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Architekten

Lang ersehntes Wachstum

Die boomende Baukonjunktur belebt die Architektur-Branche nachhaltig.



Es ist kein Geheimnis – für niemanden –, dass es der Baubranche in Deutschland wieder richtig gut geht. Sie erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 309 Milliarden Euro und war somit verantwortlich dafür, dass satte 10 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes für Baumaßnahmen eingesetzt wurden. Einer der großen Nutznießer dieser Entwicklung sind zurzeit die Architekten Deutschlands, die mit ihren vielfältigen Planungs- und Vorbereitungsleistungen diesen Bauboom erst möglich machen. Neben öffentlichen und von Gewerbetreibenden eingehenden Aufträgen stehen auch verstärkt wieder private Bauherren im Fokus der Baumeister. Der Architekturmarkt ist vielfältig und ragt mit seinen kreativen Leistungen in viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens. So umfasst er u.a. die Hochbau- und Innenarchitektur, die Landschaftsplanung und -gestaltung, aber auch zahlreiche Restaurationen bei historischen Bauten oder Kirchen. Der bunte Strauß der geistigen und praktischen Arbeiten erstreckt sich von der Projektsteuerung und -koordination über die Bauplanung und -leitung bis hin zur Nachbetreuung und Nachsorge für die Bauprojekte. Dabei arbeiten die meisten Architekten im Wesentlichen freischaffend, das heißt in Büros oder alleine, aber auch als Beamte und Angestellte sind sie in den Stadt- und Landesbehörden geschätzt. Die Architektenkammer NRW hat gegenwärtig mehr als 31.000 Mitglieder und ist damit die größte deutsche Landeskammer. Ein ganzes Viertel, rund 125.000 der deutschen Architekten tummeln sich derweil im hiesigen Bundesland. Besonders viele im Vergleich zur Einwohnerzahl gibt es in Köln (mehr als 3.000), Düsseldorf (mehr als 2.200) und Aachen (1.250). „Die wirtschaftliche Lage der Architekturbüros in NRW hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt“, stellt Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, mit Blick auf die Zahlen fest. „Das liegt einerseits an den weiterhin niedrigen Zinsen für Baugeld, zum anderen sicherlich auch an den Förderprogrammen von Bund und Land, mit denen der Wohnungsbau in Deutschland gezielt angeregt wird.“ Den Architektinnen und Architekten im Lande sei es ein großes Anliegen, hier die angestrebte Quantität mit einer hohen Qualität in Planung und Gestaltung zu verbinden, so Uhing. Beeindruckende Zahlen Neben den Zahlen für Nordrhein-Westfalen sind aber auch die Daten für ganz Deutschland beachtlich. So wurden laut Statistik im Jahr 2017 deutschlandweit mehr als 130.000 Architekten und Planer gezählt, die in Lohn und Brot waren. Nur zehn Jahre zuvor waren es noch stattliche 20.000 weniger. Ein enorm positiver Trend, der sich da verfestigt hat! Auch der durchschnittliche Jahresverdienst stieg steil nach oben und liegt heute bei einem durchschnittlichen Jahresverdienst von um die 55.000 Euro. Der Blick über den deutschen Tellerrand hinaus offenbart zusätzlich die Umsatzstärke dieser Branche. So war im Jahr 2016 der deutsche Architektur-Markt mit über fünf Milliarden Euro der umsatzstärkste in ganz Europa. Rund 40.200 Architektur- und Planungsbüros überzeugten mit ihren Ideen private und öffentliche Bauherren. Und dass die Planer-Branche weiterwächst, zeigen sowohl die Zahlen auf Bundesebene als auch bei den Landeskammern. Für das einzelne Büro ist aber immer vor Ort entscheidend, welche Kundenkreise man sich erschließen will und ob der Kontakt vor Ort tatsächlich zum Auftrag führen kann. Umgekehrt stellt sich für den Bauherrn – egal, ob er privater oder öffentlicher Träger ist – stets die Frage, wie er das jeweilige Bauprojekt vorplant und welcher Architekt dann auch wirklich zu ihm passt. Das weiß vor allem Christof Rose von der Landesarchitektenkammer Nordrhein-Westfalen. Generell rät er dazu, den Vorüberlegungen einen nicht zu niedrigen Stellenwert beizumessen. „Es ist gut, wenn Sie Vorstellungen davon haben, welche Bedürfnisse Ihr Traumhaus erfüllen soll. Parallel sollte man erste Gespräche mit der Hausbank führen und über eine mögliche Finanzierung sprechen.“ Erst dann sollte man sich auf die Suche nach einem persönlich passenden Planer machen. Den passenden Architekten finden Entscheidend bei der Suche nach dem passenden Architekten ist natürlich das Erstgespräch. Da sollte man herausfinden, ob die Chemie stimmt, ob Vorstellungen auf beiden Seiten zusammenpassen und auch erste Fragen zum Projekt Hausbau sich sofort beantworten lassen. „Allerdings sollte man vorher ausloten, wann die Honoraruhr läuft. Jeder Architekt agiert da anders“, weiß Rose. Ob es dann ein eher kleines oder schon größeres Architekturbüro sein sollte, das die Zügel in die Hände nimmt, ist nicht entscheidend. Allerdings zeigt sich mittlerweile doch in der Praxis, dass, je größer die Büros sind, auch der Anteil der Neubau-Projekte steigt. Laut Statistik der Bundesarchitektenkammer machte der Anteil dieser Projekte bei kleinen Büros mit einer Stärke von zwei bis vier Planern in 2015 weniger als die Hälfte des gesamten Umsatzes aus (43 Prozent bzw. 47 Prozent). In mittelgroßen (fünf bis neun tätige Personen) und großen Büros (zehn und mehr tätige Personen) überwogen demgegenüber die Leistungen im Neubaubereich (53 Prozent bzw. 61 Prozent des Umsatzvolumens). Bauen im Bestand In den letzten Jahren nimmt bei Architekten das Bauen im Bestand einen immer größeren Stellenwert ein. Denn der zu sanierende Anteil an Gebäuden in Deutschland ist enorm; 75 Prozent des Gebäudebestands ist älter als 30 Jahre. Ein bedeutender Auslöser für die Sanierung ist die Energieeffizienz der Gebäude, bei denen mehrheitlich die Heizungssysteme nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entsprechen. Die Zahlen sprechen für sich: Auf diesen Gebäudebereich entfallen rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und etwa 20 Prozent des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes. Private Haushalte verbrauchen rund 85 Prozent ihres Energiebedarfs allein für Heizung und Warmwasser. Bis 2050 strebt die Bundesregierung an, den Primärenergiebedarf um 80 Prozent gegenüber 2008 zu senken. Entsprechend wichtig ist die energetische Sanierung des Gebäudebestands zum Erreichen der Klimaschutzziele.

Ausgabe 08/2018