Flurförderzeuge: Das Material muss fließen

Mit modernen Staplern, Hubwagen und fahrerlosen Transportsystemen können die Betriebsabläufe in Produktions- und Logistikbetrieben weiter optimiert werden.
Hubmaststapler im Einsatz im Hochregallager (Foto: ©hacohob – stock.adobe.com)
Hubmaststapler im Einsatz im Hochregallager (Foto: ©hacohob – stock.adobe.com)
Vor etwas über 100 Jahren wurden im Unternehmen des US-Unternehmers Eugene Clark unter dem Namen „Tructractor“ die ersten mit einem Verbrennungsmotor ausgestatteten Plattformwagen (Hubwagen) eingesetzt. Da Gegenstände auch vertikal bewegt werden mussten, folgte mit dem „Truclift“ bald der erste Gabelstapler. Die Idee, schwere Güter innerhalb des Betriebes mit Motorkraft zu bewegen, begeisterte schnell auch dessen Kunden. So wurde Clark der erste Hersteller von Flurförderzeugen und auch heute noch befindet sich das Unternehmen unter den Top 20 der weltweiten Produzenten. Aktuell wird ein erheblicher Anteil der weltweit eingesetzten Flurförderzeuge in Ostasien produziert. Aber auch deutsche Unternehmen befinden sich unter den Top-Herstellern – so zum Beispiel die Kion AG mit ihren deutschen Marken Linde, Still und Dematic oder das Traditionsunternehmen Jungheinrich. Weitere deutsche Produzenten von Flurfördertechnik sind im mittelständischen Bereich angesiedelt.

Großflächige Hallen sind ohne Flurförderzeuge nicht zu betreiben

Hubwagen und Gabelstapler sind zwei der Fahrzeugkategorien, die heute unter dem Begriff „Flurförderzeuge“ zusammengefasst werden. Im Gegensatz zu „flurfreien“ Transportsystemen, wie zum Beispiel an der Hallendecke geführten Kränen, sind Flurförderzeuge an den Boden gebunden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen gleislosen Fördermitteln wie Staplern und Hubwagen und gleisgebundenen wie Loren. Eine dritte, moderne Kategorie sind spurgeführte – heute meist fahrerlose – Transportsysteme (FTS). Flurförderzeuge sind in der produzierenden Industrie und der Logistikbranche weit verbreitet. Großflächige Hallen oder Betriebsgelände sind ohne Flurförderzeuge kaum zu betreiben. Typische Branchen für den Einsatz von Flurförderzeugen sind die Automobil- und Lebensmittelindustrie sowie andere Fertigungsbetriebe. Aber auch Dienstleistungsbetriebe wie Flughäfen oder Krankenhäuser nutzen regelmäßig Flurfördertechnik.

Hubwagen und Stapler vielfältig einsetzbar

Die kleinsten Mitglieder in der Familie der Flurförderzeuge sind die Hubwagen – vielen auch als „Ameise“ bekannt. Sie sind eher für den Transport von geringeren Lasten wie einzelnen Paletten oder Gitterkästen und für kürzere Strecken auf ebener Fläche gedacht. Die Lasten werden dabei in der Regel durch eine Hydraulikpumpe angehoben. Sollen die Waren stärker angehoben werden, kommen sinnvollerweise Scherengabelhubwagen zum Einsatz. Ist eine höhere Geschwindigkeit erforderlich, sind Elektrohubwagen die erste Wahl. Für schwerere und größere Lasten werden zumeist Fahrzeuge aus der Staplerfamilie eingesetzt, wobei der Klassiker unter den Flurförderzeugen, der sogenannte Gabelstapler, korrekterweise als Frontstapler oder Gegengewichtsstapler bezeichnet wird. Sein hydraulisches Hubgerüst ist vorne am Fahrzeug angebracht, was durch ein Gegengewicht am Fahrzeugheck ausbalanciert wird. Je nach Einsatzgebiet variieren die Staplertypen von Schmalgangstaplern für enge Hochregallager über Hubmaststapler mit bis zu 15 Metern Hubhöhe bis zu Vierwegestaplern mit seitlich angebrachtem Fahrersitz, die das freie Manövrieren mit sperrigen und langen Gütern ermöglichen. Diese Fahrzeuge kommen oft in Baumärkten oder in der Holzindustrie zum Einsatz.

