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Serie – Geldanlage, Teil 5: Private Equity

Investieren in alte Feinde

Familienunternehmer sehen Private Equity heute deutlich positiver als noch vor wenigen Jahren. Viele können sich auch vorstellen, in diese Anlageklasse zu investieren.



Jahrzehnte der Freundschaft verbinden sie nicht gerade – den deutschen Mittelstand und die Private-Equity-Branche. Noch vor der Finanzkrise verfolgten die meisten Geber von außerbörslichem Eigenkapital das Ziel, sich über Mehrheitsbeteiligungen in gut geführte mittlere Unternehmen einzukaufen. Das war jedoch nicht im Sinne der Inhaber, die kein Interesse daran hatten, die Kontrolle abzugeben. Der Wunsch, einen langfristig orientierten Gesellschafter an Bord zu holen, auf der einen Seite. Kurze Haltezeiten und möglichst schnelle Gewinnmaximierung auf der anderen. Diese Zeiten sind vorbei. So zeigt etwa die Studie der Beratungsgesellschaft PwC „Private Equity in Familienunternehmen“, dass die Skepsis von Firmenlenkern gegenüber den Finanzinvestoren einem durchaus positiven Bild gewichen ist. Private-Equity-finanzierte Unternehmen gelten der Untersuchung zufolge bei den befragten Entscheidern als besonders wettbewerbsfähige, überdurchschnittlich schnell und stark wachsende Marktteilnehmer. 72 Prozent der Studienteilnehmer sind der Ansicht, dass Private-Equity-Investoren die Gesamtleistung von Unternehmen erhöhen. 61 Prozent sind davon überzeugt, dass die Investoren den nachhaltigen Unternehmenserfolg zum Ziel haben.

Eine Überlegung wert

Hat sich die Sicht auf die Finanzinvestoren positiv verändert, so könnte es für Mittelständler durchaus eine Überlegung wert sein, privates Eigenkapital nicht nur als Finanzierungsquelle, sondern auch für die Geldanlage zu nutzen. Immerhin hat Private Equity die Nische verlassen und sich zu einer gängigen Assetklasse entwickelt – auch hierzulande. So sind nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) derzeit etwa 300 Beteiligungsgesellschaften in Deutschland tätig. Rund 1.000 Unternehmen werden jährlich über privates Eigenkapital finanziert. Zwischen 2013 und 2017 waren etwa 37 Milliarden Euro in diese Anlageklasse investiert. Lange Zeit war Private Equity in der Regel institutionellen Investoren vorbehalten, doch auch das hat sich geändert. Mittlerweile gibt es zahlreiche Fonds, an denen sich Privatanleger beteiligen können. Grundsätzlich können dafür verschiedene Varianten genutzt werden. So bieten geschlossene Fonds die Möglichkeit, direkt in Unternehmen zu investieren oder aber Geld in einen oder mehrere Private-Equity-Fonds anzulegen. Allerdings ist der Zugang zu den Vehikeln großer, renommierter Anbieter wie Blackstone oder KKR oft erst ab einer Mindestanlagesumme von 100.000 Euro möglich. Daher kommen diese Portfolios eher für sehr wohlhabende Privatanleger in Frage, und auch diese sollten sich gut überlegen, ob sie tatsächlich einen großen Teil ihres Vermögens in die für private Investoren noch neue Assetklasse anlegen wollen. Wer kleinere Summen investieren möchte, kann mittlerweile zwischen zahlreichen nicht an der Börse gelisteten Private-Equity-Gesellschaften wählen, die einen Einstieg in ihre Fonds bereits ab einer Anlagesumme von 10.000 Euro ermöglichen. Diese Vehikel sind oft Dachfonds, englisch auch: Funds of Funds, die das Geld ihrer Anteilseigner wiederum in andere Private-Equity-Fonds, sogenannte Zielfonds, anlegen. Dies hat den Vorteil, dass die Gelder sehr breit diversifiziert sind. Andererseits kommen auf die Anleger doppelte Kosten zu, da sowohl der Dachfonds als auch die Zielfonds Gebühren nehmen.

