Firmenumzug: Wenn Firmen umziehen

Die größte Herausforderung bei einem geplanten Standortwechsel lautet: Wohin soll’s überhaupt gehen?
 Mit Kistenpacken allein ist es nicht getan (Foto: ©LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com)
Mit Kistenpacken allein ist es nicht getan (Foto: ©LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com)
Manchmal ist ein Tapetenwechsel angebracht, vielleicht sogar unausweichlich. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen. Silke Hauser, Leiterin des Geschäftsbereichs Umwelt, Planen und Bauen der IHK Mittlerer Niederrhein, nennt heranrückende Wohnbebauung an Produktionsbetriebe und mangelnden Platz als typische Gründe für einen Unternehmensumzug. „Erfolgreiche Start-ups beispielsweise wachsen oft sehr schnell und kommen dann nicht mehr mit den anfänglichen Räumlichkeiten aus.“ Eine Betriebsstättenzusammenlegung in einem Neubau gehört ebenfalls in die Reihe der klassischen Standortwechselrgünde.
Ziehen alle mit?
Doch wohin soll die Reise gehen? Und was ist alles zu beachten? „Wenn sich Unternehmen zu einem solch großen Schritt entschließen, wollen sie natürlich auch optimale Bedingungen am künftigen Standort“, sagt Silke Hauser. Und dieser will erst einmal gefunden sein. Will man in derselben Kommune bleiben? Ziehen alle Mitarbeiter mit? Welche möglichen Flächen gibt es überhaupt in der Region? „Empfehlenswert ist es, zunächst mit der zuständigen Wirtschaftsförderung am alten Standort Kontakt aufzunehmen“, sagt Silke Hauser. „Vielleicht gibt es ja in unmittelbarer Nähe eine Möglichkeit, die einem überhaupt nicht bewusst war.“ Wirtschaftsförderungen seien auch die Ansprechpartner Nummer eins bei einer Verlagerung von außerhalb in die jeweilige Gebietskörperschaft, erklärt Theresa Winkels, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf. „Große internationale Unternehmen suchen manchmal auch den Weg über landeseigene Wirtschaftsförderung, wie NRW.Invest, die dann den Suchradius landesweit ausrichten und mit denen wir als kommunale Wirtschaftsförderungen wiederum zusammenarbeiten.“ International agierende Wirtschaftsförderungen wie in Düsseldorf bieten laut Theresa Winkels meist eine ganzheitliche Betreuung von Unternehmen an. „Das bedeutet, wir sind für unsere Firmenkunden eine ,One Stop Agency’. Wir beraten hinsichtlich der Wahl des geeigneten Standortes innerhalb des Stadtgebietes, suchen geeignete Flächen und Objekte – auch in Zusammenarbeit mit den ansässigen Maklerbüros –, wir organisieren bei Bedarf gemeinsame Besichtigungstermine, helfen in Genehmigungsverfahren, unterstützen in Visaangelegenheiten und führen die neuen Unternehmen in die lokalen Netzwerke ein.“
Je früher, desto besser
Ganz wichtig sei es, sich frühzeitig mit dem Thema Verlagerung auseinanderzusetzen, und nicht erst dann, „wenn der Pachtvertrag in ein paar Monaten ausläuft“. Im weiteren Verlauf, wenn es dann konkret wird und auch Baumaßnahmen geplant sind, sollten alle Unterlagen parat liegen: „Je vollständiger die Unterlagen sind, desto schneller läuft auch das Genehmigungsverfahren und desto geschmeidiger und zeitlich planbarer wird am Ende der Standortwechsel.“ Die Herausforderungen seien je nach Art des Unternehmens sehr vielgestaltig: „Zunächst muss der richtige Standort gefunden werden, bei dem alles stimmt: Preis, Lage, Fläche, Verkehrsanbindung, etc. Dann müssen natürlich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen passen, insbesondere wenn ein Neubau oder größerer Umbau geplant ist. Planungs-, bau- und umweltrechtliche Vorschriften müssen eingehalten werden.“ Nach Erfahrung der Düsseldorfer Wirtschaftsförderung fehlt Unternehmen manchmal das Verständnis dafür, dass bestimmte Dinge an einem Standort nicht umsetzbar oder zulässig sind oder bestimmte Auflagen eingehalten werden müssen. „Deshalb empfehle ich allen Unternehmen, von Anfang an einen engen Kontakt mit der Stadtverwaltung, insbesondere mit der Wirtschaftsförderung, aufzunehmen. Dort arbeiten viele Expertinnen und Experten, die als Lotsen durch die vielfältigen Anforderungen und Ämter führen können.“ Diskretion ist oberstes Gebot. Gerade in der ersten und womöglich ergebnisoffenen Planungsphase haben Firmen meist kein Interesse daran, ihre Gedankenspiele an die große Glocke zu hängen.
Ganz wichtig: Überzeugungsarbeit
Und wenn in der Wunschkommune partout nichts Passendes zu finden ist? Dann kann die Wirtschaftsförderung zumindest weitervermitteln. Sie verliert dann zwar einen Gewerbesteuerzahler, aber dafür hilft sie womöglich zahlreichen Mitarbeitern (und Bürgern). „Grundsätzlich gilt: Besser, das Unternehmen bleibt in der Region, als dass es komplett an einen weit entfernten Standort abwandert. Das ist nicht zuletzt auch besser für die Beschäftigten.“ Nicht von ungefähr ist die Überzeugungsarbeit bei den Mitarbeitern vor einem Umzug ein häufig unterschätztes Thema. „Auch deshalb arbeiten wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen der umliegenden Kreise, zum Beispiel dem Rhein-Kreis Neuss oder dem Kreis Mettmann, zusammen.“ Ein Dokument sollten Unternehmen mit konkreten Umzugsplänen ganz besonders unter die Lupe nehmen, vor allem dann, wenn ein Mietverhältnis angestrebt wird: die Baugenehmigung. „Eine bestehende Halle hat in der Regel eine Genehmigung für eine bestimmte Nutzung“, erklärt Silke Hauser von der IHK. „Verändere ich diese Nutzung, kann das unter Umständen größere Kosten nach sich ziehen, etwa durch notwendig werdende Personalräume oder einen veränderten Brandschutz.“ Noch heikler: Wird die Nutzungsänderung nicht offiziell genehmigt (ob aus Unwissenheit oder nicht), besteht gar keine Baugenehmigung mehr für das Gebäude. „Und das mit allen rechtlichen und versicherungstechnischen Konsequenzen“, warnt Silke Hauser.


Umzug
Wenn die Entscheidung zur Standortverlagerung getroffen ist, muss der eigentliche Umzug geplant werden. „Um allgemeine Fehler zu vermeiden, gehen erfahrene Umzugshelfer nach einem konkreten Plan vor“, sagt der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) und verweist auf diese Liste:

· Ist-Aufnahme der Firma an ihrem aktuellen Standort
· Erstellung eines detaillierten Zeitplans
· De- und Remontage elektrischer und mechanischer Geräte
· Kennzeichnung der einzelnen Güter
· Verpackung der gesamten Firmenausstattung
· Sicherer Transport
· Klärung und Übernahme von Formalitäten wie Versicherungen, Zoll etc.
· Vorbereitung des neuen Firmenstandorts
· Inbetriebnahme der Anlagen und Maschinen nach der Betriebsverlagerung
· Funktionsprüfung der elektrischen und mechanischen Gerätschaften am neuen Standort
Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 02/2020