Blechverarbeiter: Allrounder in Form bringen

Blechverarbeitung ist zentrales Thema in der Fertigung, besonders in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Stahlbau, Leichtmetallbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik.
Foto: © tiero – stock.adobe.com
Foto: © tiero – stock.adobe.com
Blech ist ein historischer Werkstoff, aber auch ein Produkt, das aus der modernen Fertigung nicht wegzudenken ist: Blech ist ein Allrounder in vielen Bereich einzusetzen, immer noch modern. Die Ritterrüstung wird nicht am Anfang des geformten Blechs gestanden haben, Alltagsgegenstände waren im täglichen Leben schon immer wichtiger und machten wohl auch unseren Ahnen das Leben leichter: Einige Beispiele sind herausragend. So ist es gut 200 Jahre her, dass das Patent auf die Blechbüchse angemeldet wurde. Kaiser Napoleon hatte eine Prämie von 12.000 Goldfranken ausgelobt, um Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln zu finden. Er wollte seinen Soldaten bessere Verpflegung bieten. Die „Konserve“ war die gefeierte Lösung, die sich auf ihrem Siegeszug nicht aufhalten ließ. Sie ist ein schönes Beispiel für die Alltagstauglichkeit von dünnem Metall. Blech ist aber weit mehr als Verpackungsmaterial für Lebensmittel. Blech ist allgegenwärtig, behauptet seinen Platz auch in Zeiten ständiger Innovation.
Großes Einsatzspektrum
Das Einsatzspektrum von Blech ist riesengroß: Der Konstruktionswerkstoff ist leicht formbar und ein „Leichtgewicht“. Mit solchen Startvorteilen ist Blech eine gebräuchliche Alternative zu Guss-, Stahlbau- und Kunststoffkonstruktionen. Bleche sind in der Regel dünn, stabil, elastisch und eben. Man kann sie biegen, stanzen oder schneiden. Viele Unternehmen der Branche sind breit aufgestellt, bieten etwa neben der Blechverarbeitung auch schlossereitypische Arbeiten an. Sie sind auch als Lohnfertiger in den Bereichen Abkanten, Laserschneiden, Stanznibbeln, Freiformbiegen, Schweißen, Runden/Rundbiegen, Punktschweißen, Punkten, Nieten oder Rundwalzen aktiv. Viele mittelständische Unternehmen spezialisieren sich, bieten Stanz-Nibbeln, NC-Kanten, MIG-MAG, WIG, Bolzen-, Punkt- und Aluminiumschweißen an oder verarbeiten neben den üblichen Werkstoffen auch Aluminiumbleche, hochwarmfeste Werkstoffe, Edelstahlbleche oder Werkstoffe mit geschliffenen, gebürsteten oder polierten Oberflächen: Auch in den verschiedensten Dicken. Tafelscheren und Abkantpressen kommen zum Einsatz, Schwenkbiegemaschine bringen Bleche in Form. Auch laser-, plasma-, oder wasserstrahlgeschnittene Bleche werden auf Kundenwunsch konfektioniert und weiterverarbeitet. Heute ist die Auswahl an Formaten und Materialstärken nahezu grenzenlos, unterschiedliche Legierungen bieten unterschiedlichste Eigenschaften. Chrom, Nickel, Silizium, Molybdän, Niob, Kupfer und Titan – das ist nur eine kleine Auswahl der Elemente, die der Stahlschmelze hinzugefügt werden und das Einsatzspektrum erweitern können. Aufgrund dieser Spezifika eignen sie sich für alle Arten von Verkleidung und Abdeckung.
Zentrales Thema der Fertigung
Ebenso vielfältig wie die Material-Komponenten ist auch ihr Einsatz: Blechbearbeitung ist zentrales Thema in der Fertigung, besonders in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Stahlbau, Leichtmetallbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik. Blech wird heute von drei großen Hauptverbrauchergruppen eingesetzt: Die Fahrzeugtechnik ordert etwa 50 Prozent, die Eisen-, Blech- und Metallindustrie verarbeitet jeden fünften Quadratmeter, die Elektrotechnik etwa 15 Prozent. Blech wird zum Bau von Brücken verwendet, Autos und Schiffe werden aus diesem Material gefertigt, aber auch Rohre und „Weiße Ware“. Die Spezialisten der Blechverarbeitung entwickeln von der Konstruktion bis hin zum fertigen Produkt und produzieren hochwertige Erzeugnisse für vielseitige Einsätze. „Sie sind in der Lage, mit moderner Fertigungstechnik und geschultem Personal maßgeschneiderte und bedarfsgerechte Lösungen für die jeweiligen Anforderungen anzubieten“, heißt es beim zuständigen Industrieverband.
Mehrere Standbeine
„Oft sind die Unternehmen sowohl in der Umformung als auch in der Bearbeitung unterwegs“, weiß der Industrieverband Blechumformung (IBU). Die 240 Verbandsmitglieder sind mehrheitlich Zulieferer der Automobil- und Elektronikindustrie, des Maschinen- und Anlagenbaus, der Möbel- und Bauindustrie sowie der Medizintechnik. Das Umsatzvolumen der Branche betrug im Jahr 2018 rund 21,85 Milliarden Euro bei 105.349 Beschäftigten. „Die technischen Trends der Gesamtbranche sind sehr ähnlich. Themen wie Digitalisierung und Vernetzung, Effizienzsteigerung, Nachhaltigkeit oder Nachwuchswerbung werden intensiv diskutiert“, analysiert der IBU.
Familiengeführte Unternehmen
Geschmiedet, gepresst, gestanzt, gezogen, gesintert, gedreht, gebogen und geschweißt wird auch in der stahl- und metallverarbeitenden Industrie in Deutschland. Das sind weitere rund 5.000 vorwiegend familiengeführte Betriebe, die mit 500.000 Beschäftigten 80 Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften. Die Unternehmen beschäftigen im Durchschnitt 100 Mitarbeiter. Auch hier sind viele Blechverarbeiter unterwegs, eine klare Abgrenzung der Branche ist kaum möglich. Grundsätzlich sind die Unternehmen aber übergreifend vorwiegend mittelständisch geprägte Familienunternehmen mit hoher Spezialisierung und Wettbewerbserfahrung. Sie fertigen in kleinen und großen Serien ein Produkt, das von Kleinteilen bis hin zu kompletten Baugruppen reicht. Zu nennen wären etwa Schaltschränke, Computergehäuse, Türbeschläge, Scharniere, Federn, Schlüsselrohlinge, Gehäuse usw. Vom Biegeteil bis zum hochsensiblen elektronischen Gerät, vom kompletten Automaten bis zum Präsentationssystem.
Die Dose und ihr Öffner
Präsentieren kann sich auch die Spezialbranche „Dose“. Die „Blechbüchse“ nimmt einen Aufschwung ohnegleichen. Fast 300 Milliarden Dosen werden mittlerweile Jahr für Jahr gefüllt. Sie konservieren Früchte, Gemüse, Fertiggerichte oder im gigantischen Umfang Getränke. Die Konservendose ist aber auch ein Beispiel, dass Neuentwicklungen und Erfindungen „ganzheitlich“ betrachtet werden sollten. Als die Dose erfunden wurde, gingen die Nutzer mit Schneide- und Schlagwerkzeugen oder gar dem Bajonett daran, an den Inhalt der dickwandigen Metalldose zu gelangen. Der kleine Fehler im System: Der Dosenöffner sollte erst 50 Jahre später erfunden werden. Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de

Fotostrecke

Ausgabe 08/2019