Rechenzentren: Heimische Server bevorzugt

Im Zuge der Digitalisierung wächst die Branche der Rechenzentren. Doch neben dem Wachstum hat die Branche auch vielfältige Herausforderungen zu bewältigen.
Datenflut: Rechenzentren werden immer größer (Foto: ©Cybrain– stock.adobe.com)
Datenflut: Rechenzentren werden immer größer (Foto: ©Cybrain– stock.adobe.com)
Wachstum – auf dem Kurs fährt die Branche der Rechenzentren in Deutschland seit Längerem. Die Hardware, die beispielsweise für Websites und Onlineshops sowie weitere Internetdienste benötigt wird, ist meistens in einem professionellen Rechenzentrum untergebracht. Eine Studie aus dem Jahr 2017 des Borderstep Instituts, beauftragt von Bitkom, zeigt, dass der Bedarf an Rechen- und Speicherleistung seit Jahren stetig wächst. Beschleuniger sind die zunehmende Digitalisierung sowie Industrie 4.0 und Cloud Computing. So soll die IT-Fläche im Jahr 2017 zwei Millionen Quadratmeter in Deutschland betragen haben. Mit der Fläche nimmt auch die Zahl der Arbeitsplätze zu, was sowohl die in den Rechenzentren selbst betrifft als auch die, die von ihnen abhängen. Während die Anzahl der kleinen Serverschränke – drei bis zehn Quadratmeter groß – seit 2007 abnimmt, hat sich seitdem der Anteil der großen Rechenzentren, die über 5.000 Quadratmeter groß sind, verdoppelt. Wie die Studie mitteilt, sind vor allem die Investitionen für Neubau und Modernisierung der Infrastruktur immens gestiegen, die Ausgaben für die Hardware jedoch steigen nur moderat. In Deutschland hat Frankfurt am Main einen Spitzenplatz im Rechenzentrumsmarkt inne, in Europa hat Deutschland ebenfalls eine gute Position. Jedoch liegt das Wachstumsniveau Deutschlands im europäischen Vergleich nur auf Durchschnittsniveau. Besonders stark sind hier Skandinavien und die Niederlande. Negative Parameter, die sich auf den Standort Deutschland auswirken, sind u. a. Strompreise und Genehmigungsprozesse. So sind die Strompreise zu hoch und die Genehmigungsprozesse dauern zu lang.

Energieeffizienz

Rechenzentren brauchen viel Strom. Laut der Studie des Borderstep Instituts lag der Strombedarf 2016 bei insgesamt 12,4 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland. Der Verbrauch wächst kontinuierlich – 2016 war er 4,2 Prozent höher als im Vorjahr. Die Verwendung von moderner Hardware, Smart Technology und Ökostrom sowie die Einhaltung der Green-IT-Zertifizierungen können die Betreiber der Rechenzentren darin unterstützen, die Anlagen möglichst umweltfreundlich zu unterhalten. Doch da aufgrund der Digitalisierung von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Leben immer mehr Rechenleistungen notwendig werden, wird der Strombedarf kaum geringer werden. Dank der modernen Infrastruktur, die die Rechenzentren in Deutschland aufweisen, sind sie in Bezug auf Energieeffizienz weit vorne im internationalen Vergleich. Aufgrund der hohen Strompreise in Deutschland sind die Betreiber der Rechenzentren darauf bedacht, energieeffiziente Betriebe zu unterhalten. Potenzial liegt bei der IT-Hardware, dem Energiemanagement, der Kühlung und Klimatisierung. Auch die Verwertung der Abwärme ist ein großes Thema, denn in Deutschland wird die in den Rechenzentren gewonnene Abwärme nicht genutzt. Der Hauptgrund dafür liegt in der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Im Vergleich dazu ist in Schweden die Abwärme der Rechenzentren an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Verbände und Struktur

Neben VIRZ – Verband Innovatives Rechenzentrum e. V. – gibt es u. a. eco, den Verband der Internetwirtschaft, mit über 1.100 Mitgliedern. Die hohe Dynamik der Informationstechnologie, der Anspruch an Innovation und Energieeffizienz, der viel diskutierte Fachkräftemangel sowie das Fehlen von qualifizierten Ausbildungsprogrammen für Ingenieure und Verantwortliche im Rechenzentrumsumfeld – vor diesem Hintergrund hat sich der Verband Innovatives Rechenzentrum e. V. gegründet. Um sich für die Interessen der Branche stark zu machen, wurde 2018 die German Datacenter Association (GDA) ins Leben gerufen. „Die erklärten Ziele der GDA sind, die Investitionsattraktivität in deutsche Standorte zu steigern, die Rahmenbedingungen für das Betreiben von Rechenzentren in Deutschland nachhaltig zu verbessern und das Wachstum der Branche und deren Wahrnehmung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu stärken“, teilt der Verband mit. Die GDA ist aber nicht der einzige Branchenverband. Der Verband Innovatives Rechenzentrum möchte den konstruktiven Erfahrungsaustausch zwischen Planern, Errichtern, Herstellern und Betreibern von Rechenzentren fördern sowie Mitgliedern Zugang zu einem nationalen Expertenpool ermöglichen. Auch an den Zertifizierungsstellen beteiligen sich die Verbände. Das Datacenter Star Audit (DCSA) ist von eco initiiert. Das entsprechende Zertifikat wie auch das vom TÜV informieren den Kunden über die Qualität und die Infrastruktur der Rechenzentren. Kriterien sind zum Beispiel: Gebäude, Technik, Prozesse und Personal.

Aktuelle Themen

Ein aktuelles Branchenthema ist Edge Computing. Dabei handelt es sich um eine dezentrale Verarbeitung der Daten, die dort stattfindet, wo die Daten generiert werden. Die Daten werden sozusagen vor Ort verarbeitet, ohne dass sie an ein Rechenzentrum übertragen werden. Edge Computing bildet daher die Basis für Mobile Computing und für die Technologien, die für das Internet of Things notwendig sind. Von Edge Computing können auch Unternehmen im ländlichen Raum profitieren, die aufgrund einer nicht adäquaten Netzanbindung nicht verlässlich auf Cloud-Dienste zugreifen können. Vor allem für das Internet der Dinge – den Datenaustausch zwischen Maschinen bzw. Geräten. Ein weiteres relevantes Thema der Branche ist der Fachkräftemangel. Im April 2018 haben laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) allein 314.800 Arbeitskräfte aus dem MINT-Bereich gefehlt. MINT umfasst die Mitarbeiter in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und vor allem werden IT-Kräfte gesucht, wie der MINT-Frühjahrsreport mitteilt. Hier ist der Engpass der Fachkräfte am ehesten zu spüren. Verdoppelt hat sich 2017 die Zahl der Beschäftigten aus Eritrea, dem Irak, Afghanistan und Syrien: Aus diesen Ländern kamen im dritten Quartal 2017 fast 16.400 Beschäftigte aus allen vier MINT-Feldern, nachdem es ein Jahr zuvor 8.000 waren.

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Ausgabe 02/2019