GESUNDHEITSMANAGER PHILIPP BORGBÖHMER: Positive Impulse durch „BGM 2.0“

Im RM-Interview spricht Gesundheitsmanager Philipp Borgböhmer über Gesundheit am Arbeitsplatz, BGM und dessen Bedeutung für ein erfolgreiches Employer Branding.
Gesundheitsmanager Philipp Borgböhmer (li.) erklärt den Ablauf der Stoffwechselanalyse Foto:  Eva Czaya
Gesundheitsmanager Philipp Borgböhmer (li.) erklärt den Ablauf der Stoffwechselanalyse Foto: Eva Czaya
RM: Herr Borgböhmer, angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels rückt das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) immer stärker in den Vordergrund. Wie unterstützen Sie Unternehmen dabei, sich in Sachen BGM als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren?

Philipp Borgböhmer: Gut qualifizierte Fachkräfte sind momentan gefragt wie nie und sie tragen ganz klar auch die Erwartung an einen Arbeitgeber heran, dass dieser Angebote im Bereich Gesundheitsförderung bereithält, gerade sportlicher Art. Bei der Suche nach einem passenden Arbeitgeber ist das Thema ein wichtiges Kriterium, weil es konkret zur Work-Life-Balance beiträgt. Als Sport- und Gesundheitsmanager gehe ich in die Unternehmen, berate und unterstütze bei allen Fragen rund um die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und entwickele gemeinsam mit den HR-Verantwortlichen bzw. der Geschäftsführung ein BGM-Konzept oder intensiviere bereits vorhandene Maßnahmen.

RM: Haben Sie als Coach eine bestimmte Herangehensweise an den Themenkomplex BGM?

Philipp Borgböhmer: Da wir den Großteil unseres Lebens am Arbeitsplatz verbringen, sollten wir diesen so gestalten, dass sich das Personal wohlfühlt, gerne zur Arbeit kommt und gesund bleibt. Mein Anliegen ist es, das ganze Thema etwas moderner aufzubereiten und die Mitarbeiter auf lockere Art und Weise für die Themen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit zu sensibilisieren. Man könnte meinen Ansatz als BGM 2.0 im Sinne von „Lifestyle-Management“ bezeichnen. Ich möchte alle Mitarbeiter für das Thema begeistern und positive Impulse setzen.

RM: Wie laufen Ihre Workshops in Unternehmen üblicherweise ab?

Philipp Borgböhmer: Ich ziehe bei meinen Tageseinsätzen die Leute zum Beispiel eine Viertelstunde lang heraus aus ihrem Arbeitsalltag, damit sie kurz abschalten können und mit frischem Input zurück an den Arbeitsplatz gehen. Mein Ziel ist immer, dass die Mitarbeiter nach den Workshops oder Screenings etwas für sich mitnehmen und ein stärkeres Bewusstsein im Hinblick auf den eigenen Körper entwickeln. Denn meine drei vorhin genannten Kernthemen hängen unmittelbar zusammen: wer sich ausreichend bewegt und gesund ernährt, bei dem ist i.d.R. auch die mentale Gesundheit im Lot. Wenn ich zum Beispiel mit dem Thema Ernährung starte, führe ich zunächst mit jedem einzelnen Mitarbeiter eine Stoffwechsel-Analyse in Form eines Atemtests durch. Hierbei handelt es sich um eine Ruhe-Messung, bei der der Grund- und Leistungsumsatz des Körpers ermittelt wird. Nach der Messung werden jedem Mitarbeiter die Ergebnisse ausführlich erklärt und wichtige Tipps mitgegeben. Da vorab bereits ein Konzept mit dem Geschäftsführer oder Personalleiter besprochen wurde, wird darauf aufbauend der nächste Schritt durchgeführt: z.B. ein Kochevent mit dem Team nach Feierabend, bei dem ich zeige, wie man schnell und einfach gesunde Mahlzeiten zubereitet, oder Ernährungsseminare direkt im Unternehmen. Zeitgleich zu diesem Schritt kann man natürlich auch schon Maßnahmen im Bereich Bewegung anbieten

RM: Machen Sie die Sport-Sessions auch eigenständig oder haben Sie hier Partner, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Philipp Borgböhmer: Mein Kooperationspartner im Bereich Bewegung ist Blackband CrossFit in Bochum. Gemeinsam führen wir bewegungsspezifische Maßnahmen in Unternehmen oder alternativ direkt bei Blackband CrossFit durch. Was sich vor Ort im Unternehmen gut umsetzen lässt, ist die „bewegte Pause“, ein kurzes Sport-Programm, das circa 15-30 Minuten dauert und für das man sich auch nicht extra umziehen muss.

RM: Die Quintessenz: Welche konkreten Vorteile bieten BGM und BGF dem Arbeitgeber?

Philipp Borgböhmer: Beides trägt zum Teambuilding bei und steigert dadurch auch die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Das Team ist motivierter, was die Stimmung am Arbeitsplatz verbessert. Konsequente Maßnahmen reduzieren zudem krankheitsbedingte Ausfälle und steigern die Produktivität und Qualität der erbrachten Arbeit, was wiederum zu einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens führt. Und nicht zuletzt schärft das Unternehmen, wie bereits zu Beginn erläutert, mit BGM sein Employer Branding und steigert somit seine Attraktivität als Arbeitgeber. Miriam Leschke | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 07/2019

Suche