Parallelwelten: Vorbildlich

Vorgesetzte müssen Vorbilder sein, meint Simone Harland.
(Foto: ©gpointstudio  – stock.adobe.com)
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Kritisieren Sie Ihre Kinder mehr, als sie zu loben? Geben Sie ihnen die Schuld, wenn etwas nicht rund läuft? Brüllen Sie sie manchmal an, weil etwas schiefgelaufen ist? Nein, werden Sie sagen, natürlich nicht. Denn Sie wissen um Ihre Vorbildfunktion. In Unternehmen läuft es jedoch manchmal anders. Einige Menschen in Führungspositionen agieren, als ob ihre Position ihnen einen Sonderstatus verleiht. Die Verantwortung lastet schwer auf ihren Schultern, deshalb müssen die Untergebenen verstehen, dass sie ab und an aus der Haut fahren. Zum Beispiel, wenn der Kaffee bei Arbeitsbeginn wieder nicht auf dem Tisch steht, die falsche Temperatur hat oder Kaffeesahne statt Vollmilch enthält. Oder wenn Herr Z. zum Feierabend erneut einen Bleistift auf dem Tisch liegen gelassen hat, obwohl es im Unternehmen eine Clean-Desk-Policy gibt. Fehler sind ein sofortiger Grund für eine Abmahnung, allenfalls gönnerhaft erhalten die Mitarbeiter eine zweite Chance. Natürlich können die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht verstehen, unter welcher Anspannung diese Vorgesetzten stehen. Sie waren bislang noch nicht in einer solch verantwortungsvollen Position und werden es – dank ihrer begrenzten Fähigkeiten – auch nie sein. Ein wenig Herablassung im Umgang mit ihnen ist daher angebracht. Frau B. macht einen Vorschlag, wie sich die CO2-Emissionen auf Dienstreisen verringern lassen? Lächerlich. Frau B. hat den Unterschied zwischen drei Stunden Bahnfahrt und einer halben Stunde Flugzeit noch nicht erkannt. Time is money. Die Stunde Wartezeit in der VIP-Lounge des Flughafens vergeht bekanntlich schnell. Wie viele Kontakte sich hier knüpfen lassen … Und im Stau zum Flughafen und Ankunftsort lassen sich hervorragend wichtige Telefonate führen. Doch so etwas durchblicken die Mitarbeiter nicht. Wie auch? Ohnehin sind die Mitarbeiter ein undankbares Volk! Immer stehen sie da und wollen Anerkennung. In Form von guten Worten, mehr Verantwortung und natürlich Geld. Sie werden nie verstehen, dass nicht geschimpft genug gelobt bedeutet und es ein Zeichen besonderer Wertschätzung ist, ihnen übers Wochenende eine zeitkritische Aufgabe anzuvertrauen. Die sich am Montag als doch nicht so dringend entpuppt, denn erst einmal gilt es, wichtigere Aufgaben zu erledigen. Eine Unverschämtheit, dass der Wochenendarbeiter drängelt, seine Ergebnisse zu präsentieren! Noch unverschämter ist jedoch, dass viele Arbeitskräfte nach kurzer Zeit die Abteilung oder das Unternehmen wieder verlassen. Da hat man ihnen die Chance gegeben, in einem Unternehmen mit Renommee zu arbeiten und – schwupp! – sind sie wieder weg. Was sie hier gelernt haben! Was sie alles mitnehmen! Welche Möglichkeiten sie gehabt hätten, wären sie geblieben! Haben sie alles nicht gesehen. Se`s drum. Selbst schuld. Kennen Sie solche Menschen? Hoffentlich nicht. Sie selbst machen es ohnehin anders. Sie gehen respektvoll mit Ihren Mitarbeitern um, würdigen ihre Arbeit, nehmen sich Zeit für Gespräche, übernehmen die Verantwortung für Fehler und stellen sich vor Ihre Abteilung. Denn Sie wissen, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Selbst wenn nicht alles rundläuft, lassen Sie Ihre Laune nicht an Ihren Mitarbeitern aus, sondern entwickeln Lösungen und fragen Ihre Mitarbeiter, welche Möglichkeiten sie sehen. Sie empfinden sich nicht als Einzelkämpfer, sondern wissen, dass der Erfolg viele Mütter und Väter hat. Sie beharren nicht stur auf Ihrer Meinung, sondern versuchen, andere mit Argumenten zu überzeugen. Und Sie bedanken sich, wenn jemand Ihnen Kaffee kocht und serviert. Ihre Kinder freuen sich, wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen, denn Sie leben ihnen vor, verantwortungs- und respektvoll zu handeln. Sie wissen, dass Sie die Welt nur von ihnen geborgt haben. Sie sind dankbar für das, was Sie haben, und können es wertschätzen. Vorbildlich! Simone Harland | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 08/2019