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Familie Lueg unternimmt schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Ausflug in einem motorisierten Fahrzeug: Zu sehen sind Friedrich Oscar Lueg vorne am Steuer, dahinter seine Frau Helene (geborene Hösterey) mit Tochter Hanna und hinter ihnen Großmutter Helene Lueg (Foto: Fahrzeug-Werke LUEG)
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Fahrzeug-Werke LUEG

Leidenschaft für Mobilität

Gegründet als Kutschenbaubetrieb, entwickelten sich die Fahrzeug-Werke LUEG bis heute zu einem der größten Mercedes-Händler Deutschlands. In diesem Jahr feiert das Familienunternehmen das 150-jährige Bestehen.



Als das Schicksal im Januar 1891 unvermittelt zuschlägt, kommt Aufgeben für Helene Lueg nicht infrage: Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Friedrich übernimmt die aus Lippstadt stammende Kaufmannstochter über Nacht die Leitung des Familienbetriebes und damit auch die Verantwortung für mehr als 20 Mitarbeiter. In einer Zeit, in der Frauen noch nicht wählen, nicht studieren und keine Firmen gründen dürfen, schlägt ihr erwartungsgemäß schnell gesellschaftlicher Gegenwind entgegen. Doch selbst von den Ressentiments ihrer Umgebung lässt sich die Visionärin nicht abhalten und steht mutig „ihre Frau“: Sie will den Familienbetrieb unbedingt erhalten.

 
Visionärer Führungsstil


Fortan verwaltet Helene Lueg nicht nur das von ihrem geliebten Mann Erreichte, sondern treibt die Geschäfte mutig voran. Mit ihrem visionären Führungsstil ebnet sie schließlich den Weg für die heutigen Fahrzeug-Werke LUEG, die in diesem Jahr das 150-jährige Bestehen feiern. Mit den Aufgaben und Herausforderungen ist Helene Lueg zu diesem Zeitpunkt schon vertraut. Immerhin unterstützte sie ihren Mann bereits in den Anfangsjahren aktiv beim Aufbau des Unternehmens: Fasziniert von moderner Mobilität, hatte der gelernte Wagenbauer Friedrich Lueg am 1. Oktober 1868 in der Bochumer Friedrichstraße die Wagen-Fabrik Lueg eröffnet. Angeboten wurden neue und gebrauchte Kutschen. Dass Friedrich ein gutes Gespür für neue Trends und Entwicklungen hatte, war schon früh erkennbar. Als bekannt wurde, dass Zechen aufgrund der steigenden Unfallzahlen Krankenwagen vorhalten mussten, konstruierte der Unternehmer zügig Kutschen für Krankentransporte und konnte sich vor Bestellungen kaum retten. Auf den von Carl Benz 1886 patentierten Motorwagen mit Verbrennungsmotor setzte er zu diesem Zeitpunkt hingegen nicht, da er Pferdekutschen für zuverlässiger hielt. Nach seinem Tod übernimmt Helene das Ruder und führt die Geschäfte unter dem Firmennamen „Fr. Lueg Nachfolger“ weiter. Auch ihr 15-jähriger Sohn Friedrich Oscar möchte ins Unternehmen einsteigen. Seine Mutter besteht jedoch darauf, dass er zuerst die Schule abschließt und eine Ausbildung absolviert.


Helene Lueg ebnet den Erfolgsweg


In den folgenden Jahren setzt die Unternehmerin auf Expansion – und schlägt damit einen sehr erfolgreichen Weg ein. Schon bald liefern die Bochumer ihre Kutschen nicht mehr nur an Zechen und Industrielle im Revier, sondern auch nach England und Südeuropa. Dementsprechend werden die Räumlichkeiten am Stammsitz bald zu klein: Helene Lueg entscheidet sich 1895 für den Abriss der Fabrik und lässt einen großzügigen Neubau errichten. Im Oktober 1896 tritt schließlich auch Friedrich Oscar ins Unternehmen ein und führt die Geschicke fortan gemeinsam mit seiner Mutter, bevor er im Januar 1900 die alleinige Leitung der Firma übernimmt. Helene Lueg steht ihm aber bis zu ihrem Tod im Jahr 1918 als Seniorchefin zur Seite – auch als er den Wandel von der Kutsche zum Automobil einleitet. Ausgangspunkt für die Entscheidung, ins Automobilgeschäft einzusteigen, ist die Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf im Jahr 1902: In der Jahrhunderthalle, die später ab- und in Bochum wieder aufgebaut wird, packt die Familie Lueg die Leidenschaft fürs motorisierte Gefährt. In den folgenden Jahren fertigt LUEG erfolgreich verschiedene Fahrzeugtypen und stellt seine Karosserien 1908 erstmals auf der Automobil-Ausstellung in Berlin aus. Neben den Eigenbauten bietet das Unternehmen u.a. auch Fahrzeuge von Oldsmobile, Mercedes und Adler sowie Kutschen an.

