Hochwasser: Absicherung gegen Elementarschäden für Unternehmen

Um finanzielle sowie rechtliche Risiken zu vermeiden, müssen sich Unternehmen ausreichend versichern. Was dabei oft in den Hintergrund rückt, ist eine Absicherung gegen Elementarschäden. Sie darf in ihrer Bedeutung jedoch nicht unterschätzt werden – vor allem im Zuge des Klimawandels.
Foto: © joyfotoliakid – stock.adobe.com
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Im unternehmerischen Alltag kann es zu Fehlern oder unerwarteten Herausforderungen kommen. Diese lassen sich niemals mit Sicherheit vermeiden, weshalb es wichtig ist, sich vorsorglich gegen ihre Folgen abzusichern. Aus diesem Grund brauchen Unternehmen in Deutschland gewisse Versicherungen, um sich vor Folgeschäden zu schützen. Das gilt für Solo-Selbständige ebenso wie für internationale Großkonzerne. Zu den wichtigsten Versicherungen für Unternehmen zählen gemeinhin die Betriebshaftpflichtversicherung, gegebenenfalls in Kombination mit einer Berufshaftpflichtversicherung. Ebenso kann eine Vermögens- oder Produkthaftpflichtversicherung empfehlenswert sein, je nach Art der Branche und Tätigkeit. Zusätzlich haben eine Vielzahl der Betriebe eine Rechtsschutz- sowie Betriebsunterbrechungsversicherung. Als weniger wichtig werden hingegen oft Sachversicherungen empfunden, die Schäden an Gegenständen im Betrieb abdecken. Dabei handelt es sich jedoch um einen Irrtum.

Sachversicherungen werden immer wichtiger

Unternehmen mit mindestens einem festen Standort, wo sich beispielsweise Bürogebäude oder Produktionshallen befinden, dürfen die Bedeutung von Sachversicherungen keinesfalls unterschätzen. Das gilt vor allem, wenn es sich um Eigentum handelt, sprich wenn sich das Grundstück und die Gebäude in Firmenbesitz befinden. Aber auch, wenn dem Unternehmen nur das Inventar gehört, beispielsweise die Maschinen oder die technische Ausstattung, können solche Versicherungen vor hohen Schäden schützen. Denn durch Brände, einen Diebstahl oder Unwetter kann ein Schaden oder Verlust am Eigentum entstehen – und mit ihm hohe Kosten. Eine solche Sachversicherung sollte daher gemäß dem eigenen Bedarf abgeschlossen werden. Allerdings sind dabei oft gewisse Schäden ausgeschlossen, die durch das Wirken der Natur verursacht wurden: die sogenannten Elementarschäden.

Elementarschäden in Zeiten des Klimawandels absichern

Solche Elementarschäden entstehen auf die eine oder andere Weise durch die Natur. Sie sind in vielen Versicherungen, beispielsweise in einer klassischen Hausratversicherung oder Gebäudeversicherung, ausgenommen. Dabei handelt es sich um Schäden durch Stürme, Erdbeben, Hagel, Lawinen, Vulkanausbrüche oder Überschwemmungen. Letztere werden oftmals unterschieden nach Art der Überschwemmung, ob sie beispielsweise durch große Regenmengen, durch Rohrbrüche oder durch über Ufer tretende Gewässer hervorgerufen werden. Einige dieser Szenarien sind manchmal in den Sachversicherungen inbegriffen – andere nicht. Wichtig ist deshalb, beim Versicherungsschutz genau hinzusehen und auch solche Elementarschäden vollständig abzusichern. Denn angesichts des Klimawandels nimmt das Risiko solcher Schäden stetig zu, wie einige Vorkommnisse der vergangenen Jahre eindrücklich bewiesen haben.

Beispielhafte Risiken für deutsche Unternehmen

Bislang wähnten sich viele Unternehmen in Deutschland sicher, wenn es um Elementarschäden geht. Schließlich gibt es keine aktiven Vulkane, keine tropischen Wirbelstürme, keine Tsunamis. Dennoch lassen sich Elementarschäden niemals mit Sicherheit ausschließen, denn Wetterextreme nehmen stetig zu und mit ihnen auch Schäden durch Sturm, Hagel oder Überschwemmungen – um nur einige von vielen Möglichkeiten zu nennen. So gab es allein in den vergangenen Jahren 20 zum Beispiel die Elbe-Flut, den Orkan Niklas oder erst kürzlich das Jahrhunderthochwasser 2021. Die Schäden beliefen sich dabei auf mehrere Milliarden Euro. Nur ein dreistelliger Millionenbetrag wurde jedoch von den Versicherungen ausgezahlt, da nach wie vor zahlreiche private sowie gewerbliche Immobilieneigentümer keine ausreichende Versicherung gegen solche Elementarschäden besitzen.

Elementarrisiken in Deutschland steigen

Experten sind sich jedoch sicher, dass solche Ereignisse aufgrund des Klimawandels zukünftig immer häufiger und immer heftiger auftreten werden. Einerseits ist es in diesem Zuge wichtig, den Hochwasserschutz in den betroffenen Regionen voranzutreiben, wie derzeit beispielsweise in Trier, wo neue Risiken geprüft und verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um ein vergleichbares Hochwasser zukünftig zu vermeiden. Andererseits müssen die Unternehmen auch selbst tätig werden und für solche Fälle vorsorgen. Die Standortwahl spielt dabei eine entscheidende Rolle, aber eben auch der Abschluss von Versicherungen für Elementarschäden mit ausreichender Deckungssumme. Klima- und Umweltschutz fangen für Unternehmen daher nicht nur im Außen an, sondern betreffen sie auch auf einer internen Ebene.

