Solartechnik: Die Sonne macht’s

2020 verspricht ein goldenes Jahr für die Solarbranche zu werden. Und weiteres Wachstum bei Photovoltaik, Solarthermie und Solarstromspeichern abzusehen.
(Foto: ©danielschoenen - stock.adobe.com)
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Im ersten Halbjahr 2020 wurde 20 Prozent mehr Photovoltaikleistung neu in Betrieb genommen als im Vorjahreszeitraum. „Statt einer Corona-Delle erleben wir eine Investitionswelle. Die verstärkte Klimadebatte der letzten Jahre, deutlich verbesserte Fördersätze und die im kommenden Jahr erwartete Einführung eines jährlich steigenden CO2-Preises auf fossile Brennstoffe zeigen Wirkung“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Auch der vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) erhobene Geschäftserwartungs-Index für die PV-Branche verdoppelte sich im zweiten Quartal 2020 gegenüber Jahresanfang. Das ist die stärkste Veränderung seit Einführung des Index vor 15 Jahren.

Solardeckel ist gefallen

„Der erfreuliche Sprung der Geschäftserwartung geht auf die Streichung des Solardeckels zurück“, sagt Carsten Körnig. Der „Solardeckel“, also die Begrenzung der Förderung auf ein installiertes Solar-Volumen von 52 Gigawatt, wäre noch 2020 erreicht worden, sprich: Neu installierte Anlagen hätten keine Förderung mehr erhalten. Für die Solarbranche wäre dies der Supergau gewesen. Der Solardeckel wurde jedoch durch Beschluss von Bundestag im Juni 2020 und Bundesrat im Juli 2020 gekippt.

Boom bei Solarheizungen

Neben der Stromerzeugung durch Sonnenenergie nimmt inzwischen auch das Thema Solarthermie – also Heizwärme durch Sonne – deutlich an Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2020 sind 26.991 Solarthermie-Förderanträge gestellt worden, das sind über 200 Prozent mehr als im Vorjahr. Hintergrund sind die Anfang 2020 deutlich verbesserten Konditionen des Förderprogramms „Heizen mit Erneuerbaren Energien“, welches die Anlagen mit bis zu 35 Prozent – beim Austausch einer Ölheizung sogar mit bis zu 45 Prozent – bezuschusst. Immerhin 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland benutzen Solarthermie bereits.

Erzeugerkosten sinken

Für die kommenden Jahre rechnet der Verband mit einem weiteren Boom der Photovoltaik, da zum einen die Erzeugung von Solarstrom (zumindest im Kraftwerksmaßstab) bei durchschnittlichen Erzeugungskosten von nur fünf Cent je Kilowattstunde inzwischen auf der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit steht. Zum anderen werde die Einführung von Mindestpreisen für die CO2-Emission die Stromerzeugung durch Kohle und Gas erheblich verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit der Photovoltaik-anlagen somit nochmals verbessert. Eine förderfreie Errichtung von Photovoltaik-anlagen rücke somit in greifbare Nähe, so der BSW.

Beitrag zur Stromversorgung

Schon heute liefern die 1,8 Millionen installierten Photovoltaikanlagen mit 49 Gigawatt Nennleistung einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung in Deutschland. 2019 deckten sie immerhin 8,2 Prozent des Brutto-Stromverbrauchs in Deutschland, alle Erneuerbaren Energien kamen zusammen auf 43 Prozent. An sonnigen Tagen kann stundenweise bereits 50 Prozent des Stromverbrauchs durch Sonnenenergie gedeckt werden. Anhand der Differenz von durchschnittlichem Beitrag und Beitrag an Sonnentagen erkennt man sehr deutlich die Notwendigkeit der Speicherung von Solarstrom.