Krisen- und Erfolgsjahre

Besonders ereignisreich ist das Jahr 1914: LUEG eröffnet die erste Niederlassung in Essen sowie eine Fahrschule in Bochum. Darüber hinaus schließt Friedrich Oscar als einer der ersten Händler einen Vertrag mit Benz & Cie. und legt damit den Grundstein für die bis heute andauernde Partnerschaft mit Mercedes-Benz. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges stellt LUEG die Produktion wieder auf den Bau von Krankenwagen um. Es folgen bewegte Jahre mit Bränden auf dem Fabrikgelände, Zerstörung, Sabotage, Wiederaufbau und einem Neubau. In den Krisenjahren der Weimarer Republik kämpft LUEG mit der Inflation; 1923 kommt das Geschäft fast zum Erliegen. Rettungsanker ist in dieser Situation erneut der Bau von Krankenwagen. Als das Schlimmste überwunden scheint, lässt Friedrich Oscar ein imposantes Bürogebäude mit Ausstellungsfläche im Erdgeschoss bauen. Bei der Eröffnung 1925 ist das 32 Meter hohe Bauwerk das erste Hochhaus in Bochum. Nach einem Wechsel von Krisen- und Erfolgsjahren wird LUEG mit Beginn des Zweiten Weltkrieges immer mehr in die Rüstungswirtschaft eingespannt. Später werden die Werkstätten, Lager- und Verwaltungsgebäude bei Luftangriffen auf das Ruhrgebiet zerstört. In den Nachkriegsjahren stellt sich der Wiederaufbau als zentrale Aufgabe dar. Starke Frauen an der Spitze Nach dem Tod von Friedrich Oscar 1947 spielen erneut zwei starke Frauen eine zentrale Rolle bei der Ausrichtung des Unternehmens. Die Fahrzeug-Werke LUEG GmbH wird gegründet: Tochter Hanna auf der einen und ihre Schwester Leni Lueg zusammen mit ihrem Mann Paul Mahnert auf der anderen Seite halten jeweils 50 Prozent der Stimmrechte. Auch die beiden Unternehmerinnen teilen eine Leidenschaft fürs Automobil. Hanna fährt in den 1920er-Jahren als eine der ersten Frauen sogar sehr erfolgreich Autorennen. Als Gesellschafterin nutzt sie nach dem Krieg ihre Kontakte zur Schwerindustrie und sorgt dafür, dass Daimler bevorzugt mit Stahl aus dem Ruhrgebiet beliefert wird. Später stellt sie persönliche Bürgschaften zur Verfügung, um Neubauten aus eigenen Mitteln zu finanzieren und in Familienhand zu halten. Leni Mahnert-Lueg setzt sich zudem für den guten Zweck ein: Für ihr soziales Engagement erhält sie 1952 das Bundesverdienstkreuz. LUEG produziert in den folgenden Jahren auch selbst Fahrzeuge. Insbesondere Rettungswagen werden in die ganze Welt exportiert. Da neue Bauweisen in der Fahrzeugindustrie jedoch bald die Produktion preiswerter Großserien ermöglichen und die Fertigung von Hand überflüssig machen, geben die Bochumer den Fahrzeugbau 1954 auf und konzentrieren sich ausschließlich auf Vertrieb und Service. In den Wirtschaftswunderjahren wird das Service-Netz ausgebaut: Neue Standorte, Ausstellungsräume und Service-Konzepte entstehen.


Drang zur Optimierung

Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise, beginnen 2008 auch für LUEG schwierige Zeiten. Dennoch investiert die Gesellschafterfamilie in die Umstrukturierung des Unternehmens: Mithilfe überarbeiteter interner Prozesse, neuer IT sowie innovativer Werbe- und Kommunikationsmittel wird das Unternehmen für die Zukunft aufgestellt. Heute zählt LUEG mit mehr als 30 Standorten und über 1.400 Mitarbeitern zu den größten Mercedes-Händlern Deutschlands.
Anfang dieses Jahres feierte LUEG mit allen Mitarbeitern das Jubiläum in der Bochumer Jahrhunderthalle. Im Sommer wird das Team mit einer Roadshow durch das Ruhrgebiet ziehen. Beim Blick in die Geschichte wird vor allem eines deutlich: An der Spitze des Unternehmens standen immer wieder Menschen mit großen Zukunftsvisionen, die ihre Ideen ohne Angst vor Veränderungen zielstrebig umsetzten. Auch heute ist das LUEG-Team stetig auf der Suche nach neuen Ideen und Optimierungsmöglichkeiten. Geblieben ist zudem der Anspruch, erster Ansprechpartner in Mobilitätsfragen zu sein. Genau diese Leidenschaft für Mobilität zeichnet LUEG noch heute aus.

Ausgabe 02/2018