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Platz für Grün und Lebensqualität

Landschaftsarchitekten kümmern sich um Gärten und Parks, aber auch um öffentliche Plätze sowie um den Verkehr. Ihre Lösungen betreffen jeden von uns, obwohl die Branche recht klein ist. Ein Überblick.



Stadtlandschaft, Naturlandschaft, Industrielandschaft – Landschaft ist immer da. Und doch verändert sie sich. Und das nicht nur jahrzeitlich bedingt. Die Emscher, das blaue Band zwischen Dortmund und Dinslaken, untersteht beispielsweise einem Masterplan: emscher:zukunft. Der Abwasserkanal „Köttelbecke“ wird renaturiert und neu gestaltet, sprich: Die Kanalisation wird endlich erneuert und der Fluss und seine Umgebung sollen für die Menschen in der Region wieder attraktive Lebensräume darstellen – durchaus mit industriekulturellem Charme. Bis 2020 läuft das groß angelegte Projekt, das ständig aktualisiert wird. 2013 erhielt emscher:zukunft den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis in der Kategorie „Sonderpreis Infrastruktur und Landschaft“. „Das Projekt Masterplan emscher:zukunft zeigt in eindrucksvoller Weise, dass es möglich ist, durch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen und einem dialogorientierten Planungsprozess einen isolierten infrastrukturellen Meideraum zu einer attraktiven, multifunktionalen, lebendigen Stadtlandschaft zu entwickeln“, lautet die Begründung der Jury. Freizeitanlagen, kommerzielle Einrichtungen, aber auch Orte der Industriekultur finden sich entlang der Emscher. Orte, die früher vermieden wurden und eher als Schandfleck der Region galten, werden nun wieder attraktiv und zu Orten, an denen man sich gerne aufhält.

Landschaftsarchitekten planen für die Menschen und für die Natur. Ihr Berufsbild ist überaus vielfältig. Sie planen Privatgärten ebenso wie Firmenterrassen, Gartenschauen, öffentliche Plätze in der Stadt sowie Parkanlagen. Sie erstellen darüber hinaus auch Naturschutz- und Erholungspläne, gestalten Freizeit- und Erholungsanlagen, treten als Gutachter auf und prüfen die Umweltverträglichkeit. Aber auch in der Verkehrsplanung sowie in der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sind sie tätig. Doch nur beim Planen bleibt es nicht – Landschaftsarchitekten sind auch an der Umsetzung ihrer Pläne involviert. Sie betreuen die Baustelle, koordinieren und kontrollieren. Auch für die Bepflanzungspläne, Kosten- und Zeitpläne sind sie zuständig. Neben ökonomischem und fachlichem Know-how verfügen sie auch über ein großes botanisches Wissen. Die Berufsbezeichnung Landschaftsarchitekt ist ein geschützter Begriff: Nur wer in der Liste der zuständigen Landes-Architektenkammer eingetragen ist, darf sich so bezeichnen. Neben den Architektenkammern der Länder gibt es auch einen Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, bdla. Der Verband besteht seit über 100 Jahren und hat bundesweit mehr als 1.300 Mitglieder, darunter rund 800 freischaffende Landschaftsarchitekten. Im Gegensatz dazu gibt es allein in Nordrhein-Westfalen 1.600 Landschaftsarchitekten laut der Architektenkammer NRW. Insgesamt beträgt jedoch die Anzahl der in NRW insgesamt angemeldeten Architekten 31.200. Die Branche der Landschaftsarchitekten ist – trotz ihrer gesellschaftlichen und individuellen
Bedeutsamkeit – recht klein.

