Elektroinstallateure: Mehr als Strippen ziehen

Das Elektrohandwerk zählt heute zu den Leitbranchen der Digitalisierung und ist mit den neuesten Technologien rund um Informationstechnik, Energieeffizienz und Gebäudevernetzung bestens vertraut.
Foto: ArGe Medien im ZVEH
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Ohne Strom funktioniert gar nichts – weder im Unternehmen noch im Privathaushalt. Eine professionelle Elektroinstallation ist heute Grundlage jedes modernen Betriebsablaufs. Ohne Elektrizität sind Gebäude „dumm“. Weshalb die Betriebe des Elektro- und Informationstechnischen Handwerks auch sehr wichtige Partner der gewerblichen Wirtschaft sind. Dabei ist das „Strippen ziehen“, die elektrotechnische Grundinstallation, nach wie vor ein wichtiger Teil der von Unternehmen nachgefragten Dienstleistungen, heute aber bei Weitem nicht mehr der einzige. Intelligente Gebäude, Kommunikation und Multimedia, Sicherheitstechnik und Alarmanlagen sowie ein effizientes Energiemanagement sind weitere Technikbereiche für die Gewerbebetriebe, die Hilfe kompetenter Dienstleister benötigen. Dazu interessieren sich auch Unternehmen immer stärker für Elektromobilität und beginnen, Teile ihrer Fahrzeugflotten auf den umweltfreundlichen Antrieb umzustellen.

Klassische Elektroinstallation für smarte Technologien

Als Grundlage für die gesamte Bandbreite moderner Digitaltechniken steht die klassische Elektroinstallation in der Regel am Anfang der Realisierung „smarter Technologien“. Alle Geräte vom Internet-Router über die Beleuchtungsanlage bis hin zur Zugangskontrolle benötigen elektrische Energie, für die im Gebäude Kabel verlegt werden müssen. Das geschieht heute oft unter Putz, manchmal aber auch in Kabelkanälen – unter Raumdecken oder in Zwischenböden. Verteiler und Überstromschutzeinrichtungen (Sicherungen) sorgen dafür, dass Elektrizität gleichmäßig und sicher zur Verfügung gestellt wird. In manchen sensiblen Betrieben muss zusätzlich eine Notstromversorgung eingerichtet werden. Auch in Zeiten drahtloser Netzverbindungen (WLAN) sind Server und wichtige Rechnereinheiten mit Kabeln verbunden, um den reibungslosen Austausch großer Datenmengen im firmeninternen Netzwerk zu garantieren. Auch für diese Installationsleistungen werden professionelle Dienstleister benötigt.

Energieeffizient und wirtschaftlich

Immer größere Bedeutung erhält der Themenkomplex der intelligenten Gebäude oder auch Gebäudeautomation. Die Möglichkeit, Gebäude technisch so auszustatten, dass sie mithilfe fernsteuerbarer Geräte wirtschaftlich, sicher und energieeffizient betrieben werden können, ist in der breiten Öffentlichkeit bisher mehr unter der privaten Variante „Smart Home“ bekannt. Sie setzt sich aber auch in gewerblich genutzten Gebäuden immer mehr durch. Ein wichtiger Teilbereich smarter Gebäudetechnik ist die digitale Kommunikationstechnologie, die zum Beispiel für Konferenztechnik, Gebäudezugangssysteme, Video- und Audioanwendungen genutzt werden kann. Erlebnisschaffende Multiroom-Audio-Systeme, die es etwa ermöglichen, Musik in hoher Qualität in unterschiedliche Räume zu bringen, sind nicht nur für Eigenheimbesitzer interessant, sondern ebenso für den Einzelhandel, Gastronomie oder Messebetreiber.

Steuerung per Sensorik oder Fernbedienung

Unter dem Aspekt von Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz ist die Verbindung von Sensorik und Digitaltechnik besonders wichtig. Die Raumbeleuchtung kann zum Beispiel sowohl direkt per Fernbedienung oder Sprachbefehl gesteuert werden als auch über die sensorische Erfassung vorab festgelegter Raumtemperaturwerte. Ebenso funktioniert die Steuerung der Beleuchtung über Bewegungsmelder. Ergänzend oder alternativ kann die komplette Raumtechnik über individuelle Nutzungsprofile programmiert werden. Neben Systemen, die dem Energiesparen, der Arbeitserleichterung oder Kommunikations- und Marketingzwecken dienen, haben auch elektronische Sicherheitssysteme für viele Firmen große Bedeutung. Hierbei geht es sowohl um die Gebäudesicherung gegen unbefugten Zutritt durch Einbruchmeldesysteme und Videoüberwachung als auch um Zugangskontrollsysteme, durch die auch firmenintern sensible Bereiche abgeschirmt werden können.

Elektrohandwerk setzt auf Aus- und Weiterbildung

Für die Planung und Umsetzung moderner Digitaltechnik bedarf es Fachkenntnisse und Kompetenzen, die über die klassische Elektroinstallation weit hinausgehen. Dem trägt das Elektrohandwerk schon lange Rechnung, indem es seine Mitarbeiter intensiv in den neuen Techniken schult. So sind die Ausbildungsberufe der Branche heute u. a. Elektroniker mit den Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Geräte- und Systemtechnik. Ein weiterer Schwerpunkt der Elektroniker-Ausbildung befasst sich explizit mit dem Thema Bürosystemtechnik. Für ausgelernte Mitarbeiter gibt es umfangreiche Weiterbildungsangebote u. a. über das Kompetenznetzwerk für Elektro- und Informationstechnik „Elkonet“ oder die „E-Akademie“ für die Qualifizierung von Elektrobetrieben. Hier können sich Fachbetriebe zum Beispiel auf Energieeffizienz oder E-Mobilität spezialisieren oder sich in das Gebiet der Gebäudesystemintegration vertiefen.

Eine boomende Branche

Die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat dazu geführt, dass das Elektrohandwerk sich zu einer bedeutenden Branche entwickelt hat. Dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) gehörten im Jahr 2016 knapp 55.000 Betriebe mit über 480.000 Beschäftigten an, die zusammen über 56 Milliarden Euro umsetzten. Dabei wurden knapp 40 Prozent der Leistungen im Auftrag der gewerblichen Wirtschaft erbracht. Die traditionell handwerkliche Struktur der Branche hat sich allerdings nach wie vor weitgehend erhalten. Nur etwa 20 Prozent der Betriebe haben 20 oder mehr Beschäftigte.

„E-Marke“ bürgt für Qualität

Um seinen Kunden die Auswahl geeigneter Betriebe zu erleichtern, hat der ZVEH im Jahr 2008 das Qualitätssiegel „E-Marke“ ins Leben gerufen. Nach Aussage des Fachverbandes sind E-Marken-Betriebe Experten „für alles, was mit der Erzeugung und effizienten Nutzung von Energie in Wohn- und Bürogebäuden zu tun hat“, und bringen besonderes Know-how für Themen wie „Automatisierung im Betrieb, Solarthermie und Photovoltaik, Sicherheit oder Digital Home Entertainment“ ein. Heute, gut ein Jahrzehnt nach Start des Programms, gibt es etwa 8.500 E-Marken-Betriebe, die häufig erfolgreicher als andere Unternehmen der Branche sind und „neue ertragsstarke Märkte wie Smart Living, Energieeffizienz, Gebäudevernetzung, Systemintegration und Informationstechnik erschließen. Michael Otterbein | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 04/2019