Industrieservice: Machen lassen

Intelligent outsourcen. Industrieservice-Dienstleister tummeln sich auch in den Sparten Wartung, Inspektion, Instandsetzung oder Modernisierung sowie der Anlagenoptimierung.
Spezialauftrag im Industrieunternehmen (Foto: ©hedgehog94 – stock.adobe.com)
Spezialauftrag im Industrieunternehmen (Foto: ©hedgehog94 – stock.adobe.com)
„Sie können alles selbst machen. Verträge abschließen, Mieter betreuen, Betriebskosten kontrollieren, Rasen mähen. Sie können aber auch die entscheidenden Prozesse, die nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören, intelligent outsourcen. So gewinnen Sie professionell Freiräume für Ihr Kerngeschäft“, beschreibt einer der großen Player der Branche das Aufgabenspektrum der Industrieservice-Anbieter. Die sind bei der Reinigung und Inspektion von Tanks, Rohrleitungssystemen und Apparaten ebenso unterwegs wie in den Bereichen Freiflächenmanagement und Hygiene. Sie sind aber auch Akteure, wenn es um Sicherheitsdienstleistungen im Werk- und Objektschutz geht, um Flughafensicherheit, Notrufzentralen oder die Bewachung militärischer Einrichtungen. Etwas unaufgeregter geht es im Empfangs-, Messe- und Veranstaltungsdienst, bei der Fahrgastbetreuung oder bei Verpackungs-Dienstleistungen zu. Industrieservice ist vielschichtig. Auftraggeber sind vorwiegend in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, der chemischen Industrie, aber auch bei Banken, Flughäfen, Hotellerie, Gastronomie, Krankenhäusern, Schulen und Hochschulen, kommunalen Einrichtungen, in der Wohnungswirtschaft sowie bei Einrichtungen im Freizeitbereich zu finden. Das vielfältige Leistungsangebot reicht von der Abdeckung von Auslastungsspitzen über Services, die Spezialwissen erfordern, bis hin zu Engineering-Services und dem Outsourcing von komplexer Instandhaltung. Die meisten Anbieter sind mittelständische und auch kleine Unternehmen, die sich auf „Spezialitäten“ und regionale Kunden konzentrieren. Sie punkten durch Leistungsbreite in der klassischen Instandhaltung, insbesondere auch durch spezifisches Branchen-Knowhow.

Überdurchschnittliches Wachstum

Die führenden Industrieservice-Unternehmen in Deutschland sind 2019 im Durchschnitt um 6,4 Prozent gewachsen. „Damit erreichen sie trotz schwacher wirtschaftlicher Rahmendaten das zweite Jahr in Folge ein überdurchschnittlich hohes Wachstum. Wesentliche Wachstumstreiber waren gehäufte Turnarounds und Shutdowns sowie Lohneffekte aufgrund des Personalmangels“, analysiert Lünendonk. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen recherchiert ein Ranking der 20 führenden Industrieservice-Unternehmen in Deutschland. Marktführer ist danach Bilfinger. Das international tätige Industrie-Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Mannheim erwirtschaftete 2019 einen Inlandsumsatz von 963 Millionen Euro. Insgesamt beträgt die weltweite Leistung 4,3 Milliarden Euro. In Deutschland beschäftigt Bilfinger 7.000 Mitarbeiter. Auf Rang zwei folgt die Wisag Industrie Service Holding, die Top drei komplettiert mit einem Deutschlandumsatz von 740 Millionen Euro die Sparte Maintenance and Services von Remondis.

Neuer Verband bündelt

Mit zehn Prozent Corona-Umsatzrückgängen müssen die Unternehmen der Branche fertig werden, herausfordernde Zeiten auch für drei Verbände, die eine Neuausrichtung anstreben. FDBR, WVIS und SET haben sich zum Verbändeverbund „VAIS“, dem Verband für Anlagentechnik und Industrieservice, zusammengeschlossen. Mit mehr als 700.000 Mitarbeitern und einem Geschäftsvolumen von 65 Milliarden Euro repräsentiert der Verband den mit Abstand größten Branchen-Zusammenschluss.

Wachstumspotenzial

„Wir kämpfen seit Jahren dafür, dass die wachsende Branche aus der Vielfalt der industrienahen Dienstleistungen als Leuchtturm sichtbar wird und sich positioniert. Hierfür ist nicht nur eine klare Abgrenzung zum allgemeinen Dienstleistungssektor erforderlich, sondern vor allem die Bekanntmachung der gewachsenen Rolle des Industrieservice in der Wertschöpfungskette der Industrie“, analysiert VAIS-Geschäftsführer Dietmar Kestner, dass die Branche große Anstrengungen in der Selbstdarstellung unternehmen müsse: „Wir sind nahezu unbekannt.“ Er sieht trotz des Corona-Bebens neue Wachstumspotenziale in den Kundenbranchen und hofft auf eine Erholung des Marktes bis 2023.
Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 05/2020