Mindset: Erfolg beginnt im Kopf!

Wer als Unternehmer erfolgreich sein will, braucht nicht nur die nötigen Management-Skills. Entscheidend ist auch das richtige Mindset. Insbesondere eine offene Haltung für Neues ist gefragt.
(Foto: ©primipil – stock.adobe.com)
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Schon vorher war die Arbeitswelt im steten Wandel, durch COVID-19 ist nun mit einem Schlag nochmals alles anders. Die Corona-Krise trifft viele Unternehmer mit voller Wucht, das ist längst keine Neuigkeit mehr. Klar sein dürfte auch, dass diejenigen, die den Kopf in den Sand stecken, die wenigsten Chancen haben, diese schwierige Phase (ohne Verluste) zu überstehen. Schließlich kommt dies einer Selbstaufgabe gleich. Doch es macht sich auch ein anderes Phänomen unter Managern breit: Verdrängung. Wer einfach so weitermacht, die auftretenden Schwierigkeiten ignoriert und auch in Sachen Digitalisierung jetzt nicht reagiert bzw. sein Unternehmen nicht an die neuen Begebenheiten anpasst, hat ebenfalls schlechte Karten, die Krise gut zu bewältigen. Gefragt sind Lösungen in Form neuer Arbeits-, eventuell auch neuer Geschäftsmodelle. Prozesse müssen entsprechend umgestaltet und so manches – eingesetzte Tools, neue Arbeitsweisen et cetera – schlicht ausprobiert werden. Dabei zeigt sich spätestens jetzt, wer unter den Unternehmern das richtige Mindset hat. Denn Erfolg beginnt im Kopf; es kommt auf die richtige Haltung, Einstellung und Denkweise an. Im Vorteil sind jene Unternehmer, die die Krise als Chance zur Weiterentwicklung sehen, anstatt zu denken, dass man die Krisenzeit „durchstehen“ muss, um danach quasi wieder zur Tagesordnung übergehen zu können.

Wachstumsorientiert statt starr

Dass Erfolg im Kopf beginnt, ist nicht nur ein Spruch, sondern wissenschaftlich erforscht. Die US-amerikanische Motivations- und Entwicklungspsychologin Carol Dweck beschäftigt sich schon seit Langem damit, wie Menschen mit Herausforderungen umgehen bzw. wie ihre generelle Haltung dazu ist. Sie unterscheidet dabei zwei Formen von Mindset: das Growth Mindset und das Fixed Mindset. Demzufolge sind Menschen mit einem Growth Mindset wachstumsorientiert und dynamisch, Menschen mit einem Fixed Mindset hingegen sind eher unflexibel und starr. Letztere halten tendenziell am Althergebrachten fest. Die Angst, zu versagen, hindert sie daran, Herausforderungen anzunehmen und Risiken einzugehen. Menschen mit einem Growth Mindset indes betrachten Herausforderungen eher als Chance zur Weiterentwicklung. Sie haben die Einstellung, dass man stets dazulernen und sich verbessern kann. Und das wiederum führt laut Dweck nicht nur zu einem deutlich geringeren Stresslevel in herausfordernden Zeiten, sondern auch zu mehr Erfolg. Die Professorin der Stanford University konnte dies mit unzähligen Experimenten und Studien belegen. Für die Zielgruppe Manager hat sie dabei u.a. herausgefunden, dass Manager mit einer wachstumsorientierten Haltung Unternehmen, denen es wirtschaftlich schlecht ging, wieder nach oben gebracht haben. Das heißt: Als Unternehmer ist es enorm wichtig, auf das eigene Mindset zu achten: Lässt es mich wachsen? Oder ist mein Mindset zu starr, sodass ich mich mit meiner Denkweise selbst beschränke?

Zukunftsmut gefragt

„Wenn Unternehmen das Neue mit dem alten Denken vorantreiben, können sie nur scheitern“, sagt die Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert, Autorin des Buches „Das agile Mindset“. Ihrer Meinung nach – und das ist auch die Ansicht zahlreicher anderer Experten für die neue Arbeitswelt – sind viele Manager noch in der alten Arbeitswelt verhaftet, in der es darum geht, Prozesse zu optimieren und Fehler zu vermeiden. Die neue Arbeitswelt jedoch ist zunehmend digital und agil – da sind Experimentierfreude und Fehlertoleranz gefragt. Der Wirtschaftspsychologe und Vortragsreferent Dr. Carl Naughton verweist zudem auf die Metakompetenz Zukunftsmut. „Menschen mit dem richtigen Mindset denken in verschiedenen Zukunftsalternativen, anstatt nur darauf zu hoffen, dass morgen einfach ein bisschen besser wird als heute“, sagt er. Jede Neuordnung wie die der Digitalisierung, die nun aufgrund der Krise noch schneller voranschreite, brauche grundsätzlich Zukunftsmut. Was Naughton damit meint, ist ein Set an Wahrnehmungen und Überzeugungen, bestehend aus Zuversicht, Selbstwirksamkeit, Widerstandskraft und Optimismus. „Dabei geht es nicht um eine Gute-Laune-Attacke à la ,Augen zu und durch‘, wir schaffen das schon. Gemeint ist ein flexibler, realistischer Optimismus: Man blickt zuversichtlich in die Zukunft und glaubt an seinen Erfolg“, erläutert Naughton. Die Zuversicht gründe dabei auf der Überzeugung, dass es nicht nur einen Weg zum Ziel gibt, sondern immer mehrere. Aber: „Wer neue Wege geht, kann sich auch schon mal den Zeh, das Knie oder den Kopf stoßen“, führt Naughton aus. „Mit der nötigen Widerstandskraft ist es möglich, sich schnell und erfolgreich von solchen Misserfolgen, Widrigkeiten, Unsicherheiten oder Konflikten zu erholen. Sie führt zu einer Art Steh-auf-Effekt und lässt uns auch Anspannungssituationen länger durchhalten mit kreativeren Ergebnissen.“ Und schließlich müssen wir laut dem Experten für Zukunftsmut davon überzeugt sein, unser Können auch einsetzen zu können. „Wer sich hier hoch einschätzt, setzt auch die notwendigen Schritte, um erfolgreich zu sein“, weiß Naughton.

Reflektieren Sie!

Der Wirtschaftspsychologe bezeichnet Zukunftsmut auch als psychologisches Kapital. In eigenen Studien hat er festgestellt, dass Menschen, die damit gut ausgestattet sind, eine höhere „Change Readiness“ haben und somit bereit sind, mit Veränderungen umzugehen. Doch was, wenn die Veränderungsbereitschaft nicht übermäßig stark ausgeprägt ist? Für Svenja Hofert ist die Reflexion von Grundannahmen im Umgang mit Veränderungen wichtig: Unternehmer sollten sich fragen bzw. hinterfragen sowie infrage stellen, was sie leitet, was ihre Werte sind. „Wer über Grundannahmen reflektiert, wird sich deren richtig bewusst – und genau darin liegt eine Chance“, so Hofert. Denn das sei der Anfang, das eigene Mindset zu verändern. Petra Walther | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 04/2020