Gerüstbau Bönninger: Sicher zwischen Himmel und Erde

Gerüstbauer nicht nur auf Baustellen gefragt.

Das Team von Gerüstbau Bönniger kümmerte sich um die Absicherung des einsturzgefährdeten Sonnensegels im Dortmunder Westfalenpark
Das Team von Gerüstbau Bönniger kümmerte sich um die Absicherung des einsturzgefährdeten Sonnensegels im Dortmunder Westfalenpark

Wenn Gefahr im Verzug ist, das heißt, wenn Abwarten schlimme Material- oder gar Personenschäden nach sich ziehen würde, braucht man schnelle Hilfe. Als kürzlich beim Dortmunder Gerüstbauer Bönninger die Meldung hereinkam: „Sonnensegel einsturzgefährdet“, verlor das Team um Bauleiter Christian Spelsberg keine Zeit. Das 1969 erbaute und gerade erst für 2,7 Millionen Euro aufwendig sanierte Bauwerk – Wahrzeichen im Westfalenpark und früher beliebter Ort für Freiluft-Konzerte – drohte umzufallen. Christian Spelsberg: „Eine Verbindung zwischen einem der beiden südlichen Trageseile und dem Erdanker war gerissen. Damit war das riesige Segel akut einsturzgefährdet.“ Nicht zum ersten Mal musste sein Team bei einer besonderen Gefahrenlage Feuerwehr spielen. Bönninger hat sich einen Ruf als Spezialist für schwierige Fälle erarbeitet. Firmengründer Andreas Bönninger war zunächst Malermeister und baute schon Ende der 80er-Jahre sichere Gerüste. Nachdem diese Profession 1998 in die Handwerksrolle aufgenommen wurde, war er einer der ersten Gerüstbaumeister überhaupt. Seitdem nimmt das Familienunternehmen eine Hürde nach der anderen, egal ob es um die klassischen Gerüste oder aber um spezielle Herausforderungen wie unsere maroden Autobahnbrücken geht. Dementsprechend behielt Bauleiter Christian Spelsberg einen kühlen Kopf, als er das Desaster im Westfalenpark begutachtete.

Maßgeschneiderte Bauteile festigen das Konstrukt

Das Sonnensegel ist in dieser Form zumindest in unserer Region einzigartig. Gebaut wurde die „Holzhängeschale“ nach Entwürfen von Günter Behnisch, einem der bedeutendsten deutschen Architekten, anlässlich der Bundesgartenschau 1969 in Dortmund. Man wollte die besonderen Eigenschaften des Werkstoffs Holz zeigen. Nach der Sanierung in den letzten Jahren kam der plötzliche Abriss des wichtigen Halteseils für alle überraschend. Christian Spelsberg: „Es galt nun, zu erfassen, wie wir die riesige Holzschale absichern können, und dabei mussten wir die Besonderheiten des Untergrundes mit ins Kalkül nehmen. Das abgerissene Halteseil gehört eigentlich ins Fundament, unterstützend zu den Tragegerüsten haben wir noch mal ein drei Tonnen starkes Betongerüst aufgestellt.“ Auch mögliche Einflüsse durch Sturmböen wurden berücksichtigt und die Fachleute von Bönninger holten Kollegen anderer Gewerke zu Hilfe. „Ein Zimmermann fertigte für uns nach der 3D-Vermessung spezielle Hartholzkeile, die oben in der Trägerlage verbaut wurden“, erklärt Spelsberg. „Mit extra angefertigten Winkeln konnten wir das Ganze so absichern, dass die geforderte Last von 40 Kilonewton problemlos gehalten wird. Gleichzeitig loteten die Kollegen aus, an welcher Stelle wir die enormen Mengen an Beton in den Boden einbringen konnten. Schritt für Schritt erstellten wir so den Stützturm für das Sonnensegel.“ Wenn die Verantwortlichen nun nach den Ursachen für den Schaden an der frisch renovierten Kulturstätte suchen – was voraussichtlich länger dauert –, ist sichergestellt, dass einstweilen nichts passieren kann.

Wenn die Schließung droht: Fluchttreppentürme sichern wichtige Infrastruktur

Um Sicherheit geht es auch immer dann, wenn uns einmal mehr schreckliche Bilder von brennenden Häusern in den Nachrichten erreichen. Als ziemlich genau vor fünf Jahren 72 Menschen im brennenden Grenfell Tower, einem Hochhaus im Londoner Stadtteil Kensington, ums Leben kamen, rief das Bauaufsichtsämter in ganz Europa auf den Plan. In Wuppertal, in Duisburg und in Dortmund, wo das Hannibal-Haus betroffen war, wurden ganze Gebäude geräumt, weil man ähnliche Mängel im Brandschutz entdeckt hatte und verhindern wollte, dass es auch hier Tote gibt. „Wenn so eine Schließung beispielsweise in einem Krankenhaus droht, hat das schwerwiegende Folgen“, erläutert Bauleiter Nils Bücker. „Mittlerweile werden immer wieder Anfragen nach Sicherungsmaßnahmen an uns herangetragen, weil sich herumgesprochen hat, dass wir kurzfristig helfen können. Unter anderem das Krankenhaus Lippstadt oder in Dortmund das Krankenhaus Volksgartenstraße und das Altersheim an der Mergelteichstraße wurden von uns kurzfristig schon mit Fluchttreppentürmen versorgt.“ Bis zu einem Jahr, teilweise sogar länger können die Anlagen stehen bleiben. Für den Betreiber der Immobilie wird damit wertvolle Zeit gewonnen. Nils Bücker: „Derzeit gibt es, bedingt durch den Ukraine-Krieg massive Lieferprobleme beim Stahl. Wir sind durch unseren großen Materialpool und die Partnerschaft mit einem Hersteller so gut aufgestellt, dass wir innerhalb von drei Tagen bis einer Woche diese so wichtigen Fluchtwege installieren können.“

Plan B für den Notfall stellt Betrieb in Krankenhäusern sicher

Gerade dort, wo durch Sauerstoffleitungen Nahrung für ein Feuer ist, sind die Treppentürme unerlässlich. „Wir haben speziell durch unsere Modulbauweise viele Möglichkeiten, die richtigen Verbindungen zu schaffen, und wir haben aus unserem Alltag im Gerüstbau das nötige Know-how, um abzuschätzen, an welcher Gebäudeseite und mit welcher Ausrichtung wir den Turm platzieren“, so Christian Bönninger. Genauso wie für seinen Vater, der Firmengründer, und für seine Schwester – die nach ihrem Abschluss übrigens Deutschlands jüngste Gerüstbaumeisterin war – ist dieses Handwerk für ihn mit Leidenschaft verbunden. „Durch unsere rund 31.000 Quadratmeter Lagerfläche sind wir flexibel und können auch kleinere Dinge an den Bauteilen selbst modifizieren. Gleichzeitig sind wir mit unseren 120 Arbeitsplätzen und 30 Lkw groß genug, um täglich 150.000 Kilogramm Stahl durch die Gegend zu bewegen“, erklärt er stolz. Mittlerweile gibt es schon die erste Dependance in Wittenburg bei Schwerin, selbstverständlich ebenfalls unter der Leitung eines Gerüstbaumeisters. Während das Backoffice am Dortmunder Hauptsitz die Bauherren beim Einholen der Genehmigungen unterstützt, sind „die Jungs“ im ganzen Ruhrgebiet im Einsatz. Irgendwo ist schließlich immer etwas abzusichern.

Daniela Prüter | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 03/2022

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