Unternehmenspraxis (Ausgabe 03/2021)

(© picsfive – stock.adobe.com)
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PERSONAL und KARRIERE

Mehr Beschäftigte in der Pflege

Die Zahl der Beschäftigten in der Alten- und Gesundheitspflege ist trotz Pandemie weiter gestiegen. Im vergangenen Oktober (bis zu diesem Monat liegen der Bundesagentur, kurz BA, derzeit Daten vor) gab es in der Gesundheits- und Altenpflege rund 1,77 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 43.300 mehr als ein Jahr zuvor. Das gesamte Gesundheitswesen gehört zu den wenigen Branchen, die vergangenes Jahr nicht von einem Beschäftigungsrückgang betroffen waren. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pflege laut BA überdurchschnittlich um 14 Prozent gestiegen. Bezogen auf alle Beschäftigten lag der Anstieg bei acht Prozent. Den in den vergangenen Monaten diskutierten Rückgang von 9.000 Beschäftigten in der Pflege kann die BA aus den aktuell vorliegenden Daten also nicht bestätigen. „Zwar war die Zahl der beschäftigten Alten- und Krankenpflegekräfte in den Monaten März bis Juli 2020 minimal gesunken (-0,5 Prozent). Allerdings ist dieser saisonale Rückgang in der Krankenpflege jedes Jahr festzustellen und war überwiegend nicht durch die Pandemie bedingt. Ursache sind etwa endende Ausbildungsverhältnisse und angepasste Stellenbesetzungsprozesse vor den Sommerferien“, so die Behörde. Fest steht dagegen, dass es einen deutlichen Fachkräftemangel gibt: Auf aktuell 12.700 gemeldete Stellen für Fachkräfte in der Gesundheitspflege kommen lediglich 5.800 Arbeitslose. In der Altenpflege sind für 12.800 Stellen nur 3.600 Arbeitslose registriert.

Corona: 60 Prozent lassen sich testen

Die Testbereitschaft in Betrieben lag im späten Frühjahr bei rund 60 Prozent der Präsenzbeschäftigten. Das geht aus der Mai-Konjunkturumfrage des ifo Instituts hervor. Am meisten testen demnach die Beschäftigten bei den Dienstleistern mit 61,9 Prozent. Es folgt der Großhandel mit 61,3 Prozent. In der Industrie sind es 59,3 Prozent, im Einzelhandel 55,5 Prozent. Am wenigsten wird das Angebot in der Baubranche genutzt; dort sind es 52,7 Prozent der Beschäftigten. Firmen sind dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten Corona-Tests im Betrieb anzubieten. Stand Anfang Juni tun dies 93 Prozent der Unternehmen. In 4,6 Prozent arbeiten die Beschäftigten noch von zu Hause und 2,3 Prozent der Firmen haben das Testangebot noch nicht umsetzen können. In der Industrie bieten sogar 98,9 Prozent der Firmen Tests an, auf dem Bau 95,9 Prozent, im Großhandel 95,2 Prozent und im Einzelhandel 93,1 Prozent. Bei den Dienstleistern sind es 88,8 Prozent; dort sind allerdings auch 8,3 Prozent der Beschäftigten nicht im Betrieb.

Moderate Renteneinbußen durch Krise

Der tiefe Wirtschaftseinbruch durch die Corona-Krise hat bislang nur relativ geringe Auswirkungen auf die Rentenansprüche älterer Beschäftigter. Auch im Falle von Kurzarbeit oder bei kürzerer Arbeitslosigkeit sind für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte jenseits der 50 die Einbußen bei der zu erwartenden gesetzlichen Rente zunächst moderat, weil ein großer Teil der Beiträge von der Arbeitsagentur übernommen wird. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte neue Studie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dr. Johannes Geyer vom DIW Berlin analysiert, wie stark die künftigen Renten unter der aktuellen Krise leiden werden. Dabei hat der Forscher den Blick auf die älteren Erwerbstätigen gerichtet, denen weniger Zeit bleibt als jüngeren, um mögliche Rückschläge auszugleichen. Der Forscher kommt zu dem Ergebnis: Die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen muss – verglichen mit einem Szenario ohne Coronakrise – einen „leichten Rückgang von etwa einem Prozent der Rentenanwartschaften“ hinnehmen. Diese „günstige Entwicklung“ erklärt sich Geyer zufolge „vor allem daraus, dass ein großer Teil der Beschäftigungseffekte durch den Einsatz von Kurzarbeit aufgefangen wurde und die Langzeitarbeitslosigkeit zwar zunimmt, aber nicht in einem Maße, dass davon breite Gruppen der Beschäftigten bedroht wären“.


KONJUNKTUR

Pandemie: Hilfen verlängert

Die Bundesregierung hat die Überbrückungshilfen für betroffene Unternehmen und Soloselbstständige bis zum 30. September 2021 als Überbrückungshilfe III Plus verlängert. Die Förderbedingungen werden beibehalten. Neu hinzu kommt die Restart-Prämie, mit der Unternehmen einen höheren Zuschuss zu den Personalkosten erhalten können. Die Neustarthilfe wird ebenfalls bis zum 30. September 2021 als Neustarthilfe Plus weitergeführt. Berlin erhöht auch die Obergrenze für die Förderung im Rahmen der Überbrückungshilfe III und der Überbrückungshilfe III Plus. Künftig können Unternehmen, die von staatlichen Schließungsmaßnahmen direkt oder indirekt betroffen sind, bis zu 40 Millionen Euro als Schadensausgleich im Rahmen der Überbrückungshilfe geltend machen. Grundlage dafür ist die Bundesregelung Schadensausgleich, die die Europäische Kommission auf Antrag der Bundesregierung hin genehmigt hat. Zusammen mit der bislang geltenden Obergrenze von bis zu zwölf Millionen Euro beträgt der maximale Förderbetrag künftig in der Überbrückungshilfe III und der Überbrückungshilfe III Plus 52 Millionen Euro.

