fps Architektur: Vielfalt als Motivation

Kontinuität bindet Kunden.
Das Hörsaalzentrum der Universität Duisburg-Essen (Foto: Jürgen Landes)
Das Hörsaalzentrum der Universität Duisburg-Essen (Foto: Jürgen Landes)
In diesem Jahr feiert die Oberhausener fps Architektur und Generalplanung GmbH ihr 75-jähriges Jubiläum. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Oberhausen-Sterkrade von Josef Funke gegründet, mangelte es dem Architekturbüro im zerstörten Ruhrgebiet nicht an Aufgaben. Die Anfangsjahre des Büros waren vom Wohnungsbau geprägt. In der dritten Generation geht es für Lena Popal und André Storm, die beiden geschäftsführenden Gesellschafter, und das rund 20-köpfige Team eher selten um Einfamilienhäuser. Deutlich größere und sehr vielfältige Bauprojekte bestimmen heute den Arbeitsalltag im neuen, 2017 bezogenen Büro in der Elsa-Brändström-Straße. In den vergangenen 13 Jahren verdoppelte sich das Unternehmen in sämtlichen Kennzahlen. Hilfreich dabei: Lena Popal und André Storm waren bei Eintritt in die Geschäftsführung im Jahr 2007 bereits über zehn Jahre im Unternehmen tätig und somit bestens mit Büro- wie Kundenstruktur vertraut.

Architektur und Generalplanung

Höchste gestalterische Qualität und Funktionalität bei gleichzeitiger Termin- und Kostentreue: Auf diese Formel lässt sich das fps-Leitbild bringen. Erstellung und Betrieb der Bauten sollen ökologischen wie ökonomischen Kriterien genügen. Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit, technologische Qualität und Werterhalt sind elementar für die Arbeit des Oberhausener Büros. Ob bei Umbauten im Bestand oder bei der Planung komplexer Neubauprojekte – am Beginn jedes Projekts stehen ausführliche Gespräche mit den Bauherren. Auf Basis dieser Gespräche und der gemeinsam ermittelten Nutzeranforderungen entstehen erste Konzepte und Kosten­ermittlungen. Es folgen Entwurf und Genehmigungsplanung. Die Werkplanung sichert die Ausführungsreife und ist Grundlage der Leistungsverzeichnisse, auf deren Basis Angebote eingeholt und Bauaufträge an ausführende Firmen vergeben werden. Dann ist es so weit und die Arbeiten auf der Baustelle können beginnen. Nun beginnt die Bauüberwachung, der sich André Storm und seine Bauleiterkollegen mit besonderer Sorgfalt widmen. Nach Übergabe des fertigen Gebäudes bleibt das Unternehmen so lange an der Seite des Bauherrn, bis diesem seine Immobilie und deren Haustechnik vertraut sind. Die fps-Spezialisten sind auch als Generalplaner tätig und können dabei auf ein Netzwerk befreundeter Fachplaner zurückgreifen, das über lange Zeit und viele gemeinsame Projekte gewachsen ist. fps managt als Generalplaner neben der Hochbauplanung auch die Tragwerksplanung und technische Gebäudeausrüstung, die Freiraumplanung, die Bauphysik, die öffentliche Infrastruktur und vieles mehr. „Das kann so weit gehen, dass wir für einen öffentlichen Auftraggeber die Planung der Verkehrswege samt Kreuzungen und Straßenbau übernehmen – und sogar die Signaltechnik, also Ampelanlagen“, berichtet Lena Popal.

