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Maschinen- und Anlagenbau

Made in Germany

Hohe Qualitätsstandards und Innovationskraft sorgen dafür, dass die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer trotz größer werdender Konkurrenz im internationalen Wettbewerb bestehen.



Der Maschinen- und Anlagenbau gehört seit jeher zu den innovativsten Branchen überhaupt. Wichtige Erfindungen, die im jeweiligen Zeitgeschehen große Fortschritte für die Industrie brachten, entsprangen den Köpfen, die sich in diesem Zweig beruflich zu Hause fühlten. Insbesondere im Zeitalter der Industrialisierung waren sie von großer Bedeutung, sorgten für höhere Fertigungszahlen und damit Wachstumschancen für Unternehmen aller Branchen. Und das ist bis heute so. „Maschinen aus Deutschland sind rund um den Globus gefragt, Umsatz und Produktion wachsen“, sagt Carl Martin Welcker, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das sei eine gute Botschaft und zeige die Leistungsstärke der mittelständischen Betriebe. „Doch es braucht nach wie vor Menschen, um die Maschinen zu konfigurieren, zu bauen, sie auszuliefern und in Betrieb zu nehmen.“ Damit spricht Welcker eine der brennendsten Herausforderungen in der Zukunft – den Fachkräftemangel – an, der trotz Digitalisierung und Industrie 4.0 weiter im Blick gehalten werden muss.

Größter industrieller Arbeitgeber

Der Maschinen- und Anlagenbau ist sehr facettenreich aufgestellt und entwickelt Lösungen für die zentralen Herausforderungen seiner Kunden. Die Branche bezeichnet sich selbst als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und ist mit rund 1,35 Millionen Erwerbstätigen in 6.400 Unternehmen der größte industrielle Arbeitgeber. Nach Angaben des VDMA liegt der Anteil des Maschinenbaus an den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Gesamtwirtschaft in Deutschland bei zehn Prozent, womit er zu den forschungsstärksten Industriezweigen zählt. Auch wenn der Wirtschaftsbericht für Mai dieses Jahres einen minimalen Rückgang zum Vorjahr verzeichnet, macht sich die Branche keine Sorgen. Denn vorausgegangen war ein stetiges Wachstum über Monate hinweg, ein halbes Jahr lang sogar im zweistelligen Bereich. Das Inlandsgeschäft hatte um ein Prozent zugelegt, während Bestellungen aus dem Ausland ein Minus von zwei Prozent verzeichneten. Als „Verschnaufpause“ bezeichnet der VDMA diese kurzzeitige Entwicklung. Denn ansonsten steuert die Branche mit Schwung durch das aktuelle Jahr. Die Produktion wuchs in den ersten vier Monaten um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die Exporte legten um 3,4 Prozent zu. Die Kapazitätsauslastung stieg im April leicht über die Marke von 90 Prozent, Engpässe seien insbesondere bei den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften zu sehen sowie teilweise bei den Zulieferungen.

Insgesamt standen die Zeichen im abgelaufenen Jahr erneut auf Wachstum, wie der Verband in seinem Jahresbericht 2018 aufzeigt. Der nominale Umsatz sei auf 226 Milliarden Euro und damit auf ein neues Rekordergebnis gestiegen. Auch die preisbereinigte Produktion verlief mit einem Plus von 3,9 Prozent sehr positiv. Die Unternehmen konnten 2017 etwa 24.000 neue Beschäftigte einstellen. Dennoch waren weitere 27.000 Stellen im vergangenen Jahr nicht besetzt. „Die Unternehmen spüren mit voller Wucht die 10 Hürden, die die Politik ihnen in den Weg stellt“, sagt VDMA-Präsident Welcker. „Die Rente mit 63 und das Ende der sachgrundlosen Befristung sind nur zwei Beispiele dafür, wie eine sinnvolle, langfristige Personalplanung durch Eingriffe von außen erschwert wird.“

Exporte beleben das Geschäft

Unabhängig davon beleben steigende Auftragseingänge das Geschäft im Maschinen- und Anlagenbau. Das Niveau des Rekordjahres 2008, bevor die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise für einen Einbruch der Auftragslage sorgte, ist fast wieder erreicht. 2017 stiegen die Aufträge um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei die größten Impulse aus dem Ausland kamen. Während diese um zehn Prozent wuchsen, hinkte die Inlandsnachfrage mit fünf Prozent etwas hinterher.

Trotz einiger Unsicherheiten auf den Weltmärkten sorgten die Maschinenausfuhren im vergangenen Jahr für neue Rekordwerte. Der Anstieg um zwölf Milliarden Euro (7,9 Prozent) auf 168,1 Milliarden Euro bedeutet für die Exporte ein neues Hoch, das sich seit mehreren Jahren ankündigt. „Im Laufe des Jahres waren dabei kaum Tempounterschiede zu verzeichnen“, heißt es im Jahresbericht des VDMA. „Schon die erste Jahreshälfte lag um 7,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, das Tempo der zweiten Jahreshälfte lag mit 7,9 Prozent nur unwesentlich darüber.“ Gleichzeitig stiegen dank der guten deutschen Konjunktur auch die Importe von Maschinenbauprodukten um 5,1 Prozent auf 69,4 Milliarden Euro. Mit 95,2 Milliarden Euro generiert der europäische Raum den größten Umsatz für die Maschinen- und Anlagenbauer, gefolgt von Asien mit 39,7 Milliarden Euro und Nordamerika mit 19,5 Milliarden Euro. In allen drei Kontinenten wurde ein Zuwachs zum Vorjahr verzeichnet. Im Detail betrachtet, stieg der Umsatz mit China um 22,9 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro, in den USA um 11,6 Prozent auf 18 Milliarden Euro und in Russland um 22,5 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Für den Handel mit Mexiko wirkte sich die Hannover Messe aus: Für das Gastland der Messe stieg der Exportumsatz um 28,9 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Starke Position behaupten

Dass der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sich trotz zunehmender Konkurrenz ausländischer Anbieter im internationalen Wettbewerb weiter behauptet, hat er vor allem seinen hohen Qualitätsstandards, seiner Spezialisierungsfähigkeit und Innovationskraft zu verdanken. Damit das so bleibt, ist die Suche nach Fachkräften und nach Lösungen, einem entsprechenden Mangel dauerhaft entgegenzuwirken, die wohl wichtigste Herausforderung für alle Unternehmen und Branchenverbände. Die zielgerichteten Internationalisierungsstrategien der Maschinen- und Anlagenbauer haben bisher gegriffen, wie die jüngsten Zahlen zeigen. Diesen Weg weiterzuverfolgen wird entscheidend für die weltweite Vormachtstellung sein. Darüber hinaus wird es aber auch darum gehen, den steigenden Kundenwünschen nach individuellen Systemlösungen gerecht zu werden und im Aftersales- und Servicegeschäft die optimalen Strategien zu finden. Diese dürften sich auch auf den Ausbau des Online-Geschäfts beziehen.


Stefan Mülders | redaktion@regio-manager.de

Ausgabe 06/2018