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Corona: „Das ist unsere Hauptaufgabe im Moment: informieren, informieren, informieren.“

Ein Interview mit Roland Krebs, Vorstand der Volksbank in Südwestfalen eG
Foto: ©bluedesign– stock.adobe.com
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SWM: Wie stellt sich die aktuelle Lage bei der Volksbank in Südwestfalen dar?
Roland Krebs: Aktuell erreichen uns sowohl von privater als auch von gewerblicher Seite sehr viele Kreditanfragen, welche Corona betreffen. Das normale Privatkundengeschäft hingegen ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig ist die Bank nach wie vor ein sozialer Kontaktpunkt für viele Menschen. Einige Kunden kommen also weiterhin in die Filialen – wenn auch mit den notwendigen Sicherheitsabständen.

SWM: Wie gravierend ist die Situation auf Seite der Unternehmer?
Roland Krebs: Das Gravierendste über alle Unternehmen hinweg ist die Unsicherheit: Wie lange wird die Krise dauern und wie schlimm wird sie? Während es in einigen Branchen eher latente Sorgen und Ängste sind, sind in anderen Branchen bereits sehr konkrete Liquiditätsengpässe entstanden, etwa bei Restaurants, im Handel, bei Freiberuflern oder Friseuren.

SWM: Wie sieht es in der Industrie aus?
Roland Krebs: Viele Zulieferbetriebe der Automobilindustrie schauen mit Sorge auf die Werksferien etwa bei VW, BMW oder Peugeot und die damit verbundenen Nachfragerückgänge. Einige Unternehmen haben bereits mit Zulieferern und Abnehmern gesprochen und Umsatzrückgänge eingeplant. Andere produzieren nach wie vor, wissen aber nicht, was nach Ostern kommt. Normalerweise werden die Rechnungen nach 30 oder 60 Tagen bezahlt. Spätestens dann reißt der Liquiditätsstrom ab. Vorsorglich beschäftigen sich viele unserer Kunden daher mit Maßnahmen, um sich auf diese Situation vorzubereiten: Gespräche mit dem Betriebsrat wegen Kurzarbeit, Verschiebung von Investitionen oder Optimierung des Warenlagers. Uns erreichen aber auch schon Anfragen zur Stundung von Tilgungen. Und das Informationsbedürfnis hinsichtlich der Förderprogramme ist natürlich immens.

SWM: Was sind die Maßnahmen, die bei Ihnen nachgefragt werden?
Roland Krebs: Es gibt ein sehr groß Informationsbedürfnis: Was kann ich tun, wenn die Krise lang und tief wird? Welche zusätzlichen Informationen gibt es zu den angekündigten Hilfsmaßnahmen und Fördermitteln? Einige Unternehmer sind über Internet bereits hervorragend informiert. Andere mussten bis jetzt voll liefern und haben noch keine Zeit gefunden für die Recherche. Daher ist unsere Hauptaufgabe im Moment: informieren, informieren, informieren.

SWM: Welche Voraussetzungen müssen Unternehmer erfüllen, um Fördermittel beantragen zu können?
Roland Krebs: Es müssen vorliegen:
1. die Bilanz 2018,
2. ein vorläufiges Geschäftsergebnis 2019,
3. die Ermittlung des voraussichtlichen Liquiditätsbedarfs und
4. das Unternehmen muss nachvollziehbar belegen können, auf welche Art und Weise es von Corona betroffen ist.
5. Darüber hinaus sollte der Unternehmer bedenken, dass Zuschüsse nicht zurückgezahlt werden müssen. Kredite hingegen schon. Auch wenn die Banken um 80 bis 90 Prozent von der Haftung befreit sind, müssen die Kredite irgendwann zu 100 Prozent wieder an die KfW bzw. NRW.Bank zurückgezahlt werden.

Gerade größere Betriebe – etwa die Automobilzulieferer – können diese Unterlagen selbst anfertigen, ohne auf externe Steuerberater zurückgreifen zu müssen. Hier geht es primär um die Plausibilität der Unterlagen. Die KfW hat bereits angekündigt, bei kleineren Anträgen verstärkt auf die Aussagen der Banken zu vertrauen. Kritischer ist es bei den vielen Selbstständigen mit einem bis zehn Mitarbeitern, da dort häufig die Bilanz 2018 noch nicht erstellt wurde. Daher kommt es hier zurzeit zu Engpässen bei Steuerberatern.

SWM: Was aber tun, wenn der Steuerbescheid 2018 noch nicht vorliegt?
Roland Krebs: Vielen kleineren Selbstständigen helfen bereits die 9.000 Euro Soforthilfe, aufgeteilt auf drei Monate. Auch hilft es, das Gespräch mit Leasinggebern oder Vermietern zu suchen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Darüber hinaus können wir von der Volksbank in Südwestfalen aber auch die erwarteten Hilfen vorfinanzieren bzw. mit kurzfristigen Finanzierungen aushelfen. Hausintern haben wir bereits entsprechende Mittel bereitgestellt.