Rohstoffknappheit bereitet weiter Sorgen

Lieferengpässe, Handelsrestriktionen sowie eine hohe globale Nachfrage sorgen derzeit bei wichtigen Rohstoffen für starke Preisanstiege und lange Lieferzeiten. „In vielen Fällen kann die Nachfrage etwa nach Holz, Metallen und Mineralien und daraus gefertigten Vorprodukten nur teilweise gedeckt werden“, heißt es vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der das Thema in einer Sonderauswertung seiner Konjunkturumfrage beleuchtet hat. Die knappe Verfügbarkeit von Rohstoffen sei zu einem Hemmschuh dafür geworden, bald wieder an die wirtschaftliche Entwicklung vor der Corona-Krise anzuschließen. Besonders das verarbeitende Gewerbe ist laut DIHK betroffen: Zwei Drittel der Industriebetriebe sehen in Energie- und Rohstoffpreisen ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Zu Jahresbeginn waren es 45 Prozent. Kein Faktor werde derzeit in der Industrie häufiger genannt. Im Vergleich dazu hat das zuletzt als sehr hoch eingeschätzte Risiko der Inlandsnachfrage an Bedeutung verloren (49 Prozent nach 61 Prozent zu Jahresbeginn 2021). Auch bei den Unternehmen im Baugewerbe hat das Geschäftsrisiko Energie- und Rohstoffpreise mit 62 Prozent (Jahresbeginn 35 Prozent) enorm an Bedeutung gewonnen. „Lediglich der Fachkräftemangel stellt in der Bauindustrie mit 67 Prozent aktuell noch mehr Unternehmen vor Herausforderungen“, so der DIHK.

Insolvenzen: Noch niedrige Zahlen

Im ersten Quartal 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 3.762 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von Anfang Juni 19,7 Prozent weniger als im ersten Quartal 2020. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelte sich somit noch nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund für die niedrige Zahl beantragter Unternehmensinsolvenzen sei die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen bis Ende 2020. Das Wiedereinsetzen der Antragspflicht zeige sich noch nicht in den aktuellen Ergebnissen. Ausgesetzt war die Insolvenzantragspflicht im ersten Quartal weiterhin für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch aussteht. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt. Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im ersten Quartal 2021 im Baugewerbe mit 608 Fällen (ein Rückgang um rund 20 Prozent). Im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) waren es 556 Verfahren (-29,4 Prozent). Im stark von den Corona-Maßnahmen betroffenen Gastgewerbe wurden 415 Insolvenzen gemeldet (-19,3 Prozent).

NRW-Importe: China auf Platz zwei

Die nordrhein-westfälische Wirtschaft hat im Jahr 2020 Waren im Wert von 31,9 Milliarden Euro aus China importiert. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, war die Volksrepublik China damit nach den Niederlanden das zweitwichtigste Importland der NRW-Wirtschaft. Bei den Exporten rangierte China mit einem Ausfuhrwert von 12,1 Milliarden Euro auf Platz drei hinter den Niederlanden und Frankreich. Die Importe aus China stiegen im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um vier Prozent, während die Exporte dorthin mit einem Rückgang von -0,2 Prozent nahezu konstant geblieben sind. Haupteinfuhrgüter waren 2020 mit einem Anteil von 38,8 Prozent Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische und optische Erzeugnisse im Wert von 12,4 Milliarden Euro. Auf den Plätzen zwei bis fünf der Importe lagen elektrische Ausrüstungen, Maschinen, sonstige Waren und Textilien. Knapp ein Drittel (28,7 Prozent) der Exporte in die Volksrepublik China waren Maschinen (Wert: 3,5 Milliarden Euro). Auf den Plätzen zwei bis fünf der Exporte folgten chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische und optische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen sowie pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse. Insgesamt machten diese fünf Ausfuhrgüter 71 Prozent der exportierten Güter in die Volksrepublik aus.


DIGITALISIERUNG

Schub beim Online-Banking

Die Corona-Pandemie hat zu einem kräftigen Schub beim Online-Banking geführt. Vor allem viele Senioren ab 65 Jahren haben im vergangenen Jahr erstmals ihre Bankgeschäfte online abgewickelt. Insgesamt nutzen inzwischen acht von zehn (80 Prozent) Bundesbürgern Online-Banking; im vergangenen Sommer lag der Anteil erst bei 73 Prozent. Das ist das Ergebnis einer telefonischen Umfrage unter 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Unter den Älteren ab 65 Jahren fällt der Anstieg von 22 auf 39 Prozent in diesem Zeitraum besonders deutlich aus. Damit nutzen nun 6,5 Millionen Senioren Online-Banking, im Vorjahr waren es erst 3,7 Millionen, 2019 noch 3,5 Millionen. Von den 16- bis 29-Jährigen (97 Prozent) und den 30- bis 49-Jährigen (96 Prozent) nutzen fast alle Online-Banking, bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 92 Prozent. „Bankgeschäfte erledigen schon seit einigen Jahren die allermeisten Menschen ganz selbstverständlich digital. Nur die Älteren blieben beim Online-Banking weitestgehend außen vor. Seit Corona erleben wir einen regelrechten Sturm der Seniorinnen und Senioren auf die Online-Filialen der Banken“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

Ausgabe 03/2021