Hochwasserschutz (auch) in die eigene Hand nehmen

Befindet sich der Unternehmensstandort in einem von Hochwasser bedrohten Gebiet, reicht die Versicherung alleine oftmals nicht aus. Schließlich drohen im Fall von Hochwasser nicht nur Schäden am Gebäude sowie Inventar, sondern es ist mit einer kompletten Betriebsunterbrechung zu rechnen. Auch dieser Fall sollte daher finanziell abgesichert werden durch eine entsprechende Police. Gleichzeitig gilt es einen Notfallplan zu entwickeln, um bei einem Hochwasser den Betriebsablauf möglichst schnell wiederherzustellen. Modelle wie der Wechsel ins Homeoffice können eine solche Lösung sein – sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch selbst vom Hochwasser betroffen oder ist die Region kurzzeitig von der Internet- sowie Stromversorgung abgeschnitten, sind auch solche Maßnahmen nicht ausreichend. Gleichzeitig drohen weitere Risiken wie Datenverluste. Jedes Unternehmen in einem Hochwassergebiet muss daher neben dem Abschluss entsprechender Versicherungen einen maßgeschneiderten Hochwassernotfallplan entwickeln. Dabei gilt es die Hochwasserrisikomanagementrichtlinie zu beachten, welche die gesetzlichen Pflichten rund um den Hochwasserschutz im Unternehmen regelt. Wichtig ist also, den Hochwassernotfallplan mit der innerbetrieblichen Rechtscompliance abzustimmen und in regelmäßigen Abständen anzupassen, falls sich relevante Faktoren geändert haben, beispielsweise durch städtebauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

Weiteren Elementarschäden präventiv begegnen

Hochwasserschutz ist also keine einmalige, sondern eine fortlaufende Aufgabe für fast alle Unternehmen in Deutschland. Denn Starkregen mit Überschwemmungen ist quasi in jeder Region möglich. Selbiges gilt für weitere Elementarschäden wie Sturm- oder Hagelschäden. Zu den Risiken, die jedes Unternehmen absichern sollte, gehören daher:

  • Blitzschlag
  • Erdbeben
  • Erdrutsch
  • Erdsenkung/Erdfall
  • Feuer
  • Hagel
  • Rückstau
  • Schneedruck
  • Sturm
  • Überschwemmung (durch Starkregen)


Die Gefahr von Lawinen und Vulkanausbrüchen kann hingegen im Einzelfall bewertet werden. Sie sind in zahlreichen Policen gegen Elementarschäden aber ohnehin inbegriffen. Eine reine Versicherung gegen Feuerschäden oder Sturm und Hagel reicht daher nicht aus. Wie teuer der Versicherungsschutz jeweils ist, hängt vom Standort des Unternehmens ab. Dieser wird anhand der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bewertet und je höher das Risiko von Elementarschäden eingeschätzt wird, desto teurer ist die entsprechende Versicherung. Unterm Strich sind die Kosten aber deutlich geringer als die durch solche Ereignisse verursachten Schäden. Zudem können die Ausgaben im gewerblichen Kontext steuerlich geltend gemacht werden.

Zusätze zur Elementarschadenversicherung

Die Elementarschadenversicherung ist somit ein wichtiger Baustein, um das Unternehmen gegen Elementarschäden abzusichern. Ausreichend ist sie jedoch nicht, denn sie umfasst oftmals nicht die Betriebseinrichtung oder eventuelle Waren und Vorräte in den betroffenen Gebäuden. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine Geschäftsinhaltsversicherung, die direkt um Elementargefahren erweitert werden kann und dadurch eine umfassendere Absicherung bietet als die reine Elementarschadenversicherung. Vorsicht ist allerdings auch hier beim Kleingedruckten geboten, denn in einigen Fällen ist ein Rückstau ausgeschlossen und muss daher explizit eingeschlossen werden, häufig gegen einen Aufpreis. Weiterhin empfiehlt sich die bereits erwähnte Betriebsunterbrechungsversicherung, welche die Folgekosten abdeckt, falls durch den Elementarschaden der Betrieb ganz oder teilweise stillsteht. Diese Police fängt also einen Gewinnausfall ab und bietet dadurch finanzielle Sicherheit, um die fortlaufenden Kosten zu stemmen, bis wieder der normale Betrieb aufgenommen werden kann. In dieser Betriebsunterbrechungsversicherung können zudem weitere Risiken abgedeckt werden, beispielsweise bei Schäden durch Leitungswasser, Einbruchdiebstahl oder Vandalismus.

Fazit

Die richtige Absicherung für Unternehmen gegen Elementarschäden gleicht einem Puzzle. Verschiedene Policen müssen wie Puzzleteile ineinandergreifen, um eine vollständige Absicherung gegen alle Risiken zu gewährleisten. Gleichzeitig sind interne Maßnahmen notwendig, um diesen Gefahren präventiv zu begegnen sowie Rechtscompliance herzustellen. Wer lediglich Eigentümer einer gewerblichen Immobilie ist und diese an ein Unternehmen vermietet hat, sollte zudem eine Mietverlustversicherung abschließen, um einen eventuellen Mietausfall durch Elementarschäden zu kompensieren. Der optimale Versicherungsschutz hängt somit stark vom Einzelfall ab. Es handelt sich aber um ein Thema, mit dem sich jeder Eigentümer gewerblicher und auch privater Immobilien auseinandersetzen muss; und um ein Thema, das im Zuge des Klimawandels weiter an Bedeutung gewinnen wird.

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Ausgabe 04/2021