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Unternehmenspraxis

Rekord-Beschäftigungsplus erwartet



PERSONAL & KARRIERE

Rekord-Beschäftigungsplus erwartet

Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sagt für die kommenden Monate ein Rekord-Beschäftigungsplus voraus. Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers stieg im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf ein Allzeithoch von 107,4 Punkten. Eine kräftige Konjunktur, ein steiler Aufwärtstrend in Bereichen wie IT und Pflege und eine hohe Zuwanderung seien die Faktoren für eine starke Beschäftigungsentwicklung. Die Beschäftigungsaussichten seien glänzend. Arbeitskräfte würden dabei insgesamt knapper. Das führe dazu, dass die Zahl unbesetzter Stellen weiter zunehme und die Betriebe sich immer seltener von Beschäftigten trennten. Bis zur Vollbeschäftigung sei es noch weit, aber der Abbau der Arbeitslosigkeit sei beachtlich. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Die Skala des IAB-Arbeitsmarktbarometers reicht von 90 Punkten (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung). Ebenfalls laut Angaben des IAB gab es im vierten Quartal 2017 bundesweit rund 1,2 Millionen offene Stellen, 128.000 mehr als im Vorjahresquartal und 85.000 mehr als im Vorquartal, womit ein neuer Höchststand an offenen Stellen erreicht wurde. In Westdeutschland waren rund 918.000 offene Stellen zu vergeben, in Ostdeutschland rund 265.000.

KONJUNKTUR

Konjunktur weiter stark, aber Risiken nehmen zu

Die internationale Konjunktur ist seit Herbst 2016 kräftig, und auch im Jahr 2018 dürfte die Weltwirtschaft deutlich expandieren, nach einer Prognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) um 3,3 Prozent. Dazu trägt bei, dass die US-Steuerreform der Konjunktur in den USA einen weiteren Schub gibt. Allerdings dürften die Steuersenkungen auch die Sorge verstärkt haben, dass höhere US-Zinsen bald weltweit Aktienkurse sinken und Finanzierungskosten steigen lassen könnten. Vor diesem Hintergrund ist Anfang Februar 2018 die Volatilität auf den Finanzmärkten deutlich nach oben gesprungen. Auch trübt das Risiko einer Spirale protektionistischer Maßnahmen die weltwirtschaftlichen Aussichten, seit die USA im März Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt haben. Die deutsche Wirtschaft ist derzeit in einer Hochkonjunktur. Allerdings haben die Unternehmen ihre Aussichten im Januar und vor allem im Februar sehr viel vorsichtiger beurteilt als zuvor. Zweifelhaft ist, ob die deutsche Wirtschaft über die Kapazitäten verfügt, um das Tempo des Aufschwungs noch lange durchzuhalten. Zwar ist gegenwärtig die Preisdynamik noch mäßig, sie zieht aber langsam an. Dass schon gegenwärtig deutlich mehr produziert werden könnte, wenn Kapazitäten vorhanden wären, darauf deutet das Rekordhoch bei der Zahl an offenen Stellen hin. Alles in allem dürfte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2018 mit 2,2 Prozent noch einmal recht kräftig und 2019 mit 1,6 Prozent deutlich moderater expandieren. Der Zuwachs der Produktion in Ostdeutschland dürfte 2018 mit 2,0 Prozent etwas unter dem in Westdeutschland liegen.

Standortqualität: Bronze für Deutschland

In ihrem aktuellen Standortindex (2015) hat die IW Consult, eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft, festgestellt, dass Deutschland im Vergleich zu ausgewählten Industrie- und Schwellenländern den dritten Platz in der Standortqualität belegt – hinter der Schweiz und den USA. Im Fokus stehen beim Vergleich des Industriestandorts Deutschland mit 44 wichtigen Handelspartnern die für Industrieunternehmen entscheidenden Standortqualitäten in den Bereichen Staat, Wissen, Infrastruktur, Ressourcen, Kosten und Markt. Insgesamt fließen mehr als 60 Indikatoren in die Analyse ein. Deutschland punktet vor allem bei den Themen Infrastruktur, Wissen und Staat. Unter den Top 10 sind sieben europäische Staaten, unter anderem Schweden und die Niederlande. Japan schafft es als einziges asiatisches Land in die Spitzengruppe. Frankreich landet auf Platz 19, China auf 24. Am schlechtesten schneiden mit Brasilien, Ecuador und Argentinien drei südamerikanische Länder ab. Die höhere Produktivität und die Qualität der Produktion halten die Industriestaaten gegenüber Schwellenländern vorn. Doch diese holen rasant auf, wie das Dynamikranking zeigt. Hier erreichen die Schwellenländer durchschnittlich 106 Punkte, die Industriestaaten lediglich 94. Am besten entwickelt hat sich China mit 127 Punkten, gefolgt von Rumänien (126) und Kolumbien (121). Die gute wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den vergangenen Jahren schlägt sich allerdings auch mit Rang 19 bei der Dynamik nieder. Schweden ist mit 101 Punkten ähnlich dynamisch. Dagegen verlieren Großbritannien (92) und die USA (85) an Boden.

