hubs, welche die Metropolen mittels Verteilzentren an den überregionalen Güterverkehr anbinden.

Teil 3: Logistik

Wie bekomme ich eine gewünschte Menge eines bestimmten Guts in der gewünschten Zeit zum gewünschten Ort und das im richtigen Zustand und das Ganze auch noch möglichst preiswert? Durch diese einfache Frage lässt sich nicht nur der Begriff „Logistik“ recht anschaulich definieren, sondern auch erahnen, welch mannigfaltige Möglichkeiten es gibt, diese Prozesse durch technische oder logische Innovationen weiter zu verbessern. Man denke nur an Schlagworte wie Internet der Dinge, Big Data, Cloud Computing und Künstliche Intelligenz oder man betrachte die vielfachen Potenziale, die bereits durch Roboter und Automatisierungstechnik, Barcodes und RFID-Chips möglich wurden. Die technischen Innovationen, die hier zur Anwendung kommen, machen aber nicht nur die Logistik selber zuverlässiger, sondern machen viele Geschäftsmodelle überhaupt erst möglich. Man denke an One-Day-Delivery, ausdruckfreie Retouren, Showroom-Konzepte ohne Lagerhaltung, Omnichannel und Roboter auf der letzten Meile et cetera.
Dr. Maximilian Lange | redaktion@regiomanager.de

Ausgabe 03/2021