Unternehmenspraxis (Ausgabe 02/2019)

PERSONAL & KARRIERE

Mehr Beschäftigung trotz geringeren Wachstums

Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf 103,4 Punkte gefallen und lässt damit weiterhin eine positive Arbeitsmarktentwicklung in den kommenden Monaten erwarten. Die Beschäftigungskomponente hielt sich im Februar auf dem sehr hohen Niveau von 106,5 Punkten. Die Konjunktur habe sich deutlich abgekühlt, aber der Beschäftigungsaufschwung gehe weiter. Diese Robustheit sei seit Jahren charakteristisch für den Arbeitsmarkttrend, in dem der Arbeitskräftebedarf hoch bleibe. Die Arbeitslosigkeitskomponente liegt allerdings nach einem neuerlichen Rückgang um 0,3 Punkte mittlerweile mit 100,3 Punkten nur noch leicht im positiven Bereich. Die Arbeitsagenturen halten weitere Rückgänge der Arbeitslosigkeit für möglich, aber die Dynamik lasse nach. Mit der Konjunktur schwäche sich beispielsweise auch die Entwicklung in der Zeitarbeit ab, was einen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit erschwere. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Die Skala reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Frauenmangel im Betriebsrat

In deutschen Betriebsräten sitzen nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) durchschnittlich 26 Prozent Frauen. In Unternehmen des produzierenden Gewerbes sind es nicht einmal 24 Prozent, in jedem fünften Unternehmen sind Frauen im Betriebsrat zudem unterrepräsentiert. Lediglich Dienstleistungsunternehmen verzeichnen eine Frauenquote von 38 Prozent; das liegt am höheren Anteil weiblicher Beschäftigter in der Branche. Auch der Betriebsratsvorsitz liegt selten in weiblicher Hand, nur in 18 Prozent der befragten Unternehmen leitet eine Frau das Gremium. Je mehr Frauen im Unternehmen arbeiten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau den Betriebsrat leitet. Außerdem steigen die Chancen, wenn es in der Belegschaft viele Hochschulabsolventen gibt. Viele Firmen hätten dem IW zufolge Schwierigkeiten, die gesetzliche Vorgabe zur angemessenen Berücksichtigung beider Geschlechter im Betriebsrat zu erfüllen. Oft gebe es schlicht zu wenige Kandidatinnen. Ein typischer Betriebsratsvorsitzender in Deutschland ist männlich und über 50 Jahre alt. Bei den Betriebsratswahlen 2018 gingen drei Viertel aller wahlberechtigten Mitarbeiter an die Urne, in kleinen und mittleren Betrieben lag die Wahlbeteiligung sogar bei über 80 Prozent. Für die IW-Betriebsratswahlbefragung 2018 wurden 1.140 Unternehmen mit Betriebsrat befragt.

Neuer Rekord: 1,5 Millionen offene Stellen

Im vierten Quartal 2018 gab es bundesweit rund 1,46 Millionen offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorquartal erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen um 221.000, gegenüber dem vierten Quartal 2017 um 275.000. Das geht aus der IAB-Stellenerhebung hervor, einer regelmäßigen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In Westdeutschland waren zuletzt rund 1.134.000 offene Stellen zu vergeben, in Ostdeutschland rund 325.000. In allen Wirtschaftsabschnitten beobachte man ein deutliches Plus bei der Zahl offener Stellen. Das Verhältnis von sofort zu besetzenden offenen Stellen und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, die sogenannte Vakanzrate, beträgt im Bundesdurchschnitt 3,5 Prozent. Auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kommen also 3,5 offene Stellen. Im vierten Quartal 2017 waren es noch 2,9 offene Stellen. Das IAB untersucht mit der Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden.

Konjunktur

DIW erwartet keine Rezession in der Industrie

Im Februar hat sich das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) spürbar erholt, bleibt mit etwa 99 Punkten aber noch knapp unter der 100-Punkte-Schwelle, die für einen durchschnittlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung steht. Das konjunkturelle Bild sei nicht so trüb, wie es zuletzt häufig gezeichnet worden sei. Eine Rezession drohe nicht. Schon allein wegen der Einkommensspritze, die die Regierung den Arbeitnehmern zum Jahresbeginn verpasst hat, dürfte der Jahresauftakt kräftig ausfallen. Die Zeiten der Hochkonjunktur seien allerdings vorbei, künftig werde sich die Wirtschaft etwas gemächlicher entwickeln. Im ersten Vierteljahr dürfte die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um ein halbes Prozent wachsen, angesichts vieler globaler Risiken – etwa die mit dem Brexit und drohenden Handelskonflikten verbundenen Unsicherheiten – und einer sich graduell abschwächenden Auslandsnachfrage dann aber an Fahrt verlieren. Die Produktion der deutschen Industrie lege im ersten Quartal wohl kräftig zu. Die Umsätze seien in wichtigen Bereichen zuletzt in die Höhe geschnellt: in der Automobilindustrie, die aufgrund von Zertifizierungsproblemen in der zweiten Jahreshälfte 2018 ins Schleudern geraten war, wie auch in der Chemie- und Pharmabranche, deren Produktionsketten durch die niedrigen Rheinpegel zeitweilig stockten. Das Nachholen ausgefallener Produktion wird die deutsche Wirtschaft wohl insgesamt in der ersten Jahreshälfte deutlich anschieben.