Mehr Solarstromspeicher notwendig

Ein weiterer Schlüssel für den Erfolg der Photovoltaik ist daher die Speicherung des in den Sonnenstunden gewonnenen Solarstroms für sonnenarme Stunden. Auch hier purzeln die Preise: Die Preise für Solarspeicher haben sich in den letzten Jahren mehr als halbiert. Gleichzeitig hat sich die Zahl der in Deutschland installierten Solarstromspeicher innerhalb von nur zwei Jahren auf 200.000 verdoppelt. „Immer mehr Bürger und Unternehmen wollen möglichst große Anteile ihres Strombedarfs mit Hilfe der Photovoltaik klimafreundlich und preiswert selbst erzeugen. Bei neuen Solardächern gehört die Installation einer Solarbatterie inzwischen deshalb meist dazu“, freut sich BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Der Trend geht klar zu Solar-Sorglos-Paketen, bestehend aus einer Solaranlage auf dem Dach, einem Solarspeicher im Keller und einer Solartankstelle vor der Haustür“. Obwohl bereits 1,8 Gigawattstunden installiert seien, bedürfe es einer Verzehnfachung dieses Werts, um die Erzeugungsschwankungen auch zukünftig ausgleichen zu können.

Ausbauziele

Das Ausbautempo der Photovoltaik müsse kurzfristig verdreifacht werden, um die Klimaziele zu erreichen, so der Verband. Gemeinsam mit deutlich mehr Speichern und grünem Wasserstoff könne der beschlossene Atom- und Kohleausstieg kompensiert werden. „Die niedrigen gesetzlichen Ausbaukorridore für die Solartechnik sind nicht mehr zeitgemäß. Sie wurden seit zehn Jahren nicht angehoben. Sie müssen schnellstmöglich einem absehbar deutlich wachsenden Strombedarf, verschärften Klimazielen und dem Atom- und Kohleausstieg Rechnung tragen“, so Körnig. Übrigens: 2019 war das bislang stärkste Wachstumsjahr für Solarenergie in Europa, so eine Marktanalyse von SolarPower Europe seit 2010. Demnach wurden zusätzliche Anlagen mit einer Leistung von 16,7 GW installiert – eine Steigerung von 108 Prozent gegenüber 2018. Somit wurde im PV-Bereich mehr Leistung installiert als in allen anderen Bereichen der Stromerzeugung. Dr. Maximilian Lange | redaktion@regiomanager.de

INFO

So funktioniert die Förderung von Solarheizungen
Bei der Beheizung von Neubauten ist der Einsatz erneuerbarer Energien seit einigen Jahren Pflicht. Bei der Installation einer Solarwärmeanlage in Bestandsgebäuden, die zuvor mit Öl oder Gas geheizt wurden, übernimmt der Staat seit dem 1. Januar 2020 bis zu 45 Prozent der Investitionskosten. Anträge müssen vor Auftragserteilung beim zuständigen Bundesamt BAFA gestellt werden. Alternativ kann eine steuerliche Förderung in Anspruch genommen werden, bei der die Steuerschuld entsprechend gekürzt wird. Ohne vorherigen Antrag oder eine Energieberatung erhält man so 20 Prozent der Investitionssumme für die neue Solarwärmeanlage vom Staat zurück. Der Fachbetrieb, der die Anlage installiert, stellt dafür eine Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt aus.

So funktioniert der Mieterstrom
Durch Mieterstrom können nicht nur Eigenheimbesitzer an der Kimawende partizipieren, sondern auch Mieter. Dabei wird der Strom mittels einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und an die Mieter geliefert. Anlagenbetreiber können sowohl Gebäudeeigentümerals auch Energieunternehmer oder andere spezialisierte Anbieter sein. Wer sich also als Vermieter für ein Mietstromangebot in einem Mehrfamilienhaus entscheidet, gibt sowohl sich selbst als auch den Mietparteien die Chance, konventionelle Stromkosten vom lokalen Versorger einzusparen, indem der Mieter den günstigeren Strom vom Dach bezieht.
Ausgabe 04/2020