Unternehmer fordern Augenmaß

„Lockdown light“? Fast zwei Drittel der vom REGIO MANAGER befragten Unternehmer sind dagegen; fast alle befürchten zahlreiche Firmenpleiten.
Die betriebliche Altersversorgung kann unterschiedlich umgesetzt werden (Foto: © Kurt Kleemann – stock.adobe.com)
Die betriebliche Altersversorgung kann unterschiedlich umgesetzt werden (Foto: © Kurt Kleemann – stock.adobe.com)
64,4 Prozent der befragten Leser des REGIO MANAGER, sind gegen die weitgehende Stilllegung des Landes. Den stärksten Zuspruch findet dagegen der Ansatz der Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit (42,2 Prozent). Sie fordern, den Erfahrungsgewinn im Umgang mit der COVID-19-Krise stärker zu berücksichtigen, wollen weg von der Verbots- und hin zu einer Gebotskultur und sind u.a. gegen die Pandemie-Eindämmung nur durch Kontaktpersonennachverfolgung. Der Fokus müsse auf dem Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen liegen. 22,2 Prozent Zustimmung gab es für den Ansatz „Das Virus ist nicht schlimmer als eine gewöhnliche Grippe. Sofort alle Maßnahmen beenden“, für den vor allem der SPD-Politiker und Arzt Wolfgang Wodarg und der Infektionsepidemiologe Sucharit Bhakdi stehen. Die Linie der Bundesregierung und des Virologen Christian Drosten („Merkel/Drosten“), die zum derzeitigen Lockdown light führte, erhielt nur 35,6 Prozent Zuspruch. Eine enorme Mehrheit befürchtet in unserem Voting eine Pleitewelle. Aus den eingegangenen Kommentaren spricht Kritik an der Bundesregierung. Bernd Schmitz fragt sich, ob sie die Maßnahmen zum Schutz von Risikogruppen mit den einhergehenden volkswirtschaftlichen Nachteilen und der Bedrohung von Existenzen vernünftig abgewogen hat. „Auf den ersten Blick fehlt hier das Augenmaß.“ „Augenmaß“ vermisst auch Meinolf Thies (Consulthies GmbH): „Wo bleiben die Sanktionen z.B. nach illegal durchgeführten Riesenhochzeiten?“ Für den Stuckateur-Sachverständigen Jörg Ottemeier sind die Risiken nicht die „Leute, die ins Restaurant gehen oder in die Geschäfte, sondern die ungehemmten Partys und die Unbelehrbaren – auch die Jugendlichen, die vor den weiterführenden Schulen stehen, da war keinerlei Abstand oder Schutz. Somit sind die Masken im Unterricht ebenso Quatsch, wenn sich niemand vorher oder nachher daran hält.“ Zahlreiche Zuschriften sind gegen die erneute Schließung von Hotels und Gaststätten. Diese Branchen hätten enorm investiert in Schutzmaßnahmen „und werden wieder mal vor den Kopf gestoßen – aber Friseure sind systemrelevant“, schreibt Bernd Kischel (Lippetaler Zauntechnik). Michael Becker (Becker Solingen) findet, dass die Bundesregierung „wirklich vieles richtig gemacht“ hat. Jetzt aber gehe es darum, „dass wir alle die Menschen mitnehmen und unterstützen, auch mit Zielen und Perspektiven“. Wichtig sei, Fördermittel vor Missbrauch zu schützen. Sie sollten nicht an Unternehmen gehen, „die seit Jahren ihre Hauptsteuerlast nicht in Deutschland bezahlen“, findet Tischlermeister Uwe Kühne, sondern an die, „die hier mit kleinen und mittelständischen Unternehmen jedes Mal wieder die Karre aus dem Dreck ziehen“. Vielleicht werden in einem halben Jahr alle diesem Post zustimmen können: „Das Virus wird nicht mehr verschwinden, wir müssen lernen, damit zu leben. Aber das geht nur, wenn das Leben möglichst normal weitergeht.“ Claass Möller | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 05/2020