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Gute Lage, Fachwerk und zufriedene Gäste: Dennoch reichte es für „Ferdinand“ in der Soester Altstadt nicht

Insolvenzen nachgehakt

Auktionator beendet Klinikgeschichte

Insolvenzgeschehen in Südwestfalen: Fortführungslösung für wichtigen Sozialträger in Herdecke, Versteigerungsaktion beendet Fortbestehen eines Geriatrie-Pioniers und Fortbestand von Ferdinand?



Therapietechnik und Küchengeräte, Möbel und ganze Büroeinrichtungen gab es zum Schnäppchenpreis, als der Insolvenzverwalter nun zum Ausverkauf rief. Mit einer Versteigerungsaktion des Inventars ging die Geschichte der Klinik am Stein in Olsberg zu Ende. „Wir sind bundesweit auf Investorensuche“, hatte Andreas Schoß noch vor einem viertel Jahr erklärt, als die bundesweit erste Fachklinik für Geriatrie, die sich im Laufe von 40 Jahren zu einer Einrichtung für die Rehabilitation alterskranker und von Pflegebedürftigkeit bedrohter Menschen entwickelt hatte, in finanzielle Schieflage geraten war. Das „Zentrum für Neuro-Geriatrie und Rehabilitationsmedizin“ mit einer Dependance in Dortmund musste Insolvenz beantragen.

Bis zum Schluss sei die Klinik mit gut 160 Betten und 130 Mitarbeitern im Grundsatz sehr gut ausgelastet gewesen, betonte der Insolvenzverwalter. „Sorglosigkeit im Management“ habe die Klinik aber in Schieflage gebracht. Medikamente seien zu teuer eingekauft worden, der Einsatz teurer Beratungsunternehmen sei unnötig gewesen.

Josef-Gockeln-Haus

Immer wieder sind auch soziale Einrichtungen von finanziellen Turbulenzen betroffen. Nun traf es das Josef-Gockeln-Haus der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), landschaftlich idyllisch am Ortsrand von Rahrbach in der Gemeinde Kirchhundem gelegen. Die Bildungs- und Ferienstätte mit 55 Einzel- und Doppelzimmern, Tagungsräumen, Schwimmbad und Gaststube verzeichnete in der Vergangenheit eine gute Auslastung, verlor im Laufe der Zeit aber viele Gäste, die Reißleine wurde gezogen. Da sich die Belegung aktuell wieder gut entwickelt habe, solle der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weitergeführt werden, so Insolvenzverwalter Dr. Jan Janßen aus Siegen, der auf den Fortbestand des Hauses setzt. „Gäste sind weiterhin herzlich willkommen“, heißt sein Aufruf.

Gastronomie-Aus

Der könnte gleichlautend auch in Soest ausfallen, wo das Café-Restaurant „Ferdinand“ nach gerade einmal zweijähriger Präsenz in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. Für das ansprechende Objekt inmitten der Altstadt wird derzeit ebenso eine Nachfolgeregelung gesucht wie für die Traditionsgaststätte „Wirtshaus im Ratskeller“ in Hagen: Dort dauerte das Gastspiel des letzten Pächters ganze neun Monate. Das Aus kam abrupt: Das Frühstück wurde noch serviert, dann kamen die Mitarbeiter des Energieversorgers und stellten den Strom ab, während der Getränkelieferant das Biergarten-Mobiliar abtransportierte.

Zukunft für GVS

Derart drastische Schritte drohen dem Gemeinnützigen Verein für Sozialeinrichtungen Herdecke (GVS) und der „GVS Herdecke Seniorendienste“ wohl nicht. Beide gingen Ende 2016 in die Insolvenz, nun vermeldet Insolvenzverwalter und GÖRG-Partner Jörg Bornheimer, dass der Geschäftsbetrieb der gemeinnützigen Gesellschaft mit drei stationären Pflegeeinrichtungen, betreutem Wohnen und Altenwohnungen an die „Pflegezentrum Herdecke GmbH“, einer Tochter der deutschlandweit im Pflegemanagement tätigen und in Bremen ansässigen Convivo-Unternehmensgruppe, veräußert wurde. Alle 300 Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Für den Verein, der u. a. sechs Tageseinrichtungen für Kinder und eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle betreibt, wurde nach einem strukturierten Bieterwettbewerb ein mittlerweile von den Gläubigern gebilligter Insolvenzplan vorgelegt, dem zufolge diese mit einer Quote von etwa 20 Prozent befriedigt werden können. 90 der 100 Arbeitsplätze bleiben erhalten, die Stadt Herdecke sagte angesichts der Bedeutung des Vereins weiterhin Unterstützung zu.

Bornheimer zeigt sich von den Sanierungen erfreut. Er betont, dass nicht nur ein optimales Ergebnis für die jeweiligen Gläubiger und Mitarbeiter erzielt werden konnte, sondern dass auch die Menschen in der Region Herdecke durch die Fortführung bzw. Übernahme der Unternehmungen von einer guten Versorgung von Kindern, Senioren und Pflegebedürftigen profitieren werden.
Reinhold Häken | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 05/2018