Es geht auch mit Venturecapital

Diese Gebühren lassen sich vermeiden, wenn Anleger kleinere Private-Equity-Häuser auswählen, die nicht in andere Fonds, sondern direkt in Unternehmen investieren. In diesem Fall sollten die Zielinvestments aber genau unter die Lupe genommen werden. Oft handelt es sich dabei nicht um etablierte, stabile Firmen, sondern um kleine, innovative Start-ups. Werden junge Unternehmen mit privatem Eigenkapital aus Fonds finanziert, so spricht man von Venturecapital, von Wagniskapital also. Dabei deutet der Name bereits darauf hin, dass solche Geldanlagen riskant sein können. Schließlich kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, wie erfolgreich sich ein Start-up entwickeln wird. Auf der anderen Seite können hier gute Renditechancen winken. Eine weitere Möglichkeit, in Private Equity zu investieren, sind börsengehandelte, passiv gemanagte Indexfonds, englisch Exchange Traded Funds oder kurz ETFs genannt. Die Anbieter solcher Fonds nutzen Indizes, in denen Private-Equity-Anbieter gelistet sind. Auf diese Indizes werden ETFs aufgelegt. Dabei werden die Papiere im Fonds so gewichtet, wie sie im entsprechenden Index vorkommen. Daher entwickeln sich die ETFs in der Folge wie der zugrundliegende Index. Da es keinen Fondsmanager gibt, der die Zusammensetzung der Titel im ETF regelmäßig aktiv verändert, werden solche Fonds als „passiv gemanagt“ bezeichnet. Der Vorteil daran: Die Vehikel sind deutlich günstiger als aktiv gemanagte, da hier kein Fondsmanager bezahlt werden muss. Zudem sind die Anlagesummen breit gestreut investiert. Und: ETFs sind sehr liquide, das heißt, sie lassen sich jederzeit leicht kaufen und verkaufen. Allerdings können sie starken Kursschwankungen unterliegen und sind nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.

Nicht gerade liquide

Wer ETFs als Konstrukt zu kompliziert oder zu unsicher findet und daher lieber in aktiv gemanagte Private-Equity-Fonds anlegen möchte, sollte beachten, dass diese Fonds den Pluspunkt der Liquidität meist nicht bieten. Das liegt in der Natur dieser Investments. Private-Equity-Fonds finanzieren mit dem Geld der Anteilseigner Unternehmen, die das Kapital etwa für Wachstum oder Expansionen benötigen. Aus diesem Grund verbleibt es für lange Zeit im Unternehmen. In der Regel erfolgt der Exit, der Ausstieg der Private-Equity-Gesellschafter, frühestens nach fünf Jahren. Erst wenn die Beteiligungen der Finanzinvestoren mit Gewinn verkauft werden, etwa weil das Unternehmen an die Börsen gebracht wird, erhalten auch die Anleger ihr Geld zurück. Damit ist das Vermögen also für viele Jahre gebunden. Wer früher aussteigen möchte, kann seine Anteile zwar an die Private-Equity-Gesellschaft zurückgeben, doch diese muss dafür erst einmal einen Käufer finden. Ein täglicher Handel, wie er etwa mit Aktien oder ETFs möglich ist, funktioniert daher nicht. Allerdings kann das auch vorteilhaft sein. Denn wie eine alte Börsenweisheit so schön sagt: „Hin und her macht die Taschen leer.“ Will heißen, wer in seinem Depot viele liquide Anlageklassen hat und ständig umschichtet, verursacht damit hohe Transaktionskosten. Und die schmälern die Rendite. Anlegern, die in Private Equity investieren, kann das nicht passieren. Dennoch: Die neue Assetklasse sollte auf jeden Fall nur als Beimischung im Depot dienen. Mehr als fünf Prozent sollten Investitionen in privates Eigenkapital nicht einnehmen. Mittelständer müssen es mit der neuen Freundschaft ja auch nicht gleich übertreiben.

Ausgabe 09/2018