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Der Bestseller des Jahres 2015: BMW R 1200 GS mit 7.225 Neuzulassungen (Foto: BMW)

Sportlicher Aufwärtstrend

Der Motorradmarkt ist so stark wie seit Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr konnte zum ersten Mal seit 2008 die 100.000er-Marke bei den abgesetzten Krafträdern durchbrochen werden.



Für die einen ist es ein Hobby, für die anderen Alltag: Motorrad fahren. Den Wind im behelmten Gesicht spüren, die Natur auf eine ungefilterte Art und Weise genießen und eins sein mit seinem fahrbaren Untersatz – immer mehr Deutsche träumen davon und legen sich am Ende ein eigenes Motorrad zu. Eine gültige Motorrad-Fahrerlaubnis haben zumindest 15,47 Millionen Einwohner. Rund vier Millionen Begeisterte besitzen zudem schon ein eigenes Kraftrad. Angemeldet sind aktuell 4,15 Millionen Exemplare mit einem Durchschnittsalter von 16,2 Jahren. Dass jedes Jahr fast 100.000 weitere Krafträder hinzukommen, zeugt von einem starken Kundenstamm und stetig wachsenden Neukundenzahlen. Im vergangenen Jahr waren es mit 102.238 Krafträdern zum ersten Mal seit 2008 sogar wieder über 100.000 verkaufte Einheiten. Werden alle vier Segmente, sprich Krafträder, Kraftroller, Leichtkrafträder und Leichtkraftroller, hinzugezogen, ergeben sich 150.550 Neuzulassungen. Das entspricht einem satten Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Prozentual betrachtet haben dabei die Leichtkrafträder mit 23,7 Prozent und 19.196 verkauften Einheiten das größte Plus zu verzeichnen. Die Krafträder haben sich um 5,6 Prozent beziehungsweise um zusätzliche 5.415 Einheiten verbessert.  Zu den großen Gewinnern zählt mal wieder der größte deutsche Motorradhersteller BMW. Gleich vier Modelle konnten die Bayern im Jahr 2015 in den Top 10 der Verkaufshitparade platzieren. Mit 7.225 Neuzulassungen ist die BMW R 1200 GS ohne große Überraschung, jedoch mit 1.069 Einheiten weniger als im Vorjahr, auf dem Spitzenplatz gelandet, gefolgt von der Yamaha MT-07 mit 3.184 und der BMW R nine T mit 2.650 Neuzulassungen. Der Industrieverband Motorrad e.V. spricht mit Blick auf die Neuzulassungszahlen davon, dass „Deutschland sich als starker und zuverlässiger Markt für motorisierte Zweiräder konsolidiert.“ Man gehe mit „positiven Erwartungen in das Jahr 2016.“ Dass nicht alle Motorradhersteller Grund zur Freude haben, ist angesichts des positiven Verkaufsverlaufs nicht auf Anhieb zu verstehen. BMW, KTM, Moto Guzzi, Suzuki und Yamaha feiern immerhin mindestens zwei Jahre in Folge einen Aufwärtstrend. Und auch Aprilia, Ducati und Husqvarna konnten sich dank neuer Modelle ins Verkaufszahlen-Plus retten. Vor allem Ducati hat allen Grund zum Feiern. Die seit 2015 erhältliche Scrambler hat sich in ihrem ersten Jahr direkt in die deutschen Top 10 auf Platz 9 gefahren. Mittlerweile ist die 15.000 Mal gebaute Ducati die Nummer eins in der hauseigenen Modellpalette. Mit einem Plus von 63 Prozent gehört mit Betamotor ebenfalls eine italienische Marke zu den ganz großen Gewinnern des Jahres 2015. Absolut wurden 1.135 Exemplare der Italiener geordert. Mit einem nahezu genau doppelt so hohen Verkaufsplus, also 127 Prozent, ist die Marke Indian der zumindest prozentuale Gewinner des vergangenen Jahres – auch wenn unterm Strich nur 525 Neuzulassungen stehen. Dem Classic-Bike-Hersteller, der nun in sein zweites Jahr in Deutschland rollt, wird u.a. der Rückgang des Harley-Davidson-Absatzes um 700 Einheiten zugeschrieben. Was zu den Verlierern im Motorradsegment überleitet. Der legendären Marke Harley-Davidson kosteten weniger als 10.000 Neuzulassungen den dritten Rang in der Hersteller-Bestenliste. Aktuell liegt sie auf dem fünften Rang.  Und auch Honda und Triumph verzeichnen zum wiederholten Male sinkende Verkaufszahlen. Bei den Briten von Triumph wurde bereits auf die von BMW stark forcierte Classic-Bike-Welle reagiert und ein passendes Modell für das kommende Jahr vorgestellt. Das aktuell gefragteste Segment bei den Krafträdern gehört mit knapp über 30 Prozent noch immer der Sport-Bike-Rubrik, in der PS-Zahlen jenseits der 200 keine Seltenheit mehr sind. Doch nicht erst seit letztem Jahr gewinnen die beiden in Summe fast 50 Prozent starken Segmente der Enduros und klassischen Krafträder an Bedeutung hinzu.
Marcel Sommer | redaktion@revier-manager.de

Ausgabe 02/2016