Holzbau: Aus Holz gebaut

Immer mehr Bauherren setzen auf Holz. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und in Hamburg ist ein Projekt geplant, das der Branche zusätzlichen Schub verleihen könnte.
In Hamburg soll dieser Blickfang  aus Holz entstehen – die „Wildspitze“ (Visualisierung: © Störmer Murphy and Partners GbR)
In Hamburg soll dieser Blickfang aus Holz entstehen – die „Wildspitze“ (Visualisierung: © Störmer Murphy and Partners GbR)
Trotz sinkender Baugenehmigungen bei Wohngebäuden ist die Holzbauquote weiter auf nun 17,7 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Im Vorjahr 2016 lag sie noch bei 16,2 Prozent. Dies geht aus dem aktuell veröffentlichten Lagebericht 2018 von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister hervor. Als Treiber des Erfolgs werden die zunehmende Leistungsfähigkeit und die universelle Anwendbarkeit des Holzbaus gesehen. Hinzu kommt, dass sich das Informationsangebot der Branche in Qualität und Umfang zunehmend gesteigert hat. Dadurch wird der moderne Holzbau immer mehr zu einer interessanten Alternative für Bauherren und Planer. Johannes Schmitz, Vorsitzender des Zimmerer- und Holzbau-Verbands Nordrhein, zählt die Vorteile aus seiner Sicht auf: „Ökologische Gebäude, nachhaltiges Baumaterial, sehr gute CO2-Bilanz, schnelle Bauzeiten dank Vorfertigung, gutes Wohnklima wegen Trockenheit des Holzes usw.“ Hinzu komme ein vergleichsweise geringes Gewicht, das Aufstockungen möglich mache.  Die Auftragsbücher der Unternehmen sind auch weiterhin gut gefüllt. Für das Jahr 2018 rechnet Holzbau Deutschland daher mit einem Umsatzplus von 3,5 Prozent. „Wir haben überwiegend gut zu tun“, sagt auch Johannes Schmitz. Allerdings fügt er einschränkend hinzu, dass die Preise noch nicht ausreichend an die gestiegenen Material-, Lohn- und Gemeinkosten sowie weitere Mehrzahlungen angepasst werden konnten – „entgegen den häufigen Meldungen, dass die Baubranche im Moment einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen würde“. Fachkräfte dringend gesucht Die gute Auftragslage führt zu einer höheren Nachfrage nach Arbeitskräften. Jedoch ist es für die Unternehmen nicht leicht, geeignete Bewerber zu finden. „Fachkräftemangel ist Herausforderung Nummer eins“, betont Schmitz. Geburtenstarke Jahrgänge gingen in Rente, Lücken könnten nicht qualifiziert aufgefüllt werden. „Junge Leute erkennen zu wenig, welche Chancen unser Beruf des Zimmerers bietet und wie zukunftssicher, aber auch abwechslungsreich er ist.“ Gleichwohl meldet der Bundesverband, dass die Ausbildungszahlen im Holzbau weiter angestiegen sind. Das liege u. a. an der unverändert hohen Ausbildungsbereitschaft der Zimmerer- und Holzbauunternehmen. „Erfreulich ist auch der zunehmende Anteil an weiblichen Auszubildenden.“ Trotz positiver wirtschaftlicher Aussichten zeigen sich die im Verband organisierten Unternehmen besorgt über zunehmende Verordnungen und Vorschriften, „die das Bauen komplizierter und teurer machen“. Auch die Konkurrenz durch handwerksnahe Dienstleister wird als Erfolgshindernis gesehen. „Aufgrund deren geringerer Lohn- und Geschäftskosten können diese billiger kalkulieren. Hierbei wird jedoch übersehen, dass dies zumeist auf Kosten von Arbeitssicherheitsmaßnahmen und einer minderwertigen Bauqualität geht.“ Ein Leuchtturm-Projekt fast im wahren Wortsinn soll in Hamburg entstehen. Die geplante „Wildspitze“ in der Hafencity wäre Deutschlands höchstes Hochhaus aus Holz, mit dem möglichst umweltfreundlich dringend benötigte Wohnungen geschaffen werden sollen. Dabei wird das Projekt in den kommenden drei Jahren fachlich und finanziell mit rund 492.