Rohstoffpreise steigen wieder

Im Januar stieg der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen WeltWirtschafts-Instituts (HWWI) im Monatsdurchschnitt um 0,4 Prozent (in Euro: +0,1 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Damit stiegen die Rohstoffpreise im ersten Monat des Jahres 2019, nachdem der Gesamtindex im November und Dezember des vergangenen Jahres Rückgänge verzeichnen musste. Der HWWI-Rohstoffpreisindex notiert im Januar 2019 bei 113,3 Punkten (in Euro: 110,1 Punkte) und damit um 12,2 Prozent (in Euro: –6,1 Prozent) niedriger als im Januar 2018. Die größten Steigerungen weisen der Index für Nahrungs- und Genussmittel sowie der Index für Industrierohstoffe auf. Beide Teilindizes stiegen um 1,7 Prozent (in Euro: +1,4 Prozent). Ebenso stieg der Index ohne Energie um 1,7 Prozent (in Euro: +1,4 Prozent) auf 106,6 Punkte (in Euro: 103,6 Punkte). Der Index für Energierohstoffe, der im November und Dezember besonders stark gefallen war, konnte lediglich einen Anstieg um 0,2 Prozent (in Euro: –0,1 Prozent) verzeichnen. Im Januar stiegen die Preise für Rohöl, während die beiden anderen Energierohstoffe, Erdgas und Kohle, sich verbilligten. Nach starken Verlusten in den beiden Vormonaten verteuerte sich Rohöl im Monatsdurchschnitt um 4,5 Prozent (in Euro: +4,2 Prozent).

MANAGEMENT

Deutschkenntnisse sind wichtig für die Beschäftigung von Flüchtlingen

Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind Deutschkenntnisse ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Von den im Jahr 2016 befragten Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwerbstätig waren, hatten ein Jahr später 14 Prozent eine Beschäftigung. Diese Stellen waren zu etwa gleichen Teilen Minijobs und sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten. 28 Prozent der Beschäftigungen haben zu einer Beendigung des Arbeitslosengeld-II-Bezugs geführt. Gute Deutschkenntnisse erwiesen sich laut IAB-Studie als entscheidender Erfolgsfaktor. Des Weiteren zeige sich, dass Frauen deutlich seltener eine Erwerbstätigkeit aufnehmen als Männer. Gut entwickelt hätten sich den Forschern zufolge die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge: Im Jahr 2016 verfügten 24 Prozent der Befragten über nur geringe deutsche Sprachkenntnisse. 42 Prozent beurteilten ihre Kenntnisse als „zufriedenstellend“ und 34 Prozent stuften sie als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Ein Jahr später zeigten sich in dieser Gruppe schon deutliche Veränderungen: Von den Personen mit geringen oder zufriedenstellenden deutschen Sprachkenntnissen im Jahr 2016 konnten 47 Prozent ihre Sprachkenntnisse innerhalb eines Jahres verbessern. Wenige Veränderungen lassen sich bei den Schul- und Berufsabschlüssen feststellen. 2016 verfügten 67 Prozent der Befragten über einen Schulabschluss, 31 Prozent über einen Berufs- oder Hochschulabschluss. Von den Personen ohne Schul- oder Berufsabschluss im Jahr 2016 wiesen ein Jahr später acht Prozent einen zusätzlichen Abschluss auf.

