Winkelmann Recycling: Faszination „Aus groß mach klein“

Mit zukunftsweisender Recyclingtechnik auf Wachstumskurs.
(Foto: info@jan-heinze.de)
(Foto: info@jan-heinze.de)
Die Geschichte des Dortmunder Unternehmens Winkelmann Recycling ist ein schönes Beispiel dafür, dass zum Erfolg noch viel mehr gehört, als nur mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wobei auch das ja schon eine Leistung ist, die nicht vielen gelingt. Unternehmensgründer Detlef Winkelmann erklärt: „Wir sind der klassische Entsorger“, wenn man ihn nach seiner Firma fragt. Bedenkt man aber, dass das Unternehmen allein am Dortmunder Hauptsitz täglich 150 Lkw umschlägt, bundesweit sieben Standorte hat und 260 Mitarbeiter beschäftigt, dann klingt diese Aussage wie Tiefstapeln. Tatsächlich war es ihm – der bescheiden selbst sagt, nicht nur Tüchtigkeit, sondern auch ein Quäntchen Glück habe ihm geholfen – immer wichtig, die Bodenhaftung zu behalten. Geboren in Halberstadt, aber fast sein ganzes Leben in Dortmund zu Hause, steht er für einen Unternehmertyp, von dem es nicht mehr viele gibt. „Wenn wir Gewinn gemacht haben, haben wir den immer direkt wieder ins Unternehmen investiert“, so Winkelmann. „Ich wohne z.B. immer noch mit meiner Familie in einer Doppelhaushälfte. Mehr brauchen wir ja nicht. Auf der anderen Seite kann ich aber sagen, dass alle Hallen und Firmengebäude in Besitz unserer Familie sind. Das gibt auch Sicherheit.“ Als Winkelmann sich 1993 selbstständig machte, war er noch alleine. Nach einem Monat beschäftigte er 28 Mitarbeiter, im dritten Jahr machte er bereits sieben Millionen DM Umsatz. Und es ging weiter bergauf. Immer wieder wurden die eigenen betrieblichen Abläufe optimiert und angepasst, Prozessmanagement stand ganz oben, um aus „Entsorgung“ tatsächlich etwas zu gestalten, was am Ende keine Sorge mehr bereitet. Speziell beim Stichwort „Kreislauf der Dinge“ hat Winkelmann eine europaweit führende Position. Sämtliche grünen Plastikkisten in Deutschland, mit denen der Handel sein Obst und Gemüse transportiert und präsentiert, gehen durch Winkelmanns Maschinen.

Erfolgsgeschichte einer Plastikkiste

„Holzkisten oder Pappkisten sind nicht so haltbar, nicht so gut zu reinigen und letztlich nicht umweltfreundlich, weil sie irgendwann weggeworfen werden müssen“, erklärt Winkelmann, „vor über 25 Jahren war Muskelkraft und der Dampfstrahler gefragt, heute betreiben wir mehrere High-Tech-Anlagen, die nach sehr hohen Hygienestandards diese Kisten reinigen. 440 Millionen Stück waschen wir pro Jahr an insgesamt vier Standorten in Deutschland.“ Genau mit dieser Erfolgsgeschichte der Kisten ist das Wachstum der Firma verbunden. Zu Winkelmann gehört beispielsweise eine eigene Spedition. Wenn man Kisten bringt und holt, ist es natürlich sinnvoll und umweltschonend, sämtliche Wege zu planen und zu koordinieren. Geschäftsführer Andreas Korte beschreibt die Vorgänge: „Wir haben das Knowhow und die Ressourcen, verschiedene Prozesse optimal miteinander zu verknüpfen. Bringen wir zum Beispiel Gemüsekisten nach Magdeburg in unsere Waschanlage, laden wir im Anschluss Brennstoffe aus unserer nahegelegen Aufbereitungsanlage auf, die der LKW dann zum Brennwerk bringt. So verknüpfen wir Waschprozesse mit den Abläufen aus unserem Recyclingbereich. Das minimiert den ökologischen Fußabdruck.“ Winkelmann arbeitet immer wieder eng mit dem Fraunhofer Institut zusammen. „Eine solche Gemüsekiste hält 680 kg aus“, berichtet Detlef Winkelmann stolz, „wir haben sie im Laufe der Jahre immer optimiert, ganz früher war sie nicht klappbar und benötigte so viel mehr Platz im LKW. Jetzt können wir 10.000 Stück in einem Lastwagen unterbringen.“ Hochmoderne Zählanlagen können innerhalb von sechs Sekunden 256 Kisten zählen. Da eine Kiste einen Pfandwert von 3,86 Euro hat, ist es bei diesen Dimensionen ungeheuer wichtig, sehr genau zu zählen.

