Architekten in Ostwestfalen-Lippe

„Jeder junge Mensch hat das Recht, in die arbeitende Gesellschaft aufgenommen zu werden“

Auszubilden gehört für Stefan Bolzenius zur Verantwortung als Unternehmer. Der 54-Jährige ist Inhaber des Büros Bolzenius - Team für Architektur. Mit 28 Mitarbeitenden ist es eines der größten Architekturbüros in Ostwestfalen-Lippe. Seit 2008 finden dort junge Menschen den Einstieg ins Berufsleben, einer von ihnen ist der angehende Bauzeichner Lasse Meyer (21).

Das Team

Regio Manager: Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Hochschulstudium statt für eine Ausbildung. Im Wintersemester 2022/2023 haben 400.000 mit einem Studium begonnen, nur rund 270.000 mit einer Ausbildung. Bei dir ist das anders, Lasse: Du hast Abitur, hättest also studieren können, und dich dennoch für eine Ausbildung entschieden. Warum?


Lasse Meyer: Ich hatte schon überlegt zu studieren, weil es irgendwie der logische Schritt nach dem Abitur ist. Architektur hatte ich im Sinn, war mir aber unsicher. Also habe ich mich für eine Ausbildung entschieden, um was Festes in der Hand zu haben und mir darüber klar zu werden, was ich später beruflich machen will. Inzwischen kann ich sagen: Das war die richtige Entscheidung. Die Ausbildung ist eine gute Basis, und ich kann ja immer noch studieren.


RM: Viele Betriebe haben Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Im September 2022 blieben rund 69.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Wie ist das bei euch, Stefan, findet ihr genug Azubis?


Stefan Bolzenius: Wir hatten das Glück, dass wir bisher immer entsprechende Anfragen für Ausbildungsstellen bekommen haben. Wir bilden Bauzeichner:innen und Kaufleute für Büromanagement aus – und zwar kontinuierlich seit 2008. Auch jetzt haben wir wieder zwei Auszubildende. Das ist die maximale Zahl, die wir entsprechend unserer Ansprüche betreuen können.


RM: Warum bildet ihr aus?


Stefan Bolzenius: Weil es für uns eine Verantwortung ist den folgenden Generationen gegenüber. Jeder junge Mensch hat das Recht, in die arbeitende Gesellschaft aufgenommen zu werden. Und wer die Schule abgeschlossen hat, muss auch die Möglichkeit haben, einen Beruf zu ergreifen, der eine Ausbildung voraussetzt. Dafür sind wir in Deutschland mit dem dualen Ausbildungssystem hervorragend aufgestellt.


Wir brauchen die Fachkräfte – und Fachkräfte sind nicht nur studierte Fachkräfte. Nur so funktioniert das System: wenn Hand in Hand, Zahnrad in Zahnrad gearbeitet wird. Sonst gerät die ganze Maschine ins Stocken. Dementsprechend müssen wir in die Ausbildung der nachfolgenden Generation investieren, auch wenn das in den Arbeitsabläufen Mehraufwand bedeutet, vor allem für die, die im Unternehmen die Ausbildungsverantwortung übernehmen. Aber seien wir ehrlich: Diesen „Aufwand“ gibt es bei jedem, der neu ins Team kommt. Dem Team tut es in jedem Fall gut, auszubilden und junge Leute hinzuzuholen: Es sorgt für frischen Wind und bereichert die ganze Teamkonstellation.


RM: Wie läuft die Ausbildung bei Bolzenius ab?


Stefan Bolzenius: Wir haben ganz klare Abläufe. Zwei Mitarbeiterinnen, eine Architektin und eine Bauzeichnerin, haben bei uns die Ausbildungsverantwortung für die Bauzeichner übernommen, im Büromanagement-Team zwei Kolleginnen für die Kaufleute. Sie kümmern sich um die Auszubildenden und sitzen unmittelbar mit ihnen zusammen. So haben die Azubis vom ersten bis zum letzten Tag ihrer Ausbildung klare Ansprechpartner.


Unser Ziel ist es, unsere Auszubildenden möglichst früh in das Tagesgeschäft und die Projektbearbeitung mit einzubinden – zunächst mit kleineren Aufgaben, die dann größer werden und immer eigenverantwortlicher. Das geht mal schneller, mal langsamer, je nachdem, wie die Auszubildenden auch in der Schule vorankommen. Wir betreuen, fordern und fördern ganz individuell.

Wichtig ist uns, dass beispielsweise jeder Auszubildende zum Bauzeichner nach seiner Ausbildung in der Lage ist, einen kleineren Bauantrag selbstständig zu bearbeiten mit allem, was dazugehört an Anlagen, Berechnungen und Formularen.


RM: Steht dieser Ablauf fest oder verändert er sich kontinuierlich?


Stefan Bolzenius: Erst mal steht er fest. Aber natürlich wird immer wieder nachjustiert. Es ist ein Prozess, der sich entwickelt hat, seitdem wir begonnen haben, auszubilden. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, hat sich 2016 gezeigt, als einer unserer Auszubildenden zum Bauzeichner als Bester seines Jahrgangs in NRW abschnitt. Das hat man nicht immer. Und natürlich erwarten wir auch nicht, immer die Besten zu haben. Aber wenn einer unserer Auszubildenden richtig Gas geben und die Latte überspringen möchte, dann unterstützen wir ihn selbstverständlich.


RM: Was ist euch besonders wichtig bei der Ausbildung, Stefan?


Stefan Bolzenius: Am wichtigsten ist es uns, den Auszubildenden eine gute fachliche Basis mit auf den Weg zu geben. Damit sie mit ihrer bestandenen Ausbildung in der Lage sind, auch in anderen Betrieben zu arbeiten. Wir möchten, dass unsere Azubis nach ihrer Ausbildung in ihrem Beruf sattelfest sind und Geld verdienen können. Darauf hat jeder das Recht: mit einer abgeschlossenen Ausbildung seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Was wir den Auszubildenden darüber hinaus mitgeben möchten, ist das Miteinander. Wir möchten ihnen das Selbstbewusstsein vermitteln, Verantwortung zu übernehmen, und die Sicherheit, sich aufeinander verlassen zu können. Keiner steht mit seinen Aufgaben und Problemen alleine da. Im Team gibt es immer Ansprechpartner, mit denen man in allen Bereichen und Belangen gemeinsam entsprechende Lösungen findet.


RM: Du hast dein zweites Lehrjahr inzwischen fast beendet, Lasse. Was nimmst du persönlich für dich mit aus dieser Zeit, abgesehen vom Fachwissen?


Lasse Meyer: Ich habe gelernt, wie es ist, im Team zu arbeiten. Auch in der Schule haben wir Gruppenarbeiten gemacht, aber hier ist das was anderes. Hier arbeite ich mit Leuten zusammen, von denen ich einiges lernen kann. Dann habe ich den Arbeitsalltag kennengelernt, wie es ist, den ganzen Tag zu arbeiten in einer 40-Stunden-Woche. Das war schon eine Umstellung. Vor allem aber habe ich gelernt, Verantwortung zu tragen.
Das finde ich wichtig.

Bolzenius | Team für Architektur

Uthofstr. 40
33442 Herzebrock-Clarholz

05245 92988880

05245 92988888

Ein Porträt des Unternehmens und weitere Informationen zu Bolzenius | Team für Architektur finden Sie HIER

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Fotostrecke

Stefan Bolzenius und Lasse Meyer

Simonswerk V.Battré

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