Aufgaben und Herausforderungen

Klimawandel, Energiewende, demografischer Wandel – mit diesen Herausforderungen im Hinterkopf entwickeln Landschaftsarchitekten ihre Lösungen, um die Landschaft nachhaltig zu gestalten. Beispielsweise die Klimaerwärmung: Es wird heißer, auch wenn noch keiner absehen kann, um wie viel wärmer es tatsächlich wird. Gerade in Städten mit einer intensiven Bebauung sind die Sommermonate wenig angenehm. „Die Versiegelung natürlicher Freiflächen schreitet voran – in NRW 15 Hektar Tag für Tag“, berichtet Ernst Herbstreit, Landschaftsarchitekt und Vorsitzender des Fachausschusses „Landschaftsarchitekten“ der Architektenkammer NRW. „Wir werden diese Probleme nur in den Griff bekommen, wenn wir uns intensiv um ein ausgeglichenes Verhältnis von Eingriff in die Natur und Bewahrung der natürlichen Ressourcen bemühen. Das ist eine der zentralen Aufgaben der Landschaftsarchitekten in Nordrhein-Westfalen.“ Das beinhaltet, dass dafür auch der am besten geeignete Baum für die Innenstadt gefunden werden muss. Das Projekt „Stadtgrün 2021“ in Bayern forscht beispielsweise zurzeit nach Baumarten für verschiedene Klimazonen. Die Auswertungen stehen noch aus, dürften aber bundesweit Aufmerksamkeit erregen. Zurzeit beschäftigen sich Landschaftsplaner u.a. mit aktuellen Themen wie Hochwasser- sowie Artenschutz.

Im Augenmerk von Landschaftsarchitekten liegen des Weiteren auch Sport- bzw. Freizeitanlagen, die eine Jugendtrendsportart aufgreifen. So boomen nicht nur Kletteranlagen in NRW, sondern es entstehen auch immer mehr Skateparks, Hochseilgärten oder Parcoursstrecken wie in Bochum. Im Ruhrgebiet werden vor allem ehemalige Industrieflächen zu attraktiven Freizeitflächen umgestaltet. Das Grün in der Stadt wird wieder lebendig gemacht – auch wenn Landschaftsplaner im Wettstreit um die Fläche mit kommerziellen Nutzern liegen und nicht unbedingt als Sieger vom Platz gehen. Eine weitere zentrale Aufgabe der Landschaftsarchitekten ist es, soziale Aspekte mit gestalterischen, ökologischen, klimatischen und ökonomischen Aspekten zu verbinden. Beispielsweise der Berliner Platz in Bottrop. Wo früher ein Großparkplatz ohne Atmosphäre war, ist heute eine große Freifläche mit Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten, die vielfältig genutzt werden kann. Die Arbeit dieses Berufsstands hat für die Gesellschaft sowie für das Individuum einen hohen Stellenwert. An ihren Entscheidungen liegt es, wie Plätze genutzt werden können und was die Lebensqualität an einem Standort mitbestimmt. Dafür es auch immer wieder notwendig, dass Landschaftsarchitekten mit der Bevölkerung in einen Dialog treten.

Mein Unternehmen, mein Firmengarten

Der Wettbewerb „FirmenGärten“ hat in erster Linie das Ziel, Impulse für mehr Grün auf Unternehmensgrundstücken zu setzen. Denn auch Unternehmen können mit Grünlagen dazu beitragen, eine nachhaltige und verbesserte Stadtentwicklung zu fördern. Unabhängig von Betriebsgröße sind hier viele Möglichkeiten denkbar: ein begrünter Eingangsbereich, gestaltete Innen- und Außenräume, grüne Fassaden und Dachgärten und vieles mehr. Darüber hinaus wertet diese grüne Visitenkarte auch das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter auf. Eine verbesserte Luftqualität sorgt für ein angenehmes Raumklima, das grüne Umfeld bietet den Augen eine Erholung vom Auf-den-Bildschirm-Starren und in der Mittagspause kann der Lagerarbeiter im Freien durchatmen. Karin Bünnagel | redaktion@regio-manager.de

INFO

Demografischer Wandel

Um die Bevölkerung für die Herausforderungen des demografischen Wandels zu sensibilisieren, hat die Architektenkammer NRW die Aktionsplattform „NRWlebt.“ ins Leben gerufen. Die Dokumentation dessen, was in den Jahren 2014 bis 2017 diskutiert wurde, sowie zahlreiche realisierte Objektbeispiele sind auf der Internetseite www.nrw-lebt.de abrufbar. Themen sind u.a. „Mobil leben“ und „Grüner leben“.

Ausgabe 02/2018