CO2-Kompensation: Emissionen effektiv kompensieren

Ohne CO2-Emissionen funktioniert unsere Wirtschaft nicht. Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung stellen, können ihre Emissionen reduzieren, vermeiden oder, wenn nicht vermeidbar, kompensieren.
Weltweit demonstrieren Menschen für mehr Klimaschutz (Foto: ©DisobeyArt – stock.adobe.com)
Weltweit demonstrieren Menschen für mehr Klimaschutz (Foto: ©DisobeyArt – stock.adobe.com)
Fridays for Future, Flugscham und ökologischer Fußabdruck – der Klimawandel bringt sowohl Unternehmen als auch Privatmenschen dazu, ihre Konsumentenhaltung sowie das Umweltverhalten zu hinterfragen und möglicherweise zu ändern. Für 64 Prozent der Bundesbürger sind die Aspekte Umwelt- und Klimaschutz wichtig, stellt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein des Bundesumweltamtes heraus. Umwelt- und Klimaschutz werden in vielen Bereichen als Erfolgsbedingung für die Bewältigung anderer gesellschaftlicher Herausforderungen gesehen, heißt es weiter. Ob als Unternehmen oder Konsument, man hat zwei Optionen, wenn man umweltbewusst handeln und seinen CO2-Ausstoß reduzieren möchte: vermeiden oder kompensieren. Nicht vermeiden, aber verringern lassen sich CO2-Emissionen mit energieeffizienten Geräten. Weitere Beispiele sind Videokonferenzen statt Geschäftsreisen, Umstellung auf Ökostrom, Bahnfahrten innerhalb Deutschlands statt Flugreisen usw. Technologische Lösungen für eine emissionsfreie Wirtschaft gibt es nicht. Können die klimaschädlichen Emissionen nicht vermieden oder reduziert werden, gibt es die Möglichkeit der Kompensation (engl. carbon offsetting), also einen Ausgleich zu erzielen. Kompensationen sind Zahlungen, um treibhausgasmindernde Investitionen zu finanzieren, beispielsweise Windkraftanlagen in Entwicklungsländern.

Das Kyoto-Protokoll

Im Kyoto-Protokoll 1997 ist festgelegt, dass das Klimasekretariat der Vereinten Nationen die Klimaschutzprojekte mittels eines zugrundeliegenden Anerkennungsprozesses, der international gültig ist, akzeptieren muss. Nur mit dieser Anerkennung sind Gutschriften in Form von CER (Projekte in weniger entwickelten Ländern, sogenannte CDM-Projekte) oder ERU (Projekte in Industrieländern, sog. JI-Projekte) zu erwerben. Einheitlich ist in beiden Fällen das Prozedere: Ein Investor fördert in einem Land ein emissionsminderndes Klimaprojekt und nimmt im Gegenzug Emissionsgutschriften entgegen. Nun kann ein Unternehmen diese Zertifikate abkaufen und somit seine CO2-Emissionen kompensieren. Es gibt des Weiteren die Möglichkeit, eine bestimmte Aktivität wie Geschäftsreisen zu kompensieren oder aber den Gesamtwert der unternehmerischen CO2-Emissionen zu ermitteln und entsprechend zu kompensieren. Die gemeinnützige GmbH Klima ohne Grenzen nennt folgende Gründe, warum Unternehmen ihre CO2-Emissionen ausgleichen: beispielsweise wenn sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, wenn sie eine Vorbild- oder Führungsposition in Sachen Klimaschutz einnehmen oder wenn sie eigene Kunden und Lieferanten in ihr Engagement einbeziehen möchten. Klimaneutrale Unternehmen, die ihrerseits Emissionen vermeiden bzw. die unvermeidbaren kompensieren, erhalten ein Differenzierungsmerkmal für ihre Produkte oder Dienstleistungen, das sich gut kommunizieren lässt.

Klimaschutzprojekte

Es gibt diverse Anbieter von Klimaschutzprojekten. Bundesweit bekannt sind beispielsweise Atmosfair, das sich darauf spezialisiert hat, freigesetzte Emissionen von Flugreisen zu kompensieren, oder Myclimate, das sich auf Abfallmanagement sowie Kompost, Biogas, Biomasse, effiziente Kocher, Energieeffizienz, Landnutzung und Wald, Solar, Wasser (Reinigen und Sparen), Wasserkraft und Wind fokussiert. Atmosfair leitet die Spenden der Flugreisenden an Klimaschutzprojekte weiter, zum Beispiel ein kleines Wasserkraftwerk (13,8 MW) in Honduras. Hierbei können jährlich 36.000 Tonnen CO2 eingespart werden. In die lokale Umwelt wird dabei nur geringfügig eingegriffen, da das Gefälle vor Ort sehr groß ist. Des Weiteren werden zusätzlich vier Dörfer in der näheren Umgebung des Wasserkraftwerks elektrifiziert und 70 dauerhafte Arbeitsplätze sind durch das Projekt entstanden. Zwei Aspekte sollten Unternehmen besonders berücksichtigen, wenn es um Klimaschutzprojekte geht: Einerseits geht es um die CO2-Bilanz des Unternehmens.Es gibt international gültige Standards, die für die Ermittlung der Emissionen eines Unternehmens eingesetzt werden, beispielsweise DIN ISO 140064 oder das Greenhouse Gas Protocol (GHP-Protokoll). Andererseits spielt die Qualität des Klimaschutzprojekts eine wichtige Rolle. Hier ist das Zertifizierungslabel Gold Standard eine guter Indikator für die Projektqualität. Laut dem Umweltbundesamt ist die Gold-Standard-Foundation eine Non-Profit-Zertifizierungsorganisation, die in der Schweiz registriert ist. Zertifiziert werden nur Projekte, die nachweislich Treibhausgase reduzieren und gleichzeitig die lokale Umwelt sowie die sozialen Interessen der Bevölkerung unterstützen. Auch die Stiftung Warentest hat im Finanztest 3/2018 sechs CO2-Kompensationsanbieter getestet: Arktik, Atmosfair, Klima-Kollekte, Klimamanu­faktur, Myclimate und Primaklima. Die Testkriterien: Qualität der Kompensation, Transparenz sowie Leitung und Kontrolle.

Kein Greenwashing

Waldprojekte sind als Klimaschutzprojekte umstritten. In Anbetracht dessen, dass sich die Kompensation eindeutig positiv auf das Klima auswirken soll, sind Aufforstungen nicht als seriöse Projekte einzustufen, da sie fehlschlagen können. Denn brennt beispielsweise eine aufgeforstete Waldfläche ab, ist der Effekt für das Klima gleich null. Mit dem Klimaschutzprojekt sollte ein Unternehmen jedoch keine Greenwashing-Maßnahmen betreiben. Die Finanzierung solcher Projekte ist nur dann authentisch und glaubwürdig, wenn im Unternehmen bereits eigene interne Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. So verbessern die internen und auch die externen Maßnahmen nicht nur das Klima, sondern sie können auch gut für das Engagement des Unternehmens öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden. Karin Bünnagel | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 08/2019