Alfried Krupp Krankenhaus: Kollege Roboter

Die Klinik für Urologie und urologische Onkologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen-Steele setzt auf modernste Medizintechnik. Im Operationssaal werden die Mediziner vom Roboter-Assistenz-System „DaVinci“ unterstützt.
Chefarzt Dr. Stephan Buse Foto: Copyright: kontakt@stephan-eichler.de
Chefarzt Dr. Stephan Buse Foto: Copyright: kontakt@stephan-eichler.de
Mit Dr. Stephan Buse hat die Klinik für Urologie und urologische Onkologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen-Steele einen erfahrenen Mediziner, der die Robotische Chirurgie in den Klinikalltag gebracht hat. Dabei setzt der Chefarzt auf das „DaVinci“-Operationssystem. „Derzeit ist der Operationsroboter weltweit das modernste Verfahren auf dem Gebiet der minimalinvasiven Chirurgie. In Essen wird es bei laparoskopischen Eingriffen eingesetzt, bei denen der Operateur durch einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke die benötigten Instrumente einführen kann. Umgangssprachlich wird diese Operationsmethode auch ‚Schlüsselloch-Chirurgie‘ genannt“, erklärt der Chefarzt und stellvertretende Ärztliche Direktor. Trotz hochpräziser Unterstützung durch den Roboter bleibt der operierende Arzt Herr des Geschehens. So werden alle Bewegungen über die Instrumentenarme des „DaVinci“ vom Mediziner selbst durchgeführt. „Das System führt keine Bewegungen selbsttätig oder über ein Programm durch“, versichert der 47-Jährige, der vor zehn Jahren Chefarzt der Klinik für Urologie und urologische Onkologie am Alfried Krupp Krankenhaus wurde. Während der Operation wird der Operateur an der Konsole von einem Kollegen unterstützt, der direkt beim Patienten am OP-Tisch steht. So ist jederzeit gewährleistet, dass sämtliche Tätigkeiten über das Robotersystem überwacht werden.

Doch bei welchen Diagnosen kommt „DaVinci“ überhaupt zum Einsatz? „Das sind vor allem urologische Operationen“, weiß der erfahrene Mediziner. „Im Fokus stehen die sehr schonende Entfernung von Prostatakarzinomen und Nierentumoroperationen. Dabei hat die Erhaltung des Organs oberste Priorität. Ein weiterer Anwendungsbereich ist die komplette Entfernung der Harnblase sowie rekonstruktive Eingriffe.“ Zu den häufigsten roboterunterstützten Operationen von Dr. Stephan Buse zählt die komplette Entfernung der Prostata. Die kleine Drüse unter der Blase macht Männern oftmals große Probleme. Noch vor Lungen- oder Darmkrebs rangiert der Prostatakrebs ganz oben bei Krebserkrankungen von Männern. Über 12.000 Betroffene überleben diese Erkrankung nicht. Umso wichtiger ist die frühzeitige Erkennung von Prostatakarzinomen. Auch bei der Früherkennung setzt die Klinik für Urologie und urologische Onkologie am Alfried Krupp Krankenhaus auf diese bahnbrechende Technologie. „Wir setzen hier auf ‚Artemis‘. Das ist ein Ultraschall-Biopsiegerät, mit dem wir sehr präzise Gewebeproben an den befallenen Stellen entnehmen können.“ In der Praxis präsentiert „Artemis“ hochauflösende 3D-Ansichten, die aus Magnetresonanztomografien (MRT) und modernsten Live-Ultraschallbildern entstehen. Ein weiterer Vorteil ist die Memory-Funktion von „Artemis“. Dr. Stephan Buse: „Nicht immer verursacht Prostatakrebs Symptome. Daher müssen sie auch nicht behandelt werden. Allerdings steht eine weitere Beobachtung an. Jede durchgeführte Biopsie merkt sich das Gerät. So lässt sich zuverlässig feststellen, ob und wie sich der Krebs weiterentwickelt hat. Dieser Semi-Roboter ist bisher nur in sehr wenigen Kliniken in Deutschland und Europa im Einsatz.“