Bauen für die öffentliche Hand

Die meisten Projekte setzt das Oberhausener Architekturbüro für das Land NRW, den Bund sowie öffentliche Träger um. Darunter waren in jüngerer Vergangenheit Verwaltungsgebäude, Lehr- und Forschungsgebäude für Universitäten, Bibliotheken, Polizeipräsidien, Kantinen für bis zu 600 Personen, Bauten für die Justiz und zwölf Kindertagesstätten – nicht ausschließlich Neubauten, auch Modernisierungen oder Sanierungen sind dabei. „Unsere Lösungen finden dabei so viel Zustimmung, dass sie auch schon mal als bundesweite Planungsvorgabe von der Behörde übernommen werden“, ist André Storm stolz. Ein Neubau, dessen Generalplanung von Anfang bis Ende in den Händen von fps lag, ist das zwischen 2010 und 2018 geplante und errichtete neue Polizeipräsidium in Mönchengladbach, ein Komplex mit einer Bruttogeschossfläche von 23.460 Quadratmetern. Neben dem Dienstgebäude waren eine öffentliche Erschließungsstraße und die Anbindung an das Verkehrsnetz der Stadt zu planen. Im zweigeschossigen Foyer des fünf Stockwerke hohen Gebäudes wurde ein angemessener Platz für ein Wandrelief von Heinz Mack geschaffen, das dieser 1977 eigens für die Polizei gestaltet hatte: Die „Radar-Spirale“, die in der alten Dienststelle ein eher stiefmütterliches Dasein fristete, empfängt nun Mitarbeiter wie Besucher. Das Gebäude umschließt zwei Höfe, von denen nur einer der internen Nutzung vorbehalten ist. Der zweite Innenhof, in dem auch die von Grünflächen eingefasste Terrasse der Kantine liegt, hat sich zu einem Ort des Austauschs und der Entspannung entwickelt, der auch von Anwohnern gerne besucht wird. Das moderne, großzügige Gebäude fasst nun alle Funktionseinheiten der Polizei: eine Wache, die Leitstelle, Labore der Kriminaltechnik, polizeiärztliche Untersuchungsräume, das Polizeigewahrsam, die Fortbildungsstelle, Einsatzhundertschaft, Diensthundeführerstaffel und andere Organisationsbereiche. Alle haben nun ihre Arbeitsbereiche unter einem Dach. „Neben der öffentlichen Hand ist das Bistum Essen seit vielen Jahren unser Auftraggeber“, berichtet Lena Popal. „Zwischen 1979 und 1982 wurde mit St. Katharina in Oberhausen-Lirich die letzte neu erbaute Kirche im Bistum Essen errichtet, entworfen von Werner Funke, Sohn des Bürogründers und unser Seniorpartner im Ruhestand.“ In der Gegenwart stehen keine neuen Sakralbauten, sondern Modernisierungen von Bistums-Immobilien sowie Umnutzungen von Kirchen im Vordergrund. Ein besonders ungewöhnliches Projekt bot die Umgestaltung der Gemeindekirche St. Pius in Wattenscheid in ein Kolumbarium. Neben einer Urnenbegräbnisstätte als Ort der Trauer und des Gedenkens wurde hier auch ein Raum für Trauerfeiern geschaffen – das Kirchengebäude bleibt ein lebendiger Ort der Begegnung, des Abschiednehmens und der Erinnerung. Die Fronleichnamskirche in Bochum-Laer wird fps zu einem Caritas-Stützpunkt mit Betreuungsangeboten umbauen. Dabei bleiben charakteristische Konstruktions- und Schmuckelemente wie Kreuzgewölbe erhalten und so der Charakter des Bauwerks bewahrt. Ergänzt wird der Standort durch eine bereits fertiggestellte Wohneinrichtung und eine weitere Wohneinrichtung mit Kinderbetreuung, die sich derzeit im Bau befindet.

Ausgezeichnete Architektur

Auch die Fachwelt lobt die Werke von fps Architektur: Der Neubau des Hörsaalzentrums der Universität Duisburg-Essen am Campus Essen wurde bei der Auszeichnung guter Bauten des Bund Deutscher Architekten Essen (BDA) 2017 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Die Aufgabenstellung lautete, den Bedarf nach zusätzlichen und zeitgemäßen Hörsaalplätzen mit der städtebaulichen Anbindung des Campus an die Innenstadt zu verbinden – bei einer sehr beschränkten Grundstücksgröße. Die Architekten entwarfen einen Solitär, der mit den geschlossenen Außenwänden der Hörsäle seine Eigenständigkeit wahrt und sich zur Erschließung nach Norden und Süden weitläufig öffnet. Unregelmäßig angeordnete Fenster sorgen auch innerhalb der Hörsäle für Tageslicht. 2014 wurde das Gebäude mit seiner Bruttogeschossfläche von 3.843 Quadratmetern fertiggestellt. Das einprägsame, polygonale Ziegelgebäude am östlichen Ende des neuen Essener Universitätsviertels verbindet mit seinen hohen weißen Eingangsportalen an der Nord- und Südseite auf gelungene Art den Campus mit der City.

Moderne Technik

Neben der jahrzehntelangen Erfahrung als Hochbauplaner nutzen fps Architektur moderne Planungsmethoden wie Computer Aided Design (CAD) und Building Information Modeling (BIM). Lena Popal erklärt: „Für uns ist es intern wichtig und schon seit Jahren gelebte Praxis, unsere Planung in 3D zu erstellen und mit Bauteilformationen zu versehen. Das ermöglicht uns sehr früh im Planungsprozess eine kritische Überprüfung unserer Entwürfe sowie eine zuverlässige Mengenermittlung und Kostenkalkulation.“ fps ist es gewohnt, cloudbasierte Projekträume als Austauschplattform und Schnittstelle zu den Systemen der Bauherren, Investoren und Bauunternehmen zu nutzen. So werden Informationen und Planungsstände schnell und jederzeit nachvollziehbar gesteuert. Die Prozesse des Architekturbüros sind seit 2007 ununterbrochen nach DIN ISO 9001:2015 zertifiziert. Lena Popal fasst zusammen: „fps Architektur ist ein klassisches Architekturbüro, das nicht auf ein Thema festgelegt ist, sondern sich mit Begeisterung immer wieder neuen Aufgaben und Herausforderungen stellt.“ André Storm ergänzt: „Das sieht man an der Unterschiedlichkeit der Projekte. Die Kolleginnen und Kollegen haben, wie auch wir, immer wieder Freude daran, sich in neue Themen und Aufgabenfelder einzua­rbeiten.“

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Ausgabe 04/2020