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IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, IHK-Präsident Felix G. Hensel. Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Diplom-Ingenieur Jörg Dienenthal, Vorsitzender der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, und Geschäftsführer Dr. Thorsten Doublet (v.l.)

Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein

Tour d’Horizon

Raffelhüschen-Vortrag vor Siegener Unternehmerschaft



Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Professor für Finanzwissenschaft, war auf Einladung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein und der IHK Siegen ins Haus der Siegerländer Wirtschaft gekommen. Sein Thema vor rund 150 Zuhörern: „Demographie, Wirtschaft und Soziales – eine Tour d´Horizon“. „Unsere Gesellschaft altert. Diese Entwicklung geschieht nicht in der Zukunft, sie ist heute schon da“, erläuterte Professor Raffelhüschen, der sich auch als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) engagiert. Immer mehr Rentner müssten von immer weniger Beitragszahlern immer länger finanziert werden. Die Politik ignoriere dieses Problem weitgehend und verlasse sich darauf, dass die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auch weiterhin positiv verlaufe. Dabei sei das sehr unwahrscheinlich. Nach seiner Analyse sei die derzeitige Rente durchaus gerecht, denn sie basiere auf dem Lebensleistungsprinzip und sei generationengerecht: „Die Reformen, die die Große Koalition jetzt auf den Weg bringen will, werden dieses System jedoch grundlegend verändern und zu erheblichen Problemen für unsere Kinder führen.“ Auch das Thema Altersarmut sei völlig überzeichnet. Die Wahrscheinlichkeit, als Rentner im Alter unter die Armutsgrenze zu fallen, liege gerade einmal bei drei Prozent, in Ostdeutschland sogar nur bei 1,5 Prozent. „Allerdings müssen wir uns darauf einstellen, in Zukunft länger zu arbeiten, möglicherweise sogar bis 70. Gleichzeitig müssen wir neben der gesetzlichen Rente als Basisversorgung eine zusätzliche finanzielle Absicherung aufbauen.“ Fünf bis sieben Prozent des persönlichen Einkommens seien notwendig, um später 70 Prozent des Lebensstandards zu erreichen.

Ausgabe 09/2018