Wachstum an Bedarf und Nachfrage orientiert – Recycling für Großkunden

Auch Andreas Korte – der auf einem lustigen Foto der Winkelmann-Homepage gemeinsam mit dem Seniorchef auf einem riesigen Stapel dieser grünen Kisten sitzt – ist als Geschäftsführer mit echter Leidenschaft dabei. „Im Bereich Recycling haben wir Anlagen, die bundesweit einzigartig sind“, erklärt er. „Immer wieder haben wir unser Angebot an die Erfordernisse der Industrie und an unsere eigenen Abläufe angepasst, sodass am Ende ein ausgereiftes System steht, mit dem wir alle Ressourcen optimal nutzen. Im Recyclingbereich kann man detailverliebter denken und agieren.“ Zur Anschauung holt er ein Tütchen mit Plastikgranulat aus seinem Schreibtisch. „All die Verbundstoffe, aus denen Verpackungen bestehen, werden zu einem echten Ersatz fossiler Energieträger. In Zementwerken werden unsere Granulate bei 800 Grad verbrannt. Die Asche geht wieder in den Kreislauf ein, wird dem Zement zugesetzt“, so Detlef Winkelmann. „Und wir sind auf das Verwerten von Grünschnitt, Holz, Papier und kunststofflastigem Gewerbeabfall spezialisiert. Allerdings im großen Stil. Für uns sind gerade auch Großkunden interessant. Unsere Anlagen verarbeiten ja bis zu 40.000 Tonnen Gewerbeabfälle jährlich. Weil wir systemrelevant sind, gilt das auch zu Corona-Zeiten.“

Als Entsorgungsprofi Partner der Wirtschaft

Bei einzelnen Projekten kommt auch der Mittelstand auf Winkelmann zu. „Wir hatten kürzlich einen Auftraggeber, der seine Büros komplett neu einrichten wollte“, berichtet Andreas Korte. „Wir haben unsere Leute hingeschickt und die konnten schon vor Ort alle Wertstoffe sinnvoll vorsortieren. Für den Kunden bringt das einen echten Mehrwert. Die Entsorgung wäre ja viel teurer, wenn man alles zusammen in einen Container werfen würde.“ Auch für Firmen, die – wie die Winkelmann GmbH selbst – im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr arbeiten, hat das Unternehmen ein interessantes Angebot. „Wir haben intelligente Presscontainer“, so Detlef Winkelmann, „in deren Steuerung eine SIM-Karte integriert ist. Wenn der Container drei viertel voll ist, bekommen wir automatisch Bescheid. Der Kunde hat so die Sicherheit, dass nicht plötzlich am Wochenende irgendwelche wichtigen Prozesse gestoppt werden müssen, weil die Abfälle nicht mehr entsorgt werden können.“ Dafür dass der Schichtbetrieb Arbeitnehmer vor große Herausforderungen stellt, hat der Betrieb eine sehr geringe Fluktuation. Einige Mitarbeiter sind schon in der zweiten Generation bei Winkelmann. Und auch Maximilian Winkelmann, der Juniorchef, sitzt mit in der Geschäftsführung. Er sammelt unternehmerisches Know-how und nimmt die gelebte Unternehmenskultur in sich auf. „Ohne meine Leute wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt sein Vater. „Respekt vor jedem Mitarbeiter – egal, ob er den Hallenboden fegt oder als Ingenieur unsere Anlage betreut – ist das Wichtigste.“ Da sind wir dann wieder beim Thema „Erfolgsgeheimnis“ angekommen.
Daniela Prüter | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 05/2020

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Winkelmann Recycling

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Fohlenkampstraße 7a,
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