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert, wie diese kürzlich mitteilte. Neue Verordnung in NRW Und NRW? Johannes Schmitz macht darauf aufmerksam, dass demnächst, wegen einer neuen Landesbauordnung, höhere Holzhäuser hierzulande möglich sein werden. Grundsätzlich habe der Holzanteil im vergangenen Jahr in NRW bei zehn Prozent gelegen. Der ökologische Trend lässt ihn positiv in die Zukunft blicken. Diese dürfte mehr und mehr von der Digitalisierung bestimmt werden, die auch vor dem traditionsreichen Holzbau nicht Halt macht. So soll das Holzbau-Fachwissen zukunftsorientiert ausgerichtet und für Planer und Bauinteressierte mit Hilfe digitaler Formate noch einfacher zugänglich gemacht werden. Darauf haben sich die Verantwortlichen des Verbands in diesem Sommer auf Bundesebene verständigt. In den vergangenen fünf Jahren habe man gewaltige Anstrengungen unternommen und vermehrt Forschung und Entwicklung für den Holzbau betrieben. Das Informationsangebot habe dadurch in Qualität und Umfang zunehmend gesteigert werden können. Dazu erklärt der Vorsitzende Peter Aicher: „Nicht nur Forschung und Entwicklung sind wichtig, um den Holzbau wettbewerbsfähig zu machen. Wir wollen für den Holzbau begeistern. Entscheidend dafür ist, dass wir durch einen breit aufgestellten Wissenstransfer all diejenigen, die in Holz planen und bauen, noch besser unterstützen. Daher müssen wir alle Informationen zur Verfügung stellen, die ein besseres Verständnis für den Holzbau schaffen und die Vertrauen und Sicherheit in seiner Anwendung fördern.“ Der erste Schritt war die Veröffentlichung des Online-Katalogs „dataholz.eu“ im Juli. Er soll Architekten, Planern, Baubehörden und Ausführenden eine Sammlung bauphysikalischer und ökologischer Daten für Holz- und Holzwerkstoffe, Baustoffe, Bauteile und Bauteilfügungen für den Holzbau bieten. Der ursprünglich für den österreichischen Markt entwickelte Online-Katalog wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München um eine Auswahl von neuen und vorhandenen Bauteilen mit Nachweisen für den deutschen Markt ergänzt. Außerdem diskutierte der Vorstand zuletzt intensiv darüber, die mobile Verfügbarkeit von Informationen stärker auszubauen. Denn längst seien Smartphones und Tablets zu ständigen Begleitern geworden und kämen vermehrt auch im beruflichen Alltag zum Einsatz. Der stellvertretende Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Josef Schlosser, betont: „Die mobilen Geräte setzen neue Standards, was die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Wissen angeht. Dadurch steigt auch die Erwartungshaltung unserer Nutzer. Sie erwarten, dass sie auf die für sie relevanten Informationen jederzeit und von überall zugreifen können. Daher prüfen wir alle modernen technischen Mittel, die sich als Nachschlagewerk für Holzbauunternehmer, Architekten und Planer eignen.“ Das könnte beispielsweise eine Fachwissen-App sein. „Mit einem mobilen Zugang auf das Holzbau-Fachwissen könnten Fragen, die auf einer Baustelle spontan auftauchen, schnell geklärt werden. Damit würden wir den Nutzern einen echten Mehrwert bieten. Denn letztendlich können sie so produktiver und effizienter arbeiten.“ Daniel Boss | redaktion@revier-manager.de

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Ausgabe 08/2018