Parallelwelten: Ein Unternehmen ist kein Kasernenhof

Vorgesetzte müssen erkennen, dass gute Mitarbeiter das A und O jedes Unternehmens sind, meint Simone Harland.
(Foto: ©Georgios Alexandris  – stock.adobe.com)
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Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind essenziell für den Erfolg jedes Unternehmens. Was sich wie eine Binsenweisheit anhört, ist leider noch nicht überall angekommen. Schaut man sich etwa auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie Glassdoor an, wie manche Unternehmen bei ihren Beschäftigten wegkommen, scheint es, als ob zahlreiche Chefs bislang nicht mitbekommen haben, dass die Mitarbeiter zu ihrem wichtigsten Kapital zählen. Stattdessen behandeln viele Vorgesetzte ihre Arbeitnehmer, als seien die Zeiten der Feudalherrschaft noch nicht vorbei. Die Kommunikation von oben nach unten ist mau, Mitarbeiter werden behandelt, als seien sie Manövriermasse, Erfolge werden hingenommen, Misserfolge hingegen hochgehängt. Auch der Ton in vielen Betrieben lässt zu wünschen übrig. Manche Chefs meinen nach wie vor, sie könnten ihre Mitarbeiter durch Lautstärke motivieren, besser, schneller, gründlicher und/oder mehr zu arbeiten. Doch ein Unternehmen ist kein Kasernenhof und die Mitarbeiter sind keine stupiden Befehlsempfänger. Viele sind durchaus motiviert, ihr Bestes zu geben, um Produkte und Arbeitsabläufe weiterzuentwickeln und Kunden zufriedenzustellen. Mangelnde Wertschätzung, ein rüder Umgangston und ein sich kontinuierlich verschlechterndes Betriebsklima durch Vorgesetzte, die nie gelernt haben, Mitarbeiter so zu führen, dass sie zeigen wollen, was sie können, führen hingegen dazu, dass die Beschäftigten sich innerlich vom Betrieb verabschieden. Viele schieben als Folge nur noch Dienst nach Vorschrift, bedienen Kunden so, dass sie sich lieber für die Produkte der Konkurrenz entscheiden, oder machen ihren Arbeitgeber sogar schlecht. Letzteres ist durch anonyme Bewertungsplattformen wie Glassdoor heute leichter denn je. Denn es lässt sich kaum nachverfolgen, wer die negative Bewertung abgegeben hat. Dagegen vorgehen kann man ohnehin nur, wenn es sich um üble Nachrede handelt, was bei den wenigsten Bewertungen der Fall sein dürfte. Ist der Ruf eines Unternehmens beschädigt, wirkt sich das häufig auf den Umsatz aus. Zudem fällt es den Unternehmen zunehmend schwerer, gute Leute zu bekommen. Das kommt in Zeiten des Facharbeitermangels einer mittleren Katastrophe gleich. Doch wie lässt sich der Weggang von Mitarbeitern verhindern? So schwierig ist das eigentlich nicht. Beziehen Sie die Beschäftigten in Entscheidungsprozesse ein, haben Sie ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte, übertragen Sie ihnen Verantwortung, geben Sie ihnen Aufgaben, die sie fordern, aber nicht überfordern. Loben Sie, hängen Sie Misserfolge nicht zu hoch, sondern geben Sie den Beschäftigten die Chance, aus ihren Fehlern zu lernen. Klingt doch eigentlich ganz leicht, oder? Sollten Sie jedoch nicht der Typ des Vorgesetzten sein, dem Kommunikation mit den Beschäftigten leichtfällt: Auch für Sie gibt es eine Lösung. Etwa in Gestalt von Software-Tools, mit denen die Beschäftigten der Geschäftsführung jederzeit ein Feedback darüber geben können, was im Betrieb gut oder schlecht läuft, wie zufrieden die Mitarbeiter sind, was sich verbessern dürfte. Mithilfe einer solchen Software lassen sich auch gezielt Fragen stellen, die die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anonym beantworten können. Durch die Anonymität fällt die Angst weg, negativ aufzufallen und dafür später zur Rechenschaft gezogen zu werden. Anhand der Antworten ist sofort zu erkennen, ob es im Betrieb so vonstattengeht, wie es sollte, oder ob es Probleme gibt. Auf diese Weise lässt sich bei Bedarf rasch gegensteuern, was nicht nur den Abläufen im Unternehmen guttut, sondern auch das Betriebsklima verbessert und die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöht. Klar: Das alles kostet Zeit, die Sie vermutlich nicht haben. Doch bedenken Sie, was es Sie kostet, wenn Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren – und sei es „nur“ an die innere Kündigung. Sie müssen über kurz oder lang neue Leute suchen und einarbeiten, was wesentlich mehr Zeitaufwand bedeutet, als Mitarbeiter zu halten, die mit den Abläufen im Betrieb vertraut sind. Auch der Krankenstand erhöht sich, wenn Mitarbeiter unzufrieden sind. Hinzu kommt, dass unmotivierte Mitarbeiter Geld kosten, weil Sie unter Umständen Kunden verlieren. Deshalb: Investieren Sie Zeit in Ihre Mitarbeiter. Es lohnt sich! Simone Harland | redaktion@suedwestfalen-manager.de
Ausgabe 02/2019