Eine Renaissance fahrerloser Transportsysteme

Die modernste Fahrzeugkategorie sind von außen gesteuerte fahrerlose Transportsysteme (FTS) mit eigenem Antrieb. Eine sichere und gebräuchliche Art, fahrerlose Systeme zu navigieren, sind auf dem Hallenboden angebrachte Leitlinien. Kann keine physische Leitlinie angebracht werden, gibt es als Alternativverfahren die lasergesteuerte Navigation, durch die eine in der Fahrzeugsoftware angelegte, virtuelle Leitlinie erzeugt wird. Moderne Systeme legen eine virtuelle Karte an, sodass nach eingespeicherten Umgebungsmerkmalen navigiert werden kann. Dank enormer Fortschritte in Sensortechnologie und Rechenleistung erleben fahrerlose Transportsysteme derzeit eine ausgesprochene Renaissance. Aufgrund ihrer hohen Flexibilität sind fahrerlose Systeme vielfältig einsetzbar. Ihre Dimensionierung lässt sich vor allem bei sensorgesteuerten Lösungen gut an wechselnden Bedarf anpassen. So können sie räumlich verlagert und für unterschiedliche Güter eingesetzt werden. Bisher realisierte Systeme weisen eine große Bandbreite von Merkmalen auf – von Fahrzeugen für kurze Distanzen bis zu Transportsystemen für Entfernungen von mehreren Kilometern, von sporadisch eingesetzten Systemen bis zu rund die Uhr im Betrieb befindlichen.

Systematische Schulungen vermindern Unfallgefahr

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der FTS ist ihre – im Gegensatz zu manuell gesteuerten Flurförderzeugen – deutlich größere Unfallsicherheit. Gabelstapler sind in deutschen Betrieben leider immer noch überproportional am Unfallgeschehen beteiligt, auch wenn die Zahl der tödlichen Unfälle stark abgenommen hat. Dabei ist das Anfahren von Personen die häufigste Unfallart, gefolgt vom Umstürzen des Fahrzeugs. Nach Auffassung der Berufsgenossenschaft hat eine umfassende Fahrerausbildung – der sogenannte Staplerschein – eine hohe Bedeutung für die Vermeidung von Betriebsunfällen. Dazu sind Betriebe angehalten, begleitende Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen, eindeutige Markierungen von Fahrwegen sowie eine konsequente Einhaltung von Wartungsintervallen durchzuführen. Wichtig für Betriebe ist auch die Wahl des passenden Fahrzeugantriebs, denn fast alle Fahrzeugtypen sind mit Verbrennungsmotor (Diesel oder Treibgas) oder Elektroantrieb verfügbar. Abgase erzeugende Verbrennungsmotoren sind allerdings nicht für alle Betriebsumgebungen geeignet.

Professionelle Dienstleister bieten Komplettlösungen

Für die Auswahl des passenden Transportsystems sollten sich Unternehmen die Unterstützung professioneller Dienstleister sichern. Vor allem bei der Beantwortung komplexer Fragestellungen können spezialisierte Anbieter wertvolle Hilfestellungen geben. Die Vertretungen namhafter Fördertechnikhersteller sind heute längst keine reinen Händler mehr. Sie bieten leistungsfähige Lösungen für jeden Anwendungsfall von Warenumschlag, Produktion, bis hin zur kompletten Intralogistik, unabhängig davon, ob Stapler mit Elektroantrieb oder Verbrennungsmotor, spezialisierte Lagertechnikgeräte, Software für das Flottenmanagement oder Automatisierungslösungen benötigt werden. Finanzierungsangebote sowie Dienstleistungen rund um den Stapler und die Ausbildung der Bediener gehören oft ebenfalls zum Angebotsportfolio. Michael Otterbein | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 06/2019