RECHT & FINANZEN

Verfall von Urlaubsansprüchen

Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub erlischt in der Regel nur dann am Ende des Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber ihn zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat. Zu diesem Schluss kommt das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil vom 19. Februar dieses Jahres. § 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG sieht vor, dass Urlaub, der bis zum Jahresende nicht gewährt und genommen wird, verfällt. Die bisherige Rechtsprechung wurde vom Senat weiterentwickelt und damit die Vorgaben des Gerichtshofs der Europäischen Union aufgrund der Vorabentscheidung vom 6. November 2018 (C-684/16) umgesetzt. Nach Maßgabe des § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG ist es dem Arbeitgeber vorbehalten, die zeitliche Lage des Urlaubs unter Berücksichtigung der Urlaubswünsche des Arbeitnehmers festzulegen. Die Vorschrift zwingt den Arbeitgeber zwar nicht, dem Arbeitnehmer von sich aus Urlaub zu gewähren. Allerdings obliegt ihm unter Beachtung von Artikel 7 Abs. 1 der Richtlinie 2003/88/EG (Arbeitszeitrichtlinie) die Initiativlast für die Verwirklichung des Urlaubsanspruchs. Der Arbeitgeber sei gehalten, „konkret und in völliger Transparenz dafür zu sorgen, dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage ist, seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, dies zu tun“. Der Arbeitgeber hat klar und rechtzeitig mitzuteilen, dass der Urlaub am Ende des Bezugszeitraums oder eines Übertragungszeitraums verfallen wird, wenn der Arbeitnehmer ihn nicht nimmt. 

BREXIT

Brexit schon jetzt eine hohe Belastung

In einer Sonderauswertung der noch unveröffentlichten Umfrage „Going International“ ermittelte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), inwieweit die Betriebe hierzulande konkret vom Brexit betroffen sind. Dabei bewertete nur noch jedes fünfte der befragten Unternehmen seine Geschäfte im Vereinigten Königreich als gut, 70 Prozent der Betriebe erwarten für 2019 eine Verschlechterung. Vor diesem Hintergrund ziehen einige Unternehmen bereits Konsequenzen. Der DIHK-Untersuchung zufolge plant jeder achte Betrieb mit UK-Geschäft aktuell, seine Investitionen auf andere Märkte zu verlagern – größtenteils nach Deutschland und in andere EU-Länder. Zum Vergleich: Anfang 2018 hatte nur jeder zwölfte Betrieb von entsprechenden Vorhaben berichtet. Der Brexit sei demnach bereits jetzt eine hohe Belastung für die deutschen Unternehmen. Fast noch schlimmer sei, dass die Firmen auch einen Monat vor dem Austrittsdatum noch keine Planungssicherheit hätten, quasi „ohne Kompass navigieren“ müssten. Eine konkrete Vorbereitung auf den Brexit gestalte sich für viele Betriebe trotz intensiver Bemühungen schwierig. Den größten Risikofaktor für ihre Geschäfte sähen die Unternehmen im drohenden Mehraufwand bei der Zollbürokratie. Im ungünstigsten Fall würden bei einem ungeordneten Austritt bis zu zehn Millionen neue Zollanmeldungen notwendig.

Harter Brexit trifft deutschen Arbeitsmarkt

Sollte Großbritannien ohne Vertrag aus der EU austreten, hätte das Folgen für den internationalen Handel und die Arbeitsmärkte in vielen Ländern, auch außerhalb Europas. Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigen: Weltweit könnten mehr als 600.000 Arbeitskräfte betroffen sein, aber nirgends so viele wie in Deutschland. Die Studie des IWH wurde auf Basis der Daten von 43 Ländern erstellt. Die größten Auswirkungen hätte demnach Deutschland mit mehr als 100.000 betroffenen Arbeitskräften zu verzeichnen, gefolgt von China (knapp 60.000) und Frankreich (circa 50.000). Darüber hinaus haben die IWH-Wissenschaftler die Effekte auf die 401 deutschen Kreise untersucht. Ein harter Brexit würde in Deutschland insbesondere die Autoindustrie und darum vor allem die Kreise Wolfsburg (Sitz von Volkswagen) und Dingolfing-Landau (BMW) treffen. In der deutschen Autoindustrie (Produktion und Handel) insgesamt könnten 15.000 Beschäftige von den Absatzeinbußen betroffen sein. Entlassungen seien nur eine der Möglichkeiten, um die Folgen abzudämpfen. Wegen des Fachkräftemangels könnten Betriebe auch versuchen, ihr Personal zu halten, indem sie beispielsweise Kurzarbeit ansetzen oder neue Absatzmärkte erschließen. Ein harter Brexit würde nach Ermessen der IWH-Forscher die globalen Wertschöpfungsketten durcheinanderwirbeln. Deshalb könne ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU erhebliche Wohlstandseinbußen mit sich bringen. Aus ökonomischer Sicht bleibe zu hoffen, dass es doch noch zu einer Einigung kommt.Stefan Mülders | redaktion@sudwestfalen-manager.de
Ausgabe 02/2019