DEEP DIVE ISM: New Learning

Drei Trends in der digitalen Weiterbildung.

(© Tierney − stock.adobe.com)
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Ob Handwerksbetrieb, Industrie oder Büro – kaum ein berufliches Umfeld bleibt von der digitalen Transformation unberührt. Durch den rasanten Wandel von Technologie und Geschäftsmodellen gewinnt das Thema Personalentwicklung und Weiterbildung für Unternehmen und Personal in Zukunft noch stärker an Bedeutung. Doch auch der Weiterbildungssektor selbst hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Neue Technologien haben die Akzeptanz digitaler Lernangebote erhöht und leichter zugänglich gemacht. Professor Dr. Johannes Moskaliuk ist Hochschullehrer für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management (ISM) und Leiter des ISM-Fernstudiums. Der ISM-Experte für New Learning stellt drei Trends in der digitalen Weiterbildung vor und erklärt, weshalb gerade kleine und mittlere Unternehmen von den digitalen Angeboten für die Personalentwicklung profitieren.

Trend 1:
Lernen mit dem Smartphone

Das Handy ist unser täglicher Begleiter. Viele Menschen nutzen es bereits regelmäßig zur Informationsbeschaffung. Es liegt demnach nahe, auf das Smartphone zugeschnittene Lernformate anzubieten, um Wartezeiten oder das Pendeln mit der Bahn sinnvoll zu nutzen.

Für das Lernen am Handy gilt: Lernangebote werden von den Nutzenden besser angenommen, wenn sich diese nahtlos in das genutzte Gerät integrieren lassen. Die User sollten also beim digitalen Lernen einen Anbieter mit Native App wählen. Die Lerninhalte sollten in kleine Einheiten unterteilt sein, damit die für das Lernen am Smartphone typischen kurzen Zeitfenster besser genutzt werden können. Die didaktische Herausforderung bei der Entwicklung dieser kleineren Lernblöcke besteht dann für die Anbieter darin, die Bezüge zwischen den einzelnen Lerneinheiten ganzheitlich und praxisrelevant zu verknüpfen.

Trend 2:
Individuell anpassbares Lernangebot

Bei Weiterbildungen sind die Teilnehmenden häufig sehr bunt gemischt. Für Dozentinnen und Dozenten bedeutet es eine immense Herausforderung, Vorwissen, Interessen und Lernstile auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Bei digitalen Lernangeboten können durch das Sammeln von Daten die Lerninhalte individuell an das Vorwissen und die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer angepasst werden.

Für die individuelle Ausrichtung digitaler Lernangebote gilt: Um ein individuell zugeschnittenes Lernangebot zu ermöglichen, braucht es Daten zum individuellen Wissensstand und dem individuellen Lernverhalten. Ein Wissenstest vor dem Start der Weiterbildung bildet eine wichtige Voraussetzung dafür, die entsprechenden Daten für die Zusammenstellung individueller Lernangebote zu erhalten. Auch weitere Messungen nach Start der Weiterbildung sind notwendig, um die Lerninhalte noch stärker auf die Bedürfnisse der User anzupassen. Wenn Lernende z.B. besonders lange an einer Aufgabe arbeiten oder bestimmte Videos jeweils überspringen, kann das ein Indikator dafür sein, dass Lerninhalte schwer zu verstehen oder die Inhalte bereits bekannt sind. Da bei digitalen (Selbst-)Lernangeboten die Trainerin oder der Trainer wegfallen, ist die Anforderung an die Gestaltung der Inhalte und die Strukturierung des Lernprozesses umso höher.

Trend 3:
Informelles Lernen durch digitale Vernetzung im Arbeitsalltag

Lernen passiert immer auch informell, also „nebenbei“. Außerhalb von formalen Bildungs-Settings, wie Trainings oder Workshops, lernen Mitarbeitende während ihrer Arbeit im Austausch mit anderen oder durch das eigenständige Suchen im Netz. Community-Funktionen bilden demnach eine wichtige Ergänzung zu den Lerninhalten, da sie den Austausch mit anderen Lernenden fördern.

Für informelles Lernen gilt: Neben selbstgesteuerten Lernangeboten, die die Lernenden allein und im eigenen Tempo durcharbeiten, können synchrone Elemente, wie beispielsweise ein virtuelles Meeting, die Lernmotivation erhöhen. Auch der direkte und persönliche Austausch von Wissen wird auf diese Weise gefördert. Ein erfolgreiches digitales Lernangebot integriert selbstbestimmtes Lernen und den Austausch mit anderen so, dass die festgelegten Lernziele erreicht werden können.

Digitale Weiterbildung in Unternehmen integrieren

Für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Weiterbildung in Unternehmen ist nicht die Technologie erfolgskritisch. Wichtiger ist es, die Bedürfnisse und Anforderungen der Mitarbeitenden zu kennen und mit dem digitalen Lernangebot zu adressieren. Die notwendige Technologie für die Umsetzung digitaler Lernangebote in Unternehmen ist in vielen Fällen über Mietangebote (Software as a Service) kostengünstig und schnell auch ohne eigene IT-Abteilung verfügbar. Zudem gibt es zahlreiche Anbieter, die auch digitale Lerninhalte über Lizenzen zur Verfügung stellen.

Für die erfolgreiche Einführung in Unternehmen gilt: Der Erfolg digitaler Weiterbildungsangebote hängt entscheidend davon ab, ob Personalverantwortliche und Führungskräfte von deren Einführung und Nutzung überzeugt sind. Dementsprechend müssen solche Lernangebote innerhalb des Unternehmens bekannt gemacht und Mitarbeitende zur Teilnahme motiviert werden.

Info – ISM Fernstudium

Die International School of Management (ISM) bietet neben dem Studium in Präsenz auch Bachelor- und Master-Studiengänge im Fernstudium an. Das digitale Lernangebot eignet sich insbesondere als berufsbegleitendes Studium. Einzelne Module sind zudem als Zertifikatskurse verfügbar. Die angebotenen digitalen Inhalte können auch Grundlage für individuelle Weiterbildungsangebote für Unternehmen und Organisationen sein.

Karin Gessler | karin.gessler@ism.de

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Ausgabe 03/2022