IMMOBILIEN

Erst arbeiten, dann wohnen

Schreibtisch, Computer, Telefon: Für immer mehr Deutsche sieht so der Arbeitsplatz aus. In 23 von 90 Wirtschaftszweigen arbeiten die Angestellten inzwischen überwiegend im Büro. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind heute bereits rund 25 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Branchen tätig, zu denen unter anderem Dienstleister und die öffentliche Verwaltung zählen. Insgesamt stieg die Bürobeschäftigung in den vergangenen vier Jahren um 9,6 Prozent auf rund 7,8 Millionen. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren zunächst fortsetzen, eine attraktive Situation für Investoren. Bis 2035 wird ein weiteres Wachstum der Büro-Jobs von rund sechs Prozent in Düsseldorf, in Hamburg und Frankfurt um acht bis neun Prozent erwartet. Am stärksten werde der Bedarf in Berlin und München zulegen: jeweils um rund 13 Prozent. Büroimmobilien seien derzeit also gefragt, doch das werde nicht so bleiben. Auch die Städte könnten sich dem demografischen Wandel auf lange Sicht nicht entziehen. Selbst wenn mehr Menschen in die Städte ziehen, wird auch dort ab 2035 die Zahl der Beschäftigten sinken – die demografische Entwicklung schlägt dann voll durch. In der Folge werden weniger Büroflächen gebraucht und es drohen Leerstände. Gleichzeitig werde es wohl auch dann noch an Wohnraum mangeln. Einfach immer weiter Büros bauen reiche also nicht, Investoren müssten neue, flexiblere Konzepte entwickeln, um die Flächen auch später nutzen zu können. Gerade eine eventuelle Nachnutzung als Wohnimmobilie sollte deshalb von Anfang an in die Pläne einbezogen werden. Damit steigen zwar die Baukosten, aber in Form einer längeren Nutzungsdauer könnte sich dies auszahlen.

MANAGEMENT

Hidden Champions droht die Luft auszugehen

Größere mittelständische Unternehmen tragen mit Forschung und Innovationen wesentlich zum Exporterfolg bei. Doch der ist in Gefahr, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Zwar steigt die Zahl der Mittelständler seit Jahren stark an, doch die Firmen verlieren an Innovationskraft. Firmen mit 250 bis 3.000 Mitarbeitern beschäftigen rund 8,5 Millionen Menschen – ein Plus von 36 Prozent seit 2003. Im Verarbeitenden Gewerbe stellen sie rund 43 Prozent aller Arbeitsplätze. Ein Grund dafür: Die Zahl dieser Mid Caps ist in den vergangenen 15 Jahren um mehr als ein Drittel auf inzwischen fast 13.700 gestiegen. Viele von ihnen sind als „Hidden Champions“ Marktführer in ihrer Sparte. Doch die Innovationskraft dieser oft hoch spezialisierten Firmen nimmt seit Jahren ab, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gerät in Gefahr. Und nun drohe auch noch ein sich verschärfender Fachkräftemangel. Es gebe deutliche Warnsignale, denn die Wirtschaftspolitik der EU und des Bundes werde den Firmen nicht gerecht. Größere Mittelständler würden zumeist pauschal den Großunternehmen zugerechnet und der gleichen Regulierung unterworfen – etwa beim 2017 eingeführten Auskunftsanspruch zur Entgeltgleichheit. Dabei ähneln sie mit ihren Strukturen und finanziellen Möglichkeiten oft eher KMU. Die Politik schnüre ihnen damit langsam die Luft ab. Studien zeigen, dass 2015 nur noch rund zwei Drittel der Mid Caps mit bis zu 1.000 Mitarbeitern regelmäßig neue Prozesse und Produkte einführen. Fünf Jahre zuvor waren es noch rund 75 Prozent. Bei kleineren Unternehmen liegt der Wert inzwischen sogar nur noch bei 62 Prozent, zuvor waren es 72 Prozent.