Chirurgie 4.0

Bei der „Schlüssellochtechnik“ handelt es sich um eine minimalinvasive Operationsmöglichkeit, die durch „DaVinci“ revolutioniert wurde. „So können wir auf große Bauchschnitte verzichten“, erklärt Dr. Buse, der zuvor in Heidelberg und Zürich gearbeitet hat und heute zu den europaweit gefragtesten „DaVinci“-Experten zählt. Damit er während des Eingriffs den Überblick behält, sorgt eine hochauflösende Kamera für dreidimensionale Bilder aus dem Innern des Körpers. Selbst feinste Strukturen werden so realistisch dargestellt. „Natürlich profitiert auch der Patient von diesem Verfahren. Der Blutverlust ist viel geringer als bei konventionellen Operationen. Nach dem Eingriff bleiben nur sehr kleine Narben zurück. Hinzu kommt die Tatsache, dass Patienten deutlich weniger Schmerzen haben und der Gesundungsprozess schneller vonstattengeht.“ Dr. Stephan Buse und sein 16-köpfiges Ärzteteam hat sich auf folgende medizinische Schwerpunkte spezialisiert: „DaVinci“-assistierte Operationen der Prostata mit intraoperativer Schnellschnittdiagnostik durch eine unmittelbar stattfindende pathologische Begutachtung. Als Nierenzentrum mit interdisziplinärer nephrologischer Zusammenarbeit verfügt die Klinik für Urologie und urologische Onkologie über eine hohe Expertise bei minimalinvasiver Nierentumorchirurgie. Mithilfe des „DaVinci“-Systems und dem Einsatz von intraoperativer Ultraschalltechnik können Nieren erhalten bleiben. Insgesamt hat es der Chefarzt in den letzten zehn Jahren auf mehr als 4.500 minimalinvasive Operationen in diesem Bereich gebracht. Mit dieser langjährigen Erfahrung gilt die Urologie des Alfried Krupp Krankenhaus als Europäisches Referenzzentrum für „DaVinci“-assistierte Blasentumorchirurgie mit Durchführung einer komplett intrakorporalen Harnableitung. „Während der mehrstündigen Operation entfernen wir die kranke Harnblase und formen aus einem rund 50 Zentimeter langen Stück des Dünndarms eine Neoblase“, so Dr. Buse weiter. Als DVPZ-zertifiziertes Prostata-Zentrum wird modernste Lasertechnik zur Behandlung gutartiger Vergrößerungen der Prostata eingesetzt. Neben der höchstpräzisen Diagnostik von Prostatakrebs gehört die moderne Steintherapie des Nieren- und Harnleiterstein-Zentrums zum medizinischen Portfolio. Besonders stolz ist Dr. Stephan Buse auf das europäisch zertifizierte „DaVinci“-Ausbildungszentrum, in dem Ärzte aus dem In- und Ausland die Grundlagen des roboterunterstützten Operierens erlernen können. So fand unter Leitung des Essener Chefarztes an der Uni-Klinik im finnischen Kuopio im September die erste roboterassistierte Blasenentfernung mit kompletter Neuanlage einer Ersatzblase statt. Zuvor hatte das finnische Ärzteteam die aufwendige OP-Technik bei einem Besuch im Alfried Krupp Krankenhaus intensiv kennengelernt. Im Einklang mit dem medizinischen Versorgungsauftrag und dem Stiftungsgedanken des Alfried Krupp Krankenhaus sind sämtliche Behandlungskosten der Operationen und Anwendungen rund um das „DaVinci“-System durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen vollständig abgedeckt. „Unsere Patienten müssen also nichts zusätzlich zahlen“, verspricht der Chefarzt. Gespannt ist Dr. Stephan Buse auf die kommenden zwei Jahre. „Dann kommen neue Operationsroboter auf den Markt, die noch innovativer sind als das bestehende ‚DaVinci‘-System. Dabei wird der Fokus auf eine noch präzisere technische Unterstützung für den Operateur gelegt. Aber auf keinen Fall wird der Roboter den Menschen ablösen – jedenfalls jetzt noch nicht.“ Holger Bernert | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 08/2019

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Hellweg 100,
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Fax:0201 8051131

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