Rhein-Kreis Neuss: Vorreiter in der strukturellen Transformation

Wie der seit Jahren wirtschaftsstärkste Kreis in NRW den eigenen Transformationsprozess derzeit selbst in die Hand nimmt, hat er bereits im Titelporträt der letzten NIEDERRHEIN MANAGER-Ausgabe gezeigt. Nun präsentiert er im Detail konkrete Projekte, mit denen dieser Wandel erfolgreich gelingt.
Hans-Jürgen Petrauschke,  Landrat des Rhein-Kreises Neuss (Foto: Jochen Rolfes)
Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreises Neuss (Foto: Jochen Rolfes)
Seit Veröffentlichung des letzten Porträts hat sich politisch einiges getan, was diesen Transformationsprozess noch konkreter werden lässt: Mitte Januar 2020 haben sich der Bund und die vom Kohleausstieg betroffenen Bundesländer nach langer Diskussion auf einen „Fahrplan“ für die Stilllegung von Kohlekraftwerken geeinigt. So soll bereits Ende 2022 – neben dem Kraftwerk Frimmersdorf – auch das Kraftwerk in Neurath stillgelegt werden. Nur noch die beiden sogenannten BoA-Blöcke in Neurath sollen dann weiter Strom produzieren, voraussichtlich bis 2038. „Dieser konkrete Ausstiegsfahrplan bringt weiteren Handlungsbedarf zur aktiven Gestaltung des Strukturwandels im Rheinischen Braunkohlerevier und insbesondere auch im Rhein-Kreis Neuss mit sich“, stellt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke fest. Um diesen Strukturwandel proaktiv zu gestalten, hat der Kreistag des Rhein-Kreises Neuss eine fundierte Strategie mit zahlreichen innovativen Maßnahmen für die zukünftige Arbeit beschlossen. Eine Auswahl dieser spannenden Maßnahmen, von denen wir einige im Titelporträt der letzten Ausgabe bereits angeteasert haben, wollen wir Ihnen nun im Detail vorstellen.

ALU-Valley 4.0 Rheinisches Revier: Gemeinsam einen wichtigen Werkstoff zukunftsfähig machen

Das innovative Projekt „ALU Valley 4.0 Rheinisches Revier“ wird vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Bundesmodellvorhabens „Unternehmen Revier“ gefördert. „Dieses Projekt ist der Startschuss einer themenorientierten dauerhaften Vernetzung von Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, öffentlichen Einrichtungen sowie der Politik, mit dem Ziel, ein neues Innovations- und Anwendungszentrum für den energieeffizienten Einsatz des Werkstoffes Aluminium im Rheinischen Revier aufzubauen“, erklärt Marcus Temburg, Leiter der Stabstelle Strukturwandel beim Rhein-Kreis Neuss. In der ersten Projektphase baut man derzeit einen Netzwerkverbund und eine dafür tragfähige Struktur auf. Langfristig geplant ist ein Standort im Rhein-Kreis Neuss, der eine Kombination aus Forschungscampus, Lehr-, Ausbildungs- und Gründerzentrum sowie Produktionsstandort darstellt. Hier sollen neue Wertschöpfungsmodelle mit neuen Produkten aus Kunden- und Anwendersicht rund um den Werkstoff Aluminium entstehen. „Mit ALU-Valley 4.0 Rheinisches Revier werden wir einen Beitrag zur Stärkung des gesamten Rheinischen Reviers als Zukunftsstandort und somit zur Bewältigung des Strukturwandels leisten“, führt Marcus Temburg weiter aus.

Campus Changeneering: Anwendungsorientiert vernetzen, forschen und weiterbilden an einem Ort

Nicht minder zukunftsweisend ist die Projektidee „Campus Changeneering“. Auf diesem Campus sollen für die Sektoren Metall, Chemie und Gesundheit Menschen aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenarbeiten und anwendungsorientiert vernetzt werden. Das ist aber bei Weitem nicht alles: Dieser innovative Ort ist ebenso als wichtige Maßnahme im Kampf gegen den Fachkräftemangel konzipiert. „Auf dem Campus werden auch entsprechende Hochschul- und Forschungsinstitute angesiedelt sein. Im Zuge des Strukturwandels frei gewordene Fachkräfte bei RWE können hier für die Bereiche Chemie und Metall sowie Gesundheitswirtschaft umgeschult werden. Dadurch bekommen sie wichtige Anschlussperspektiven“, erläutert Marcus Temburg. Damit „Campus Changeneering“ Wirklichkeit wird, schreibt man in Kürze eine Konzeptstudie aus. Im Abschlussbericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (WSB) ist das Projekt bereits aufgeführt und Fördermöglichkeiten werden derzeit eruiert.

Verkehrsinfrastruktur verbessern: Aufbau eines S-Bahn-Netzes im Rheinischen Revier

Eine erfolgreiche Transformation im Rhein-Kreis Neuss benötigt als Basis eine einwandfrei funktionierende Infrastruktur. Diese umfasst nicht nur ein flächendeckendes, schnelles Breitband-Internet und bestmöglichen Mobilfunkstandard, sondern auch eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur in der Region und im gesamten Land. Insbesondere im Schienenverkehr können noch große Potenziale genutzt werden: „Hierbei geht es nicht nur um die Ertüchtigung und Aktivierung bereits bestehender Schienenstrecken, sondern auch um den Neubau sinnvoller, landesweit bedeutsamer Schienenstrecken, sowohl für den Personennahverkehr als auch für den Güterverkehr“, veranschaulicht Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Auch hier ist der Rhein-Kreis Neuss sehr aktiv: Für den gelingenden Strukturwandel sieht Petrauschke eine durchgehende Schienenverbindung von Düsseldorf über Neuss und Grevenbroich nach Aachen als zielführend. Auch die Potenziale des Güterverkehrs, beispielsweise Warenströme aus den niederländischen und belgischen Nordseehäfen, sollen berücksichtigt werden. Zur Umsetzung dieses Großprojekts sind viele verschiedene Partner für einen regionalen Konsens notwendig. Dementsprechend haben die Entscheidungsträger im Rhein-Kreis Neuss bereits zahlreiche Gespräche in der Region mit Vertretern von Gebietskörperschaften, Verkehrsverbünden und Verkehrsträgern geführt. „Der Projektvorschlag wurde in der Region positiv aufgenommen. Derzeit bereiten wir die nächsten Schritte zur Erstellung der notwendigen Machbarkeitsstudie vor“, so der Landrat. Die Verantwortlichen im Rhein-Kreis Neuss gestalten einerseits die Rahmenbedingungen dafür, dass der räumliche Strukturwandel in der Region erfolgreich gelingt. Andererseits sind sie sich zugleich dessen bewusst, dass der räumliche Transformationsprozess eng mit dem digitalen Wandel verknüpft ist. Den räumlichen Strukturwandel zu bewältigen, bedeutet also auch, die Digitalisierung aktiv voranzutreiben. Diesen Prozess hat die Wirtschaftsförderung im Rhein-Kreis Neuss mit dem Abschluss der Digitalisierungsstrategie im Jahr 2018 in die Hand genommen. Aus dieser wurden bereits konkrete Maßnahmen initiiert, um den Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss Unterstützung bei der digitalen Transformation zu bieten. In der nächsten Ausgabe des NIEDERRHEIN MANAGER werden einige Projekte vorgestellt, die die digitale Transformation, die Schaffung eines Gründerökosystems sowie das Thema Innovationsförderung zum Gegenstand haben. Thomas Corrinth | redaktion@regiomanger.de

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Ausgabe 01/2020

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