SWM: Sind die bürokratischen Hürden nicht trotzdem zu hoch?
Roland Krebs: Wir tun alles, um diese Hürden zu senken. So erarbeiten wir aktuell gemeinsam mit der KfW und unserer Tochter VR Smart Finanz eine digitale Anmeldestrecke, damit Anträge anhand von Scoring-Werten bearbeitet werden können. So soll die Auskunft von Creditreform zusammen mit den Gewinn und Verlustrechungen für die letzten beiden Jahre und einer Selbstauskunft im ersten Schritt als Bonitätsnachweis ausreichen.

SWM: Also werden Unternehmer ihre Mittel erhalten?
Roland Krebs: Es steht ausreichend Geld zur Verfügung. Wer eine Finanzierung benötigt und anspruchsberechtigt ist, der wird diese auch bekommen. Da es der Bund ist, der sich die Mittel beschafft, mache ich mir keine Sorgen.

SWM: Kommt die Hilfe auch schnell genug an?
Roland Krebs: Wir können und dürfen die Anträge vorfinanzieren und werden das auch tun, wenn Eile geboten ist. Wie sich die Krise aber in den kommenden Monaten entwickeln wird, das ist Kaffeesatzleserei. Aktuell jedenfalls ist genügend Kapital da. Es macht aktuell also deutlich mehr Sinn, die Anträge mit der gebotenen Sorgfalt zu bearbeiten. So können später unnötige Nachfragen und Verzögerungen vermieden werden.

SWM: Wie sieht das in der Praxis aus?
Roland Krebs: Für unser Haus haben wir einen Corona-Liquiditäts-Dialog entwickelt. Diesen können wir auch per Telefon oder Videoschaltung gemeinsam mit dem Kunden ausarbeiten. In vielen Fällen wird dieser Leitfaden schon ausreichen, um die notwendigen Maßnahmen zu ermitteln und zu dokumentieren. Insgesamt haben wir hier sehr gute Strukturen entwickelt, die unsere Kunden dann lediglich noch von ihrem Steuerberater prüfen lassen sollten.

SWM: Das klingt ja zuversichtlich.
Roland Krebs: Stand heute: Ja, ich bin zuversichtlich. Für kleinere und mittlere Unternehmen berechnet die KfW zwischen 1,0 und 1,46 Prozent. Bei größeren Unternehmen liegt der Zinssatz zwischen 2,0 und 2,12 Prozent. Darüber hinaus können auch Mittel bei der NRW-Bank beantragt werden. Sicherlich sind diese Zinssätze stark subventioniert. Es wird sehr deutlich, dass alle Beteiligten ihre maximale Unterstützung bieten möchten.

SWM: Sind Krisen nicht auch eine tolle Gelegenheit für Investitionen?
Roland Krebs: Tatsächlich gibt es auch Unternehmen, die in der aktuellen Situation langfristig planen und investieren. Im kleingewerblichen Bereich haben wir aktuell täglich 50 bis 60 Telefonate wegen der Corona-Krise. Gut aufgestellte Unternehmen hingegen nutzen die Zeit, damit sie nach der Corona-Krise voll durchstarten können: Maschinen-Überholungen, Prozessveränderungen, Beschaffungsmärkte optimieren, den internationalen Vergleich zu Mitbewerbern evaluieren, Lieferbeziehungen neu aufstellen et cetera. Auch Investitionspläne werden nicht zwangsweise zurückgestellt.

SWM: Dennoch: Die Unsicherheit bleibt.
Roland Krebs: Höchstwahrscheinlich wird der Spuk nach Ostern nicht vorbei sein, vielmehr wird das ganze Jahr 2020 hindurch eine gewisse Vorsicht geboten sein. Aber wir gewinnen durch die aktuellen Maßnahmen Zeit, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen und danach die Wirtschaft wieder hochfahren zu können. Interessanterweise agieren zahlreiche vermögende Kunden in der aktuellen Krise deutlich besonnener als in der Finanzkrise 2008/2009. Ganz nach dem Motto: „Wir wissen nicht, was in der aktuellen Krise passiert. Aber wir sind zuversichtlich, dass es danach alles wieder gut wird.“

SWM: Und was kommt nach Corona?
Roland Krebs: Die Veränderung bemerken wir schon jetzt im Alltag. Etwa, dass das Homeoffice, das vor ein paar Wochen noch exotisch war, jetzt ganz hervorragend funktioniert oder dass Videokonferenzen eine tolle Möglichkeit sind, um sich auszutauschen. Das Leben nach Corona wird nicht linear weitergehen. Aber wir haben viele pfiffige Köpfe und herausragende Institutionen in Südwestfalen, die Südwestfalen auch nach Corona zum Hotspot für innovative Ideen machen werden.
Maximilian Lange | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 02/2020

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