Wo’s die XXXL-Gadgets gibt

Die gute Baukonjunktur belebt auch die Branche, die das dafür notwendige Großgerät hat – ein interessanter Wirtschaftszweig mit guten Jobchancen.
(Foto: © Ewald Fröch  – stock.adobe.com)
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Technikgiganten wie Radlader, Kipper oder Bagger im XXXL-Format haben enorme Zugkraft als Thema verschiedener Fernsehprogramme. Es mag darum erstaunen, dass die Firmen für Baumaschinenhandel und -vermietung nicht ausreichend Mitarbeiter finden. Durch Personalengpässe kann sich sogar die Auftragsbearbeitung verzögern, wie der Bundesverband der Baumaschinen-, Baugeräte und Industriemaschinen-Firmen e.V. (bbi) von seinen Mitgliedsunternehmen erfahren hat.

Recruitment optimieren


„Wir müssen in der Mitarbeitergewinnung noch besser werden und zum Beispiel die Internetauftritte attraktiver machen“, erklärt bbi-Geschäftsführer Jürgen Küspert. „Und wir als Verband müssen vor allem die sozialen Medien noch besser verstehen und nutzen lernen.“ Große Unternehmen haben es hier eventuell leichter, Mittel für solche Zwecke freizumachen und so Wirkung zu entfalten. So erhielt Zeppelin Rental, ein sehr großes bbi-Mitgliedsunternehmen, 2017 den Digital Innovation Award vom europäischen Verband European Rental Association (ERA). Unabhängig vom digitalen Auftritt bieten aber auch Mittelständler beste Berufsperspektiven. „Händler und Vermieter haben oft flache Hierarchien. Mitarbeiter können schnell viel Verantwortung übernehmen. In dieser Branche wird anständig bezahlt; über den Mindestlohn denkt hier keiner nach“, so Küspert. „Es ist eine attraktive Branche mit moderner Technik, mit tollen Leuten, die leidenschaftlich bei der Arbeit sind.“ Organisationstalente und Praktiker, Prozessoptimierer und Tüftler können hier ihre Begabungen ausspielen: Wenn etwa eine Vermietfirma vier statt nur drei Baumaschinen auf ein Transportfahrzeug verladen kann, senkt dies die Kosten.

Wohnungsbau treibt Umsatz


Etwa 1235 Unternehmen in Deutschland ordnet die Statistik dem Handel mit Bau- und Industriemaschinen zu. Dieser Bereich erzielte 2016 einen Umsatz von rund 9 Milliarden Euro. Darin sind neben dem Handel mit Neu- und Gebrauchtmaschinen auch der technische Service und die Vermietung enthalten. Der Handelsumsatz stieg 2016 um rund neun Prozent (bbi-Prognose 2017: zwei Prozent). Umsätze aus Vermietung stiegen um rund sieben Prozent (2017: drei Prozent). Sie machen rund ein Fünftel des Geschäfts aus. „Der derzeit starke Wohnungsbau ist ein treibendes Element und auch der volumenstärkste Baubereich“, so Jürgen Küspert. „Dies ist gut zu sehen an den zahlreichen Turmdrehkranen, die derzeit auf Baustellen im Einsatz sind.“ Die bbi-Prognose 2017 für Maschinen im Hochbau liegt mit fünf Prozent höher als für die anderen Teilbereiche.

Arbeitsbühnen und Flurförderzeuge


Außer dem Bereich „Bau- und Industriemaschinen“ sind auch Firmen für Vermietung, Herstellung und Verkauf von Arbeitsbühnen im bbi organisiert. Dieser sehr regional strukturierte Markt setzte nach Küsperts Schätzung zuletzt rund 1,5 Milliarden Euro jährlich um – 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2017 rechnet der bbi mit einer etwas moderateren Steigerung von 3,5 Prozent. Der dritte Bereich im bbi ist der Handel mit und die Vermietung von Flurförderzeugen – zum Beispiel Gabelstaplern. Diese Fahrzeuge werden allerdings außer im Bau in vielen anderen Branchen eingesetzt. Dieser Bereich erzielte 2016 über drei Milliarden Euro Umsatz – sechs Prozent mehr (Prognose 2017: plus drei Prozent).

Händlerexklusivität notwendig


Baumaschinen werden ganz überwiegend über Vertragshändler verkauft. „Wir haben dafür gearbeitet, dass es die Händlerexklusivität im Baumaschinenhandel weiter gibt“, sagt Jürgen Küspert. „Wir haben nicht die Stückzahlen wie im Auto-Bereich, wo sie eingeschränkt wurde. Die großen Investitionen in Monteure, in Technik, in Servicefahrzeuge, in die Betriebsausstattung und die Corporate Identity brauchen ja einen gewissen Schutz, den der exklusive Vertriebsweg gewährt.“ Auch im Vermietmarkt bei Baumaschinen gibt es zahlreiche regionale Anbieter. Allerdings sind in diesem Segment auch verschiedene internationale Firmen wie Loxam aus Frankreich, Cramo aus Finnland und Boels aus den Niederlanden tätig. Der Maschinenpark der in Deutschland tätigen Vermieter ist nach ERA-Angaben der jüngste.

Kundennähe und Flexibilität


Nur vier von zehn Baumaschinenhändlern erzielen über eine Million Euro Umsatz pro Jahr und nur ein Zehntel über zehn Millionen Euro. Sie stehen jedoch für mehr als 80 Prozent des Branchenumsatzes. Auch im Mietmarkt stehen wenige Großunternehmen vielen Kleinbetrieben gegenüber. Wie kommen diese Mittelständler auf dem Markt zurecht? „Das Geheimnis ist eine extreme Kundennähe, Dienstleistungsbereitschaft, Schnelligkeit und Flexibilität“, erklärt Jürgen Küspert. „Da ist nicht Freitag um 16 Uhr Schluss. Auch Samstag wird gearbeitet, falls nötig. Aber auch diese kleineren Unternehmen haben eine starke Existenzberechtigung und sind überlebensfähig.“ Aufgrund des starken Wettbewerbs sei es aber für Firmen aller Größen sinnvoll, ihre Prozesse und Geschäftsmodelle ständig zu überprüfen.
Claas Möller | redaktion@rhein-wupper-manager.de

Ausgabe 08/2017