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Das Prinzip der Multi-Asset-Fonds: Das Risiko über verschiedene Anlageklassen streuen und abwarten, dass sich das Geld von alleine vermehrt Foto: © Dan Race – stock.adobe.com

Serie – Geldanlage, Teil 2: Multi-Asset-Fonds

Die Mischung macht’s

Trotz Niedrigzinsen scheuen viele Anleger Investments in Aktien oder Aktienfonds. Multi-Asset-Portfolios können eine interessante Variante sein.



Sicher ist, dass die Rente nicht sicher ist. Das scheint den Bundesbürgern auch durchaus bewusst zu sein. Dies zeigt etwa der Ergo-Risiko-Report, den Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Auftrag der Ergo-Versicherungsgruppe im September 2017 erstellt hat. So erwarten knapp sieben von zehn Befragten, dass das Rentenniveau in den nächsten zehn Jahren weiter sinkt. Jeder vierte Deutsche befürwortet eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge.

Sicher ist auch, dass private Vorsorge für den Ruhestand – vernünftige Geldanlage überhaupt – in Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen mit sicheren Finanzprodukten wie Festgeld oder Bundesanleihen allein nicht mehr funktioniert. Dennoch bleiben die Deutschen Aktienmuffel. 43 Prozent erachten die Papiere zumindest für die Altersvorsorge als zu unsicher, Kursschwankungen erscheinen gefährlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die das Meinungsforschungsinstitut INSA-Consulere erstellt hat.

In dieser kniffligen Situation kommen moderne Multi-Asset-Fonds sehr gelegen. Hierzulande sind diese Fonds seit dem 13. Februar 2004 zugelassen. Die Umsetzung einer EU-Änderungsrichtlinie in deutsches Recht ermöglichte es Anbietern, die Produkte an den Markt zu bringen, die sich inzwischen zunehmend an Beliebtheit erfreuen. Im Grunde funktionieren Multi-Asset-Fonds ähnlich wie die immer noch etwas bekannteren Mischfonds. Wie die Begriffe bereits vermuten lassen, setzen die Fondsmanager in beiden Fällen nicht auf eine einzelne Anlageklasse wie Aktien oder Rentenpapiere, sondern legen das Geld ihrer Investoren breiter an. Damit kommen sie dem für die Geldanlage geltenden Gebot der Diversifizierung nach. Für den Anleger hat das den Vorteil, dass er sich nicht unbedingt selbst mehrere Fonds ins Depot legen muss, die in unterschiedliche Asset-Klassen investieren.

Mehr als Mischfonds

Während klassische Mischfonds in der Regel aber nur in Aktien und Anleihen anlegen, streuen die Manager von Multi-Asset-Vehikeln deutlich stärker und nutzen die unterschiedlichsten Anlageklassen. So können sich in einem solchen Portfolio neben Aktien und Renten auch Immobilien, Währungen, Rohstoffe oder sogar Hedgefonds-Anteile befinden. Der Pluspunkt im Vergleich zu Mischfonds-Konzepten liegt genau in der breiten Diversifizierung. Diese erlaubt es dem Fondsmanager, auf jede Konjunkturphase und jede Entwicklung an den Märkten zu reagieren, indem er die Gewichtung der Assets im Portfolio der neuen Situation entsprechend verändert.

So würde der Finanz-Profi etwa Rohstoffe übergewichten, sobald der Konjunkturzyklus vom Aufschwung in eine Boom-Phase übergeht. Im Abschwung würde er den Anteil an Anleihen im Fonds erhöhen, in einer Stagflationsphase stark Geldmarktwerte zukaufen. Ziel von Multi-Asset-Fonds ist es, durch die breite Streuung und die hohe Flexibilität unabhängig von der Marktlage möglichst gleichmäßige Erträge sowie eine positive jährliche Wertentwicklung für die Investoren zu erzielen. Darin ähneln die Produkte den sogenannten Total- und Absolute-Return-Fonds, die Anlegern mit ihrer Strategie ebenfalls in der jeder Marktsituation Rendite bescheren sollen. Und weil genau dies das Ziel ist, gibt es bei Multi-Asset- ebenso wie bei Total- und Absolute-Return-Portfolios auch keine Benchmark, also keinen Vergleichsindex. Anders kann es gar nicht sein, denn wer flexibel in die verschiedensten Asset-Klassen anlegt, kann nicht gleichzeitig auch den DAX oder den Euro Stoxx 50 schlagen.

Weitere Pluspunkte

Die Möglichkeit, schnell zu reagieren, ist allerdings nicht der einzige Vorteil, den Multi-Asset-Portfolios zu bieten haben. Zusätzlich können die Fondsmanager das Verlustrisiko niedrig halten, etwa, indem sie bestimmte Sicherungsinstrumente einsetzen. Mit solchen sogenannten Derivaten ist es sogar möglich, dass der Fonds in fallenden Märkten profitiert. Zudem verfolgen die Profis häufig neben dem Multi-Asset-Konzept auch noch weitere Anlagestrategien. So ist z.B. eine Low-Volatility-Strategie darauf ausgerichtet, die Volatilität im Fonds nicht über bestimmte festgelegte Marken hinaus steigen zu lassen. Zur Risikokontrolle können auch Verlustgrenzen definiert werden, die nie überschritten werden dürfen.

Multi-Asset-Portfolios sind genauso wie Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds – und anders als Zertifikate – Sondervermögen. Dies bedeutet, dass die Werte im Fonds getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwaltet werden. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens ist das Fondsvermögen daher nicht in Gefahr. Der Insolvenzverwalter hat darauf keinen Zugriff, es geht auch nicht in die Insolvenzmasse ein.

Weniger Risiko, weniger Rendite

Doch auch wenn sie zuweilen als „Alleskönner“ bezeichnet werden – Multi-Asset-Fonds haben natürlich auch gewisse Nachteile. Sie ergeben sich ebenso wie die Vorzüge aus der breiten Streuung. Diese vermindert auf der einen Seite das Risiko, kann aber auch die eigentlich mögliche Rendite aus einzelnen Anlageklassen drücken. Steigen etwa die Kurse an den Aktienmärkten rasant, profitiert ein Multi-Asset-Fonds selbstverständlich nicht so stark wie ein reiner Aktienfonds.

Darüber hinaus werden die allermeisten Multi-Asset-Portfolios aufgrund ihrer komplexen Struktur aktiv gemanagt. Das heißt, ein Fondsmanager oder ein Investmentteam trifft die Entscheidungen über Zusammensetzung und Umschichtung des Portfolios. Beim Erwerb von Anteilen an einem Multi-Asset-Vehikel werden daher oft Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent fällig. Bei sogenannten passiv gemanagten börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETF) hingegen werden Indizes nachgebildet. Ein Fondsmanager greift in der Regel nur dann ein, wenn sich die Gewichtung in den zugrunde liegenden Indizes verändert, und passt das Portfolio an. Daher werden für diese Produkte meist keine Ausgabeaufschläge berechnet. ETF sind im Multi-Asset-Bereich bislang allerdings die Ausnahme. Wer Interesse an den Fast-Alleskönnern hat, kann gerade bei Online-Banken und -Brokern aber zuweilen rabattierte Ausgabeaufschläge bekommen.
Andrea Martens | redaktion@regio-manager.de

 

Serie – Geldanlage
Teil 1: Regionale Aktien
Teil 2: Multi-Asset-Fonds
Teil 3: Impact Investing

Ausgabe 06/2018