Wirtschaftsförderung Arnsberg: „Das Kaiserhaus als digitaler Nährboden für Start-ups“

Coworking für Start-ups in Arnsberg-Neheim.
„Coworking Space Kaiserhaus: Workspace“
„Coworking Space Kaiserhaus: Workspace“
Der Coworking Space im Arnsberg-Neheimer Kaiserhaus bietet mietbare Arbeitsplätze für Start-ups und KMUs. Der im Zuge des Förderprojektes „Digitale Wirtschaft Südwestfalen“ (kurz: #dwswf ) entstandene Raum bringt Jungunternehmer mit mittelständischen Unternehmen zusammen und bietet zudem Unterstützungsangebote in Form von Coachings, Events und vielem mehr. Zur Förderung von Start-ups hier Projektmanagerin Nadine Hyna im Interview.

SWM: Die Idee hinter dem Coworking Space ist die Vernetzung des Mittelstands mit Start-ups. Die Idee ist gut, aber wie kommen die Start-ups nun konkret mit dem Mittelstand in Verbindung?

Nadine Hyna: Ganz einfach über die Kommunikation! Unser Coworking Space ist ein dynamischer Raum, in dem viele Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen aufeinandertreffen. Wir bieten den Coworkern einen kommunikativen Ort, an dem sie sich kontinuierlich austauschen können. Neben der Mietung eines modernen Arbeitsplatzes darf die morgendliche Kaffeerunde natürlich nicht fehlen. Sie kennen bestimmt diese kleinen Pläuschen in der Küche? Die sind enorm wichtig und sollten nicht unterschätzt werden. Dabei findet immer wieder ein Know-how-Transfer zwischen den Start-ups und Mietern aus regionalen KMUs statt. Genau das ist das Ziel von #dwswf. In regelmäßigen Abständen fördern wir den Austausch z.B. durch Start-up-Breakfasts. Gemeinsam legen wir ein Thema fest, zudem der Austausch stattfinden soll. Die Coworker stehen für ein unterstützendes Community-Network. Dabei entstehen häufig spannende neue Lösungswege oder Kooperationen zwischen unseren Coworkern. Zudem liegen wir mit unserer Coworking Location mitten im Kaiserhaus. Das Kaiserhaus selbst bietet mit den zahlreich ansässigen Unternehmen einen extrem guten digitalen Nährboden für Start-ups. Schon alleine auf „unserem“ Flur befinden sich sechs Unternehmer, die regelmäßig bei uns auf einen Kaffee hereinschauen und sich mit unseren Coworkern vernetzen.

SWM: Welche Branchen sind aktuell im Coworking Space vertreten?

Nadine Hyna: Das variiert tatsächlich. Die Bandbreite ist sehr vielfältig, allen gemein ist der digitale Aspekt.

SWM: Sie bieten auch regelmäßig Veranstaltungen an. In der Vergangenheit ging es dabei u.a. um Digitalisierung und um Maschinenbau. Warum gerade diese Themen?

Nadine Hyna: Ja, richtig. Wir legen bei jeder VA einen Fokus. Der Fokus sorgt für eine interessierte Besuchergruppe mit beruflichem Bezug zu dem jeweiligen Thema. Auf unseren VA bilden wir Fokusgruppen und haben die richtigen Ansprechpartner direkt vor Ort. Das ist wichtig, um Start-ups, wie hier z.B. aus dem Bereich Maschinenbau, direkt mit den Unternehmen zusammenzubringen. Neben Maschinenbau gab es auch Schwerpunkte wie „Human Resources“ oder „Digitales Marketing“. Events stellen für Unternehmer und Start-ups einen zeitlichen Aufwand dar. Dieser Aufwand muss sich daher für beide Seiten lohnen. Uns ist klar, dass die Start-ups sich auf einen perfekten Pitch vorbereiten müssen. Der formelle Teil der VA geht immer über in einen Netzwerkpart. Wenn es hier dann um Fragen geht, die wirklich in die Tiefe gehen, ist es enorm wichtig, mit dem richtigen Ansprechpartner in Kontakt zu treten. Bei den themenfokussierten Events können wir feststellen, dass wir viele Besuchertandems, bestehend aus Geschäftsführung und Leitung der diversen Abteilungen, direkt im Haus hatten. So haben wir gleich zwei Entscheider vor Ort.

SWM: Welche Anfragen lehnen Sie ab? Gerade im Dienstleistungssektor gibt es sicherlich One-Man-Shows, die eigentlich ein Ladenlokal haben müssten, sich dafür aber die teure Miete sparen wollen …

Nadine Hyna: In einem ersten Gespräch stellen sich schnell die Interessen der Coworker heraus. Wir freuen uns über jeden Zuwachs. Das Kaiserhaus, in dem wir uns befinden, ist nicht nur ein Bürogebäude. Mit seinem flexiblen Raumkonzept, ausgestattet mit modernster Kommunikations-, Media-, Netzwerk- und Veranstaltungstechnik auf Glasfaserbasis, ist es neben einer Tagungs- und Kongressstätte auch ein Zentrum für Aus- und Weiterbildung in der Region und somit eine beliebte Adresse für Unternehmen. Viele Anfragen beziehen sich rein auf die Anmietung einer Geschäftsadresse, die muss ich in dem Fall leider ablehnen.

SWM: Der Coworking Space sieht so aus, dass – abgesehen vom Meetingraum – eine offene Arbeitsatmosphäre herrscht. Das sorgt für Austausch, aber man wird eben auch „belauscht“. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht bei jedem gut ankommt, Einzelbüros wären da für den ein oder anderen sicher attraktiver. Warum hat man sich gerade für diese Variante entschieden?

Nadine Hyna: Gerade das offene Konzept und die Küche als zentraler Mittelpunkt unterstützen den Austausch und das Miteinander unserer Coworker. Unsere Einzelnischen bieten jedoch mehr Raum für Privatsphäre. Innerhalb der Coworking Community gibt es wie in jedem anderen Büro auch Regeln, die auf gegenseitige Rücksichtnahme beruhen. Zum Telefonieren wird gerne auch der Meetingraum genutzt. Der Raum ist schallgeschützt und niemand würde etwas von dem Telefonat oder Meeting mitbekommen. Alle Interessenten haben die Möglichkeit, ein oder zwei Tage „Probe zu sitzen“ und sich mit der Situation vertraut zu machen. Wir sind oft selbst überrascht, wie schnell die vorherigen Vorstellungen über Bord geworfen werden. Und sollte doch jemand ein sehr lautes Organ haben, wird der Platz spaßeshalber wie ein Callcenter umgebaut (lächelt). Spaß bei der Arbeit sollte es schon geben, oder? Vielleicht erkennt sich dieser Coworker in diesem Artikel wieder (lacht). Selbstverständlich haben die Coworker die Möglichkeit, im Kaiserhaus einen separaten Tagungsraum zu mieten, um eventuell vertraulichere Dinge dort zu entwickeln.

SWM: Welche weiteren Maßnahmen sind geplant, um das Angebot noch attraktiver zu gestalten?

Nadine Hyna: Über Feedback und Kritik freuen wir uns. Davon profitieren alle. In stetigem Austausch mit unseren Coworkern liegen die Bedürfnisse auf der Hand und man kann gezielt darauf eingehen. In Bezug auf das gesamte Projekt „Digitale Wirtschaft Südwestfalen“ kann die Region weiterhin spannende und unkonventionelle Start-up-Events erwarten. Wir freuen uns darauf!


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Ausgabe 03/2020