Frauenanteil in Aufsichtsräten steigt

In zwei Studien unterstreicht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) die Notwendigkeit von weiteren Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Der prozentuale Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Männern und Frauen – auch bekannt als Gender Pay Gap – ist bei Vollbeschäftigten von 26,6 Prozent 1985 auf zuletzt 16 Prozent gesunken. Bei Frauen im Alter von 40 bis 49 stagnierte der Gender Pay Gap in den vergangenen dreißig Jahren bei über 20 Prozent. Dass die Lohnlücke für junge Frauen am geringsten ist, könne eine Folge der starken Annäherung der Bildungskarrieren von Männern und Frauen in den vergangenen Jahren sein. Bei niedrigen Löhnen sei der Unterschied in den vergangenen 30 Jahren mit gut zehn Prozentpunkten am stärksten zurückgegangen, betrage aber immer noch sehr hohe 20,1 Prozent. Am oberen Rand der Lohnverteilung betrage die Differenz hingegen 23,5 Prozent, ein Rückgang von nur sechs Prozent. Aus einer weiteren Auswertung geht hervor, dass sich in Unternehmen, für die seit 2016 eine Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent für Aufsichtsräte gilt, der Frauenanteil in diesem Gremium bereits in den Jahren zuvor erhöht hat. Der kontinuierliche Anstieg von zwölf Prozent 2012 über 17 Prozent 2014 auf 22 Prozent im Jahr 2016 ging einher mit der intensiven politischen Debatte über die Einführung einer bindenden Quote. Mittel- und langfristig könne sich die Geschlechterquote auf alle Hierarchieebenen auswirken: Zum einen bringe eine Geschlechterquote mehr Frauen in Spitzenpositionen und schaffe somit weibliche Vorbilder, was Stereotypen über Frauen in Führungspositionen entgegenwirke. Zum anderen könne die Quote Frauen auf allen Karrierestufen animieren, stärker in Wettbewerbssituationen zu treten, um Führungsaufgaben zu übernehmen. Unternehmen und Politik seien jedoch weiterhin gefordert, die Gleichstellung von Mann und Frau in Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern.

RECHT & FINANZEN

Euroraum profitiert kurzzeitig von Zinserhöhung in den USA

Die Euromitgliedsstaaten können von Zinserhöhungen in den USA kurzzeitig wirtschaftlich profitieren, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dank der Abwertung des Euros steigen die Exporte, wodurch die wegen der höheren Zinsen geringere Nachfrage aus den USA überkompensiert werden kann. Dies gilt insbesondere für Deutschland. Mittelfristig folgen die Zinsen des Euroraums denen der USA, was dann auch hierzulande wieder für einen Rückgang der Wachstumsraten sorgt. Seit etwa zwei Jahren hebt die US-Notenbank (Fed) schrittweise die Zinsen an. Die Maßnahmen zielen an erster Stelle auf die US-amerikanische Wirtschaft ab. Dennoch sind ihre Auswirkungen auch international spürbar. Wenn die Fed den Leitzins um 50 Basispunkte erhöht, reagiert das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in allen großen Volkswirtschaften des Euroraums zunächst positiv, jedoch unterschiedlich stark. In Deutschland steigt das BIP stärker an als in den meisten anderen Ländern und erreicht nach vier Quartalen mit 0,6 Prozent seinen maximalen Wert. Eine Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro wirkt sich auf Deutschland besonders stark aus, weil die USA der größte einzelne Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft sind. Zusätzliche Nachfrage ist aus allen Ländern zu erwarten, deren Währungen dem Dollar folgen. Weil diese Übertragung auf die Finanzmärkte erst nach zirka drei Quartalen voll einsetzt, entfaltet die Exportnachfrage eine kurzfristige expansive Wirkung, ehe höhere Zinsen im Euroraum die wirtschaftliche Dynamik wieder bremsen. Stefan Mülders | redaktion@regiomanager.de

Ausgabe 03/2018