Digital-Standort NRW: Wie digital ist NRW?

An Rhein und Ruhr sind innovative IT-Firmen ansässig, zukunftsweisende Projekte werden auf den Weg gebracht. Doch es gibt auch Baustellen.
So sieht die Idealvorstellung aus, doch noch scheinen nicht alle Ampeln auf Grün zu stehen  (Foto: ©  kamasigns – stock.adobe.com)
So sieht die Idealvorstellung aus, doch noch scheinen nicht alle Ampeln auf Grün zu stehen  (Foto: © kamasigns – stock.adobe.com)
Indien dürften viele nicht zuletzt mit zwei großen Buchstaben verbinden: IT. Der Subkontinent ist auf diesem Gebiet ein Global Player. Umso interessanter erscheint es aus NRW-Sicht, dass sich der indische IT-Sektor zu einem bedeutenden Partner und Investor für Nordrhein-Westfalen entwickelt. Das zumindest teilte die Landeswirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Invest Mitte August mit. Anlass waren gemeinsame Besuche von führenden Unternehmen der Branche an Rhein und Ruhr durch Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart und die indische Generalkonsulin Pratibha Parkar. Petra Wassner, Geschäftsführerin von NRW.INVEST, erklärte, dass mittlerweile rund 80 indische Unternehmen hier angesiedelt seien. „Die zentrale Lage, die Verfügbarkeit von ausgebildeten Fachkräften sowie die breite Forschungs- und Hochschullandschaft sind wichtige Standortvorteile und eine gute Basis für eine noch engere Zusammenarbeit bei der Digitalisierung.“

Nachholbedarf bei kleinen Firmen

Unterstützung bei diesem Dauer-Mammutprojekt könnte NRW jedenfalls gut gebrauchen. Wie der Digitalindex der Landesregierung zeigt, haben vor allem kleinere Unternehmen noch Nachholbedarf. Im Landesdurchschnitt erreichen die Unternehmen, der Fachhochschule für Mittelstand folgend, beim Digitalisierungsgrad nur 4,1 von 10 möglichen Punkten. Auch im IHK-Unternehmensbarometer von 2017 geben nur 27 Prozent der Unternehmen an, ihre Geschäftsmodelle bereits „voll“ oder „nahezu voll“ auf den digitalen Wandel eingestellt zu haben. Auf alle diese Zahlen verweist Dr. Matthias Mainz, Geschäftsführer der IHK NRW. Unzureichende Technik, mangelnde Informationen und mangelndes Wissen über Datenschutz und -sicherheit verhindern ihm zufolge eine schnellere Adaption von neuen Entwicklungen im digitalen Wandel. Teils fehlen auch in der öffentlichen Verwaltung digitale Standards und damit die Grundlage zur Durchsetzung digitaler Basisdienstleistungen etwa für neue Geschäftsmodelle in der innerstädtischen Mobilität, im Handel, in der Energie- oder der Gesundheitswirtschaft. Und: Noch verfügten lediglich 86 Prozent der Haushalte über einen Internetanschluss mit einer Mindestrate von 50 Mbit/s zumindest im Download. „Gerade in Gewerbegebieten und an Schulen – und das nicht nur im ländlichen Raum – sieht es häufig noch deutlich schlechter aus. Angesichts eines Flickenteppichs unterschiedlicher Lösungen ist der Ausbau lange nicht vorangekommen. Erst seit die Förderungen besser greifen, kommt Bewegung auf. Dennoch ist es richtig und wichtig, dass die Landesregierung weiter einen Schwerpunkt auf den Ausbau in den Gewerbegebieten und an den Schulstandorten setzt.“ Für Mainz ist es entscheidend, dass alle NRW-Unternehmen gleichermaßen die Chance haben, im digitalen Wandel Schritt halten zu können. „Dafür sind leistungsfähige Breitband- und Funknetze letztlich die zentrale Voraussetzung. Erst durch die Netze können die Unternehmen digitale Anwendungen etwa in der Logistik, der Telemedizin oder in der Landwirtschaft einsetzen und entwickeln.“

Hohe Bedeutung von 5G

Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist 5G, die neue Mobilfunkgeneration. Mit dieser ist eine bis zu 100 Mal höhere Datenübertragungsrate als bei den heutigen LTE-Netzen möglich. Ein in diesem Sommer gestartetes Kompetenzzentrum zielt darauf ab, Nordrhein-Westfalen zum Leitmarkt für 5G zu entwickeln. „Es werden technische Eintrittshürden für Unternehmen reduziert, wirtschaftliche Potenziale für die vertikalen Märkte – wie Automotive und Mobilität, Energie, Lebensmittel und Landwirtschaft, Smart Cities, Gesundheitswesen und Produktion und viele mehr – entwickelt und die Innovationsdiffusion beschleunigt“, versprechen die Verantwortlichen. Am Projektkonsortium beteiligt sind die Bergische Universität Wuppertal, die TU Dortmund, die Universität Duisburg-Essen sowie das Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen.  „Das Wissen wird vom Kompetenzzentrum gebündelt und so aufbereitet, dass es schnellstmöglich allen wichtigen Akteuren in NRW zur Verfügung steht“, erklärt Monika Gatzke, Leiterin des Competence Center 5G.NRW. Um das zu erreichen, soll in den kommenden Monaten und Jahren u. a. ein Innovationsnetzwerk etabliert werden, in dem sich Akteure aus dem 5G-Umfeld, der IT- und der TK-Branche, interessierte Unternehmen aus der Anwenderbranche und andere austauschen können. Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten lädt das Zentrum dazu ein, gemeinsam Zukunftsfragen rund um den 5. Mobilfunkstandard zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Den bald startenden Wettbewerb 5G.NRW des Landes Nordrhein-Westfalen wird das Competence Center 5G.NRW eng begleiten. „In der Einreichungsphase bringen wir Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen und initiieren so aktiv die Bildung von starken Konsortien und die Realisierung von anwendungsbezogenen 5G-Projekten für NRW“, so Monika Gatzke. Im weiteren Verlauf begleitet 5G.NRW die Förderprojekte mit dem Ziel, Anwendungen möglichst breit verfügbar zu machen. Die TU Dortmund übernimmt im Projekt den Aufbau und Betrieb einer flexiblen 5G-Experimentalplattform, die in bis dato „einzigartiger Weise“ auch in Unternehmen vor Ort die Umsetzung von innovativen „Demonstratoren“ ermöglichen soll. Sprich: Was geht überhaupt mit 5G? Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre, die Fördersumme aus Düsseldorf liegt bei 3,6 Millionen Euro. Dr. Matthias Mainz von der IHK NRW sieht die bereits geschaffene und entstehende Infrastruktur positiv. Denn insbesondere kleine und mittlere Unternehmen seien noch häufig auf Unterstützung beim Einstieg in die Digitalisierung angewiesen – „und dies schnell, unbürokratisch, kompetent und am besten kostenfrei“. Hier setzen seiner Aussage nach die Kompetenzzentren 4.0 (www.digital-in-nrw.de), die Digitalisierungshubs NRWs (https://dwnrw-hubs.de) und weitere Unterstützungsangebote des Landes an. Mit 5G ist nun ein weiterer Schwerpunkt hinzugekommen. Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 07/2019