Autark: Ermittlungen gegen Autark Entertainment

Das Musical „Wallace“ im Duisburger Theater am Marientor ist Geschichte. Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen den vorbestraften gebürtigen Siegerländer Stefan Kühn wegen Verdacht des Anlagebetrugs.
Autark-Chef Stefan Kühn
Autark-Chef Stefan Kühn
„Die Pleite kam vor der Premiere“, schrieb die WELT AM SONNTAG und bezog sich damit auf das Ende des Musicals „Wallace“, das am 14. November im Duisburger Theater am Marientor (TAM) hätte Premiere feiern sollen: „Die Werbekampagne lief seit Monaten. Fast überall im Ruhrgebiet sah man die Plakate. An nichts wurde gespart, die Firma Autark Entertainment wollte den Musicalmarkt von Duisburg aus neu aufrollen und den Marktführer Stage Entertainment herausfordern.“ Daraus wurde nichts, das TAM musste Ende Oktober Insolvenz anmelden.

Mutmaßliche Erpressung

Autark-Chef Stefan Kühn selbst sieht sich als Opfer einer Pressemitteilung vom September dieses Jahres, die mutmaßlich der Herausgeber der Internetseite www.gerlachreport.com an die Deutsche Presseagentur lancierte. Der Meldung zufolge sei das Musical am Ende und die Proben würden eingestellt. So berichten es der WDR ebenso wie RP online. Das Portal „derwesten.de“ berichtete nach dem Insolvenzantrag und dem tatsächlichen Aus für Musical und Theater Ende Oktober von einem „Imageschaden durch Falschmeldungen“: „Ein weiterer Grund für die Geldnot des Theaters seien gescheiterte Gespräche mit Investoren. Diese wären (nach Aussage von TAM-Pressesprecher Stefan Mohr) durch ‚permanente und haltlose Aussagen im Internet‘ abgeschreckt worden.“ So schreibt WDR online, Autark-Chef Stefan Kühn werde von einem Mann aus den USA erpresst. Nur gegen Zahlung von 2,5 Millionen Euro würden die Erpresser davon absehen, weitere Falschmeldungen zu verbreiten. Die Staatsanwaltschaft in Bamberg ermittele hier gegen den Verbreiter der Falschmeldungen. Tatsächlich lässt die Internetseite www.gerlachreport.com kein gutes Haar an Stefan Kühn. Demnach hätten „Berufsverbrecher Stefan Kühn“ und seine Ehefrau „mehr als 3.500 Anleger und Investoren (…) um mehr als 50 Millionen Euro abgezockt“. Dies sei „einer der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegszeit“.

Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt

Wie Staatsanwältin Marieke Alberty gegenüber dem REGIO MANAGER bestätigte, ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund seit Ende 2016 wegen Verdachts des Anlagebetrugs gegen Stefan Kühn und die Autark Gruppe. Es sei eine Vielzahl von Strafanzeigen gegen Kühn und weitere Beschuldigte eingegangen. Welche Unternehmen der Gruppe betroffen sind, wie hoch der mutmaßliche Schaden ist und wie viele mutmaßliche Opfer es gibt, dazu wollte sich die Staatsanwältin nicht äußern. Nach aktuellem Sachstand dauerten die Ermittlungen an; die Anklage ist noch nicht eröffnet. Ein Blick auf die Internetseite der Autark Group gibt jedoch Auskunft über den potenziellen Umfang: „Was vor circa drei Jahren mit einer Beteiligungsgesellschaft begann und als alternative Finanzierung für innovative mittelständische Unternehmen im Stil einer Schwarmfinanzierung gedacht war, hat sich heute zu einer der größten Investitionsgemeinschaften in Deutschland mit mehr als 3.200 Partnern und einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 130 Millionen Euro entwickelt.“

Finanztest warnte schon 2017

Seit Anfang 2017 berichtete das Magazin „Finanztest“ (Stiftung Warentest) wiederholt über die Autark Gruppe und setzte den Anbieter auf die Warnliste Geldanlage, welche vor „dubiosen, unseriösen oder sehr riskanten Geldanlageangeboten“ warnt. Es wurde empfohlen, alle Einzahlungen zu stoppen. Nach der Insolvenz des TAM schreibt „Finanztest“: „Anleger wurden von Anfang an belogen – die Insolvenzanmeldung des Theaters ist ein weiteres Indiz dafür, dass Anleger der Autark-Gruppe ihr Geld nicht wiedersehen werden.“ Insgesamt sollen Anleger rund 50 Millionen Euro eingezahlt haben. Nach kurzen Online-Recherchen zeigt sich, dass es gleich mehrere Rechtsanwälte gibt, die sich darauf spezialisiert haben, die Interessen der Autark-Anleger zu vertreten (u.a. Ginter Schiering, EBP Rechtsanwälte oder Benedikt-Jansen, Dorst & Kar).

Drei Jahre und zwei Monate Haft

Wie anonym dem REGIO MANAGER zugespielte Urteile, Anklageschriften und Aktennotizen belegen, ist Stefan Kühn bzw. Dr. Stefan Kühn, geborener Koschate, bzw. Stefan Koschate bei diversen Staatsanwaltschaften und Gerichten in Deutschland und der Schweiz kein Unbekannter. Im Jahr 2010 wurde er bereits wegen Untreue in 68 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Damals hatte er zusammen mit seinem Kompagnon Torsten Schardt, der wie Kühn im Siegerland geboren wurde, Kapitalanleger mit einem undurchsichtigen Firmengeflecht um mehrere Millionen Euro erleichtert.
